Debatte

Der 11. Spieltag war wie gemalt für Torwart-Geschichten. Dass ausgerechnet eine der lahmsten Stories für eine neue Debatte herhalten soll, überrascht nicht nur Michel Preetz.

Die Torhüter standen am 11. Spieltag besonders im Mittelpunkt. Beim Spiel in Augsburg gegen den FSV Mainz hatten die Rheinhessen innerhalb einer Partie drei verschiedene Keeper, in Sinsheim gab es mal wieder einen Neuer-Patzer zu bewundern und im Frankenland haben die Clubberer mit Raphael Schäfer einen neuen Sündenbock gefunden. Zudem wurde die gesamte Woche vorher heftig über den Wechsel von Marc-André Ter Stegen zum FC Barcelona spekuliert.

Dass allerdings bei all den Themen ausgerechnet der Berliner Torwart Thomas Kraft von diversen Medien an den Pranger gestellt wird, ist doch überraschend. Dabei gäbe es so viel mehr Aufhänger. Etwa die Frage, wie viele Patzer sich Manuel Neuer in der Strafraumbeherrschung noch leisten darf, bevor auch dort wirklich mal kritisch hinterfragt wird. Aber ein Schnapper des großen FC Bayern gilt ja seit Oliver Kahn als Heiliger und darf per se nicht kritisiert werden. Denn dann müsste man wahrscheinlich wirklich zugeben, dass sich Neuer mehr Fehler leistet, als ein deutscher Nationalkeeper mit diesem Anspruch machen darf.

Wiederholungstäter und starke Prellböcke bleiben außen vor

Oder dass Christian Wetklo beim DFB nach seiner roten Karte als Wiederholungstäter gilt und daher ganze drei Spiele Sperre aufgebrummt bekommen hat. Daraus resultiert der seltene Fall, dass die beiden etatmäßigen Kräfte verletzt und gesperrt sind und wahrscheinlich Christian Mathenia sein Bundesligadebüt geben wird. Warum man jedoch schon als Wiederholungstäter gilt, weil man sich in der letzten Saison am 15. Spieltag ein Handspiel außerhalb des Strafraums leistete, wird wohl nur der DFB wissen.

Oder warum sich ein Raphael Schäfer in den Augen der Club-Fans zu verantworten hat, wenn seine Mitspieler vorne die Buden nicht machen und dabei leider auf einen wiedererstarkten Oliver Baumann vom SC Freiburg treffen, der schier unüberwindbar ist, obwohl er die Woche zuvor den HSV so selig mit drei ausgezeichneten Patzern beschenkte. Warum der Kapitän der Franken Prellbock für so viele Befindlichkeiten ist, denn Schäfer ist derzeit vom Notenschnitt her der drittbeste Keeper in der Bundesliga. Da passt es nicht so ganz zu der Lage in Nürnberg, dass der miserable Tabellenplatz ausgerechnet die Schuld von Raphael Schäfer sein soll.

Nein, auserkoren wurde mit Thomas Kraft ein Spieler, der eigentlich bisher mit ordentlichen Leistungen überzeugen konnte. Beim Fachmagazin kicker attestierte man dem ehemaligen Münchener sogar eine „fast tadellose Saison“. Bis zum Spiel in München. Dort verlor die Hertha mit Kraft im Tor mit 2:3. Nun ging auch das folgende Heimspiel gegen den FC Schalke 04 mit 0:2 verloren. Beides wahrlich keine Laufkundschaft, beides Champions League Vertreter. Einmal den amtierenden CL-Titelträger, die andere Mannschaft vom Selbstverständnis nur knapp dahinter. Die Qualität der beiden Teams ist unbestritten.

„Neuers Fehler war ein klarer Bock, anders als bei Kraft.“

In beiden Spielen wirft man Thomas Kraft Patzer vor. Sicher, der Keeper hatte schon bessere Tage als den in München, wo er bei allen Toren eine unglückliche Figur machte. Jedoch fragt der kicker bei der Hertha bezüglich einer Torwartdiskussion an, wo er als Argument seine eigene Notenvergabe vorschiebt. Das Magazin rechtfertigt also mit seinem eigenen System eine kritische Nachfrage. So sieht dann wohl Meinungsmache aus.

In Bayern kann man verlieren, hat sich mit 2:3 sogar achtsam aus der Affäre gezogen und die Münchener Überbayern zwischenzeitlich ins Schwitzen gebracht. Beim anderen Spiel am Samstag daheim in Berlin war man größtenteils die bessere Mannschaft. Den Gegentreffer zum 0:1 leitete Kraft zwar selbst mit ein, aber Adam Szalai war nun mal eher am Ball und Kraft segelte ziellos durch den Berliner Strafraum. Da sieht man aber auch schnell doof aus, wenn die Berliner Verteidiger Fabian Lustenberger und Sebastian Langkamp nichts gegen den Ungarn ausrichten.

Die Reaktion von Manager Michael Preetz ist somit nur richtig, der auf die Nachfrage entsprechend gereizt reagierte. Als lächerlich tat er die aufkommende Diskussion ab und brachte auch direkt das richtige Argument: „Was hat denn dann der FC Bayern nach diesem Spieltag? Neuers Fehler war ein klarer Bock, anders als bei Kraft.“

Die Frage, ob man eine Diskussion habe, nur um damit eine anzufachen, ist frech und es sollte mal von bestimmten Leuten in der Berichterstattung überdacht werden, ob es tatsächlich Sinn macht, auf diese Art und Weise Themen zu kreieren. Denn wie schon ausgeführt, es wären genug andere Torhüter da gewesen, wo man sich an diesem Wochenende hätte auslassen können…