Ghana

Das deutsche Team bekommt es bei der Weltmeisterschaft in Brasilien in der Vorrunde durchweg mit alten Bekannten zu tun. Ein Selbstläufer wird die Gruppe G deshalb aber noch lange nicht. Was Portugal, Ghana und die USA so zu bieten haben, wer alles mit nach Brasilien darf und wie die Statistiken gegen diese Auswahlteams aussehen, haben wir für euch genauer unter die Lupe genommen.

Das Aufeinandertreffen mit dem viermaligen Africa-Cup Gewinner verspricht ein Duell der beiden Boateng-Brüder und ein Wiedersehen mit den Black Stars nach 2010. Damals gewann das deutsche Team in einem zähen Spiel durch ein Tor von Mesut Özil. Heute sehen die Vorzeichen für das Spiel ein wenig anders aus.

Der Weltranglisten-37. qualifizierte sich bereits im November vergangenen Jahres für die Endrunde in Brasilien. Der Modus des afrikanischen Verbandes CAF sah es vor, dass Ghana aufgrund der guten Platzierung in der Weltrangliste erst in der zweiten Qualifikationsrunde in die Gruppenphase einsteigen konnte. Dort holte man souverän den Gruppensieg vor Sambia, Lesotho und dem Sudan. In den entscheidenden Playoff-Begegnungen gegen Ägypten holte man bereits im Hinspiel in Kumasi einen 6:1 Kantersieg und machte damit eigentlich schon alles klar. Das Rückspiel in Kairo ging zwar mit 1:2 verloren, interessierte aber niemanden mehr.

Viel Konstanz an der Seitenlinie

Gerade mal sechs Spieler im heutigen Team der Afrikaner waren vor vier Jahren in Johannesburg beim Spiel gegen Deutschland und der WM dabei. Lediglich die beiden Verteidiger Samuel Inkoom und Jonathan Mensah, die Mittelfeldakteure Kwadwo Asamoah und Sulley Muntari, und die beiden Stürmer Kevin-Prince Boateng und Asamoah Gyan sind noch übrig geblieben im Kader von James Appiah. So etwas nennt man wohl eine Runderneuerung.

Appiah war bereits von 1999 bis 2001 Co-Trainer Ghanas unter Cecil Jones Attuquayefio. 2008 begann seine zweite Amtszeit, in der er erst bis 2010 unter Milovan Rajevac, danach bis 2012 unter Goran Stevanović arbeitete. 2010 war er bereits für zwei Spiele Interimstrainer des A-Teams, ehe er 2011 mit der Leitung der U-23 Ghanas betreut wurde. Im April 2012 wurde er von der Ghana Football Association (GFA) schließlich als hauptamtlicher Trainer der A-Nationalmannschaft und als Nachfolger von Stevanović vorgestellt. Bei der Afrikameisterschaft in Südafrika im letzten Jahr wurde Ghana mit Appiah Vierter.

Ein Mix aus großen Namen und unbekannten Stars

Der Kader, den James Appiah zusammengestellt hat, sieht auf den ersten Blick aus wie ein wild zusammengewürfelter Haufen. Die Teams jedoch, für die die Spieler angestellt sind, lässt die Qualität der Black Stars ein wenig erahnen. Klangvolle Namen wie Juventus Turin (Kwadwo Asamoah), AC Mailand (Sulley Muntari) oder auch FC Parma (Afriyie Acquah) und Udinese Calcio (Emmanuel Agyemang-Badu) sind nur vier Mannschaften, die durch das Mittelfeld vertreten sind.

Auch aus der französischen Ligue 1 kommt ein großer Teil der Spieler. Angreifer André „Dede“ Ayew von Olympique Marseille erreichte mit seinem Team Platz 6 zum Ende der Saison, während seine Sturmkollegen Jordan Ayew mit dem FC Sochaux und Abdul Majeed Waris mit Valenciennes den Gang in die zweite französische Liga antreten mussten. Die beiden Verteidiger John Boye (Stade Rennais FC) und Jonathan Mensah (FC Évian Thonon Gaillard) hingegen schafften mit ihren Teams den Klassenerhalt und dürfen sich auch nach der Weltmeisterschaft in Frankreichs höchster Spielklasse messen. Sturmstar und Kapitän Asamoah Gyan spielt seit 2011 mittlerweile beim arabischen Club Al Ain und schoss dort in 40 Spielen 52 Tore. Auch in der Qualifikation zur WM war Gyan mit sechs Treffern neben den beiden Ägyptern Mohamed Abo Treka und Mohamed Salah erfolgreichster Schütze.

Ein Treffen unter Brüdern

Mit von der Partie ist in diesem Jahr auch wieder Michael Essien. Der Mittelfeldspieler vom AC Mailand, der 2006 für Ghana bereits in der Endrunde in Deutschland dabei war, verpasste aufgrund einer langwierigen Knieverletzung die letzte Weltmeisterschaft in Südafrika. Damals musste er von der Couch aus den größten Verbandserfolg mit dem Viertelfinaleinzug gegen Uruguay verfolgen. Dieses Jahr wird er dem Team mit seinen strategischen Fähigkeiten wieder auf dem Platz helfen können.

Ebenfalls im Aufgebot steht der in Berlin geborene Kevin-Prince Boateng. Der „Bad Boy“, der beim FC Schalke 04 den Leader gibt, wird somit auf seinen jüngeren Bruder Jérôme treffen und zeigen wollen, wer der bessere Fußballer von beiden ist. Nach markigen Sprüchen an Jogi Löws Teamzusammensetzung („Deutschland hat keine Typen und Charaktere, um mit diesem Druck umzugehen und die eine Mannschaft mitreißen können.“) und der Pinkelaffäre von Kevin Großkreutz („Früher wäre Großkreutz rausgeflogen!“) wird er darauf brennen, zu beweisen, dass seine Entscheidung für Ghana zu spielen, die richtige war.

Historische Fouls und ein großes Selbstvertrauen

Deutschland gegen Ghana, diese Begegnung gab es erst zweimal. Beide Spiele konnte das deutsche Team für sich entscheiden. Das erste Aufeinandertreffen datiert aus dem Jahre 1993, als man sich im Bochumer Ruhrstadion zu einem Freundschaftsspiel traf. Ghana ging kurz vor der Halbzeit durch seinen Stürmer Polley, der mit vollem Namen Prince Opoku Bismark Polley Sampene heißt, mit 1:0 in Führung. Nach der Pause drehte die Mannschaft von Berti Vogts jedoch auf und schenkte den Black Stars zwischen der 69. und der 88. Minute sechs Dinger ein. Zweimal Effenberg, zweimal Klinsi, einmal Möller und einmal Ulf Kirsten.

Die zweite Begegnung war da schon weitaus knapper. Am 23.06.10 in Johannesburg war es ein strammer Linksschuss aus 18 Metern von Mesut Özil, der die Partie zu Gunsten der deutschen Mannschaft entschied. Allerdings war das Spiel auch aus dem Grunde brisant, weil es dort zum ersten Aufeinandertreffen zwischen den beiden Teams kam, nachdem Kevin-Prince Boateng, damals noch in Diensten des FC Portsmouth, Michael Ballack im Spiel gegen den FC Chelsea derart verletzte, dass dieser die WM in Südafrika absagen musste. Der Ausgang ist bekannt.

2014 ist Ghana in der Gruppe G absoluter Außenseiter. Ein Weiterkommen gegen Portugal, die USA und Deutschland wäre eine riesige Überraschung. Nicht das die Black Stars dermaßen schlecht wären, aber die Konkurrenz mit Cristiano Ronaldo, Mesut Özil und Jozy Altidore ist einfach größer. Es ist kaum vorstellbar, dass die Viertelfinalteilnahme von 2010 zu wiederholen ist. Unterschätzen sollte man den Gegner aber trotzdem nicht. Das Selbstverständnis und das Selbstvertrauen nach den beiden letzten großen Turnieren dürfte in Ghana groß genug sein, um den Favoriten mindestens ein Bein stellen zu wollen.