Algerien

Der Achtelfinalgegner der deutschen Nationalmannschaft kommt aus Algerien. Die Auswahl vom bosnischen Trainer Vahid Halilhodžić setzte sich überraschend in Gruppe H als Zweiter durch und schickte Russland sowie Südkorea bereits nach der Vorrunde nach Hause. Was von den „Wüstenfüchsen“ zu erwarten ist, worauf Löws Truppe achten sollte und warum die Statistiker Algerien als Favoriten sehen.

Bereits vor Beginn der Weltmeisterschaft hieß der Favorit in Gruppe H Belgien. Nicht zu Unrecht, wie drei Siege aus drei Spielen beweisen, auch wenn vieles im Spiel der roten Teufel Stückwerk blieb und hauptsächlich eine schwache Konkurrenz für die Maximalausbeute sorgte. Für das zweite Ticket in die Endrunde qualifizierte sich hinter Belgien jedoch etwas unerwartet Algerien, denen zuvor höchstens Außenseiterchancen hinter Russland und Südkorea eingeräumt wurden. Am Ende reichten ein Sieg gegen Südkorea (4:2) und ein Unentschieden gegen die „Sbornaja“ (1:1) für den zweiten Platz und damit für die erste Achtelfinalteilnahme bei einer WM für die Nordafrikaner.

Aus algerischer Sicht verliefen die drei Spiele dabei völlig unterschiedlich. Gegen Belgien begann die Mannschaft tief stehend und agierte aus einer kompakten Defensive und guter Organisation. Nach dem Führungstreffer von Sofiane Feghouli nach 24 Minuten zog sich das Team dann noch weiter zurück und überließ den Belgiern das Spiel, wovon zwischenzeitliche 70 Prozent Ballbesitz zeugten. Das Team von Halilhodžić verstand es bis zu den Einwechslungen von Marc Wilmots sehr gut, im Verbund zu verschieben und die Räume eng zu halten. Erst als die Joker in Person von Marouane Fellaini nach einem Standard und Dries Mertens nach einem Konter spät in der zweiten Hälfte stachen, war Algerien geschlagen.

Vielseitigkeit in der taktischen Ausrichtung und treffsichere Stürmer

Für das zweite Spiel nahm Halilhodžić fünf Wechsel in der Startaufstellung vor und stellte von 4-3-3 auf 4-2-3-1 um. Im Gegensatz zum Auftaktspiel gegen Belgien brannte Algerien im zweiten Spiel zu Beginn ein wahres Offensivfeuerwerk ab und hätte nach zehn Minuten locker führen können, scheiterte aber am eigenen Unvermögen. Dass letztlich doch eine 3:0-Halbzeitführung heraussprang, lag zwar vor allem am desolaten Gegner aus Südkorea, lässt aber auch Rückschlüsse auf die Offensivqualitäten der „Wüstenfüchse“ zu. Zusätzlich bewies Algerien Nervenstärke, als man sich vom Anschlusstreffer zum 3:1 in der 50. Minute nicht sonderlich aus der Ruhe bringen ließ und wenige Minuten später mit dem vierten Treffer kühl nachlegte. Auch als Südkorea eine Viertelstunde vor Schluss erneut durch den Mainzer Spieler Ja-Cheol Koo auf 4:2 herankam, geriet man keineswegs in Panik, sondern stemmte sich dagegen und ließ bis auf zwei Chancen nichts mehr zu.

Für das abschließende Gruppenspiel behielt der Trainer Algeriens die Ausrichtung seines Teams im 4-2-3-1 bei. Russland hingegen verstand es in dieser Partie, die Schwachstellen auf den Außenbahnen der Algerier offenzulegen und dort die Räume zu nutzen. Dem frühen Führungstreffer für das Team von Fabio Capello durch Aleksandr Kokorin ging eine Flanke von Dimitry Kombarov voraus. Nach dem Ausgleichstreffer, den ein erneuter Patzer von Akinfeev verschuldete, zog sich Algerien wieder weit zurück und verteidigte schließlich den Punkt, der zum Einzug ins Achtelfinale reichte.

Neben einer gut organisierten, aber recht eindimensionalen weil mannorientierten Defensive, die in allen drei Vorrundenspielen angewandt wurde, ist vor allem die Offensive der Algerier zu beachten. Mit Slimani, Feghouli, Brahimi und Djabou haben alle Offensivkräfte, die zu Beginn gegen Russland auf dem Platz standen, in Brasilien schon getroffen. Stürmer Islam Slimani von Sporting Lissabon gelangen sogar schon zwei Treffer. Angekurbelt wird das Spiel vor allem über den wendigen und dribbelstarken Außenspieler vom FC Valencia Sofiane Feghouli und den Zehner Yacine Brahimi, der ebenfalls in der Primera División beim FC Granada angestellt ist. Für das Spiel gegen Deutschland kann Vahid Halilhodžić auf alle seine Spieler setzen und wird aller Voraussicht derselben Elf das Vertrauen entgegenbringen, die gegen Russland Geschichte geschrieben hat.

Laut Statistik ist Algerien klarer Favorit im Achtelfinale

Jede Statistik, die dieser Tage für dieses Spiel bemüht wird, kommt nicht um das Jahr 1982 und Gijón herum. Seit mittlerweile 32 Jahren schon sitzt der Stachel tief im algerischen Stolz. Bei der damaligen Weltmeisterschaft in Spanien besiegte Algerien die deutsche Nationalmannschaft in der Vorrunde in ihrer Auftaktbegegnung mit 2:1. Weil sich aber Österreich und Deutschland im abschließenden Gruppenspiel nach dem Führungstreffer von Horst Hrubesch auf einen Nichtangriffspakt einigten, schied Algerien trotz zweier Siege nach der Vorrunde aus. Dies geschah deshalb, weil Algerien bereits tags zuvor seine Partie absolviert hatte und die Tordifferenz allen Beteiligten von da an klar war. So war die „Schande von Gijón“ geboren und schließlich auch der Grund dafür, dass die letzten Gruppenspiele bei großen Turnieren fortan immer zeitgleich ausgetragen werden.

Soviel, wie über diese Begegnung in den letzten Tagen schwadroniert wurde, müsste man eigentlich davon ausgehen, dass hier zwei große Rivalen, denen eine lange und gemeinsame Historie zu Grunde liegt, aufeinandertreffen. Jedoch hat selbst die ehemalige Deutsche Demokratische Republik (DDR) mehr Spiele gegen Algerien bestritten als die deutsche Nationalmannschaft. Nach dem Turnier in Spanien gab es kein Aufeinandertreffen mehr zwischen Algerien und Deutschland und auch vor der WM ’82 kam es nur zu einer einzigen Paarung. 1964 traf man sich zu einem Freundschaftsspiel im Omar-Hammadi-Stadion in Algier, welches mit 2:0 an Algerien ging. Somit sprechen die nackten Zahlen mit zwei Siegen aus zwei Spielen klar für „Les Fennecs“.