Ausnahme

Der VfL Wolfsburg hat vor wenigen Tagen mit Sidnei Djalo einen 13 Jahre alten Jugendspieler verpflichtet. Manager Allofs verteidigt den Wechsel als Ausnahme. Jedoch ist es nicht das erste Mal, dass der VfL einen so jungen Spieler abwirbt.

Auch wenn der Transfer durch einige Medien ging, so blieb der Wechsel von der Öffentlichkeit doch weitgehend verschont. Einzig die Rheinische Post, die Sport Bild sowie die beiden Portale Spox.com und Goal.com widmeten dem Fall ein paar Zeilen. Der VfL Wolfsburg hat (erneut) einen minderjährigen Teenager verpflichtet. Brisant an der Geschichte ist zum einen, dass der Club aus der Autostadt bereits 2012 einen 13-jährigen Jugendspieler verpflichtet hat, damals noch unter Felix Magath. Zum anderen, dass es erneut ein Jugendspieler des FC St. Pauli ist.

Manager Klaus Allofs verteidigt den Wechsel von Sidnei Djalo und betont, dass es nur eine Ausnahme sei. Jedoch ist schwer vorstellbar, dass niemand den Manager auf den Fall von Alexander Laukart aufmerksam gemacht hat. Laukart ging im Januar 2012 ebenfalls als 13-jähriger vom FC St. Pauli zum VfL Wolfsburg. Die Worte von Joachim Philipkowski, Leiter des Nachwuchszentrums des Kiezclubs, sind heute wie damals haargenau die Selben. Zitat 2012: „Dieser Weg ist nicht richtig. Der Junge wird zu früh aus dem familiären Umfeld gerissen.“ Zitat 2014: „Hier wird aber ein 13-jähriger Junge in einer wichtigen Entwicklungsphase aus seinem gewohnten familiären und sozialen Umfeld gerissen, um in Wolfsburg unter vermeintlich besseren Bedingungen Fußball spielen und zur Schule gehen zu können.“ Alexander Laukart war damals bereits nach einem halben Jahr nach Hamburg zurückgekehrt.

Allheilmittel Ganztagsbetreuung

Weil auch Hoffenheim im Januar 2012 mit Nico Franke einen 13-jährigen Spieler von Tennis Borussia Berlin loseiste, löste diese Art von Transfers bereits eine Diskussion aus. Selbst UEFA-Präsident Michel Platini kritisierte seinerseits das Vorgehen der beiden Clubs mit den Worten: „Ich bin grundsätzlich gegen den Transfer von Minderjährigen.“ Pikanterweise trat auch Klaus Allofs auf den Plan, der 1899 Hoffenheim gegen die harsche Kritik in Schutz nahm. „Man muss aggressiv sein, sonst bekommt man keine Spieler“, so die Worte des Managers, damals noch bei Werder Bremen angestellt. Nico Franke spielt seit Mai 2013 bei RB in Leipzig in der U 17. Die Nähe und Sehnsucht zu seiner Heimat Berlin gibt er als Grund für den Wechsel nach Sachsen auf seiner Facebook-Seite an.

Im Bezug auf Djalo versucht Allofs alles, dem Transfer die Brisanz zu nehmen und gesteht, dass dieser „durchaus außergewöhnlich“ ist. Er verweist jedoch darauf, dass auch die Eltern auf den Wechsel bestanden hätten und das in Wolfsburg alles für die Ausbildung der jungen Fußballer in Form von Ganztagsbetreuungen etc. getan wird. Das all die Psychologen und Pädagogen bei Alexander Laukart und Nico Franke ebenfalls nichts gebracht haben, wird ausgeblendet. Stattdessen hofft man erneut, bereits ganz früh den nächsten Superstar an Land gezogen zu haben. Das dieser noch minderjährig ist, scheint bei dem „modernen Menschenhandel“ (Zitat: Christoph Kramer) niemanden zu interessieren. Am allerwenigsten Klaus Allofs.