War das Klopp oder ist das Tuchel?

Borussia Dortmund: Emanzpiert unter Tuchel oder Erfolg durch Klopp-Vergangenheit?

Liverpool-BVB

Wenn der BVB am Donnerstag auf den FC Liverpool trifft, ist es nicht einfach nur ein Fußballspiel zweier Traditionsmannschaften Europas. Es ist das Duell zwischen zwei Vereinen, deren Trainer unglaublich viel miteinander verbindet und deren Handschrift von einem Mann geprägt sind: Jürgen Klopp.

Durch seine Erfolge mit dem BVB hat sich Jürgen Klopp in Dortmund unsterblich gemacht. Wie also emanzipiert man sich von einer Legende? Es war der denkbar schwerste Start für Thomas Tuchel, trotzdem hat er ihn bravourös gemeistert. Trotz der Hypothek von zwei Qualifikationsrunden für die Europa League, die eine terminliche Herausforderung für den Verein darstellten. Denn wie soll man seine Spielidee vermitteln, wenn man kaum testen kann? Gegen den Wolfsberger AK und gegen Odds BK war der BVB direkt unter Wettbewerbsbedingungen gefordert.

Dennoch hat es der neue Coach der Dortmunder Borussia geschafft, der Mannschaft seinen eigenen Stil zu verpassen. „Man spielt nicht mehr um jeden Preis nach vorne, sondern besitzt verschiedene Optionen – das imponiert mir. Tuchel ist eine perfekte Mischung aus Pep Guardiola und Jürgen Klopp“, sagte Ottmar Hitzfeld vor wenigen Monaten in der Sport Bild. Unter Tuchel hat es der BVB geschafft, nicht mehr im Dauerpressing den Gegner unter Druck zu setzten, sondern mit einem quasi-bajuwarischen Stil auch die Abwehr auf Löcher abzuklopfen, um dann blitzschnell in die Lücken vorzustoßen.

 

Besser als die letzten Jahre

Noch nie war ein Tabellenzweiter zu diesem Zeitpunkt der Saison so gut wie jetzt, noch nie holte ein angehender Vizemeister so viele Punkte wie die Schwarzgelben heute. „Die Entscheidung, Thomas Tuchel zu holen, war absolut richtig“, erklärt Hitzfeld weiter. „Einen deutschen Trainer, der seine eigene Philosophie hat, der der Mannschaft seinen Stempel aufdrücken kann. Unter ihm ist der BVB noch stabiler geworden, noch schwerer auszurechnen, noch flexibler.“

Wie stabil und flexibel die Westfalen inzwischen sind, lässt sich auch daran ablesen, dass die Bayern immer noch nicht Meister sind. Die Borussia hängt den Münchnern beharrlich im Nacken und wartet nur auf einen Ausrutscher, der Vorsprung beträgt lediglich fünf Punkte. Im letzten Jahr hatten die Bayern zum jetzigen Zeitpunkt bereits zehn Punkte Vorsprung vor dem Zweiten aus Wolfsburg, der Abstand zu den Dortmundern im letzten Jahr sollte besser im Dunkeln bleiben. Und auch die beiden Jahre zuvor war es nicht vergleichbar mit der Situation heute.

Detailverliebt und akribische Genauigkeit

Was aber macht Tuchel anders? Denn die Spieler sind größtenteils aus der Ära Klopp. Lediglich drei Akteure, die es wirklich in den Kader von Tuchel geschafft haben, sind nicht von seinem Vorgänger an den Borsigplatz geholt worden: Roman Bürki, Gonzalo Castro und Julian Weigl. Während Bürki nicht immer unumstritten ist, hatte auch Castro in dieser Saison mit seiner Form sowie den Entscheidungen seines Coaches zu kämpfen. Lediglich Weigl überzeugte bislang auf ganzer Linie. „Der BVB ist unglaublich konstant, gewinnt auch die schwächeren Spiele“, sagt Hitzfeld.

Was Tuchel dabei in jedem Fall zu Gute kommt, ist die Fitness seiner Spieler. Während Klopp im letzten Jahr mit einer Vielzahl von Verletzten zu kämpfen hatte, kann Tuchel auf einen breiten Kader zurückgreifen. Er achtet auf jedes Detail, um seine Spieler bestmöglich vorbereitet zu bekommen, sogar die Ernährungspläne im Verein hat er umgestellt. „Thomas hat gewisse Vorstellungen im Trainingsaufbau und auch abseits des Platzes. Er ist sehr akribisch und extrem motiviert. Ein wichtiger Punkt ist sicherlich auch die Ernährung“, sagte Sportdirektor Michael Zorc über seinen Trainer Anfang der Saison.

Die Emanzipation schreitet voran

Das registrieren auch die Spieler, die teilweise massiv abgenommen haben unter dem neuen Coach. „Kein Zucker mehr, kein Weizen oder Getreide“, sagt Gündogan und erklärte: „Anfangs war es gar nicht so einfach, auf die gewohnten Dinge zu verzichten. Aber jetzt schmeckt mir alles. Und mein Körper fühlt sich fitter an.“ Ähnliches gibt auch Mats Hummels zu Protokoll.

Man hatte sich von Klopp nicht getrennt, weil man nicht mehr überzeugt war vom Trainer. Man hatte sich getrennt, weil die Beziehung zueinander etwas eingeschlafen war, man wollte neue Impulse setzten, neue Reizpunkte schaffen. Dies ist den Verantwortlichen mit der Verpflichtung von Thomas Tuchel gelungen. Das allein durch die vielen Spieler noch etwas Klopp im BVB drinsteckt, liegt in der Natur der Sache. Das aber Thomas Tuchel den Vorgänger so schnell hat ‚vergessen‘ lassen, ist auch sein Verdienst und zeigt, welche Klasse erneut auf der Trainerbank beim BVB sitzt.

 

Bilder (Wappen): Von FC Liverpool – http://en.wikipedia.org/wiki/Image:LFC.svg, Logo, https://de.wikipedia.org/w/index.php?curid=3656546 und https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Borussia_Dortmund_logo.svg