Olaf Marschall

Neulich zeigte das TV während einer Live-Übertragung die Großaufnahme eines Spielers, der ein Nasenpflaster trug. Zwar war dies wohl eher einer Verletzung geschuldet, jedoch erinnerte es unweigerlich an diese famose Erfindung aus den Neunzigern, die alle Spieler jener Zeit auf den Nasen trugen und die den Gepflasterten angeblich mehr Sauerstoff beim atmen zukommen lassen sollte. Jedoch gab es keinen Spieler, der das Nasenpflaster mit soviel Erhabenheit, Stolz und Würde trug, wie er: Olaf Marschall.

Gemeinhin hat man den in Torgau geborenen Stürmer als Torversicherung des 1. FC Kaiserslautern im Gedächtnis. Seine Karriere begann Olaf Marschall aber bereits 1983, als er mit 17 Jahren von Torgau aus zum 1. FC Lokomotive Leipzig wechselte. Dort spielte er bis 1990 und gewann mit Lok Leipzig in jener Zeit 1986 und 1987 den FDGB-Pokal (Pokal des „Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes“) und wurde zweimal Vizemeister in der DDR-Oberliga, bis er schließlich nach Österreich ging.

Beim FC Admira Wacker Mödling, wo Marschall von 1990-1993 spielte, zeigten sich zum ersten Mal seine Torjägerqualitäten. Zwar schoss er schon in Leipzig in 135 Spielen 43 Tore, allerdings war zu jenem Zeitpunkt Konstanz für Marschall lediglich ein Ort am Bodensee. In Österreich änderte sich dies erstmals und so wurde er in der Saison 92/93 mit 19 Toren zweitbester Torjäger in der österreichischen Liga.

Nach diesem dreijährigen Intermezzo ging der ehemalige DDR- und BRD-Nationalspieler zurück in seine sächsische Heimat und folgte dem Ruf seines ehemaligen Trainers Siggi Held, unter dem Marschall bereits in Österreich spielte. Held bekam nämlich eine Anstellung als Trainer von Dynamo Dresden. Marschall ging gleich mit und schoss in seiner ersten Bundesligasaison in 32 Spielen 11 Tore, womit er direkt treffsicherster Dresdner war. Aufgrund der Finanzsorgen, die Dynamo damals hatte, wurde der Stürmer jedoch bereits nach einer Saison wieder verkauft, weshalb Marschall schließlich 1994 beim 1. FC Kaiserslautern landete.

Marschall kam gleich mal mit der Hypothek des teuersten Einkaufs in der FCK-Vereinsgeschichte. 2,8 Mio. Mark ließen sich die Pfälzer den Stürmer kosten, der sieben Treffer in seiner erste Saison bei den roten Teufeln erzielte. Die nächsten beiden Spielzeiten waren von vielen Verletzungen und dem Abstieg in die 2. Liga geprägt. Zwar gewann Marschall mit Kaiserslautern 1996 den DFB-Pokal, den Gang in die Zweitklassigkeit jedoch konnte auch er nicht verhindern. Allerdings hielt er dem Verein die Treue und half so mit 10 Toren in 16 Spielen beim direkten Wiederaufstieg 1997 mit.

Was dann folgte, dürfte der Karrierehöhepunkt für Marschall gewesen sein. 1998 holte er mit dem 1. FC Kaiserslautern unter Trainer Otto Rehhagel als Aufsteiger sensationell die deutsche Meisterschaft. Mit seinen 21 Treffern in 24 Spielen lag er dabei nur ein Tor hinter dem damaligen Torschützenkönig Ulf Kirsten. Sein Verletzungspech verhinderte mehr Einsätze und somit eine womöglich noch höhere Trefferzahl in der Meistersaison. In der folgenden Spielzeit erzielte der gebürtige Sachse nur noch 12 Hütten, schoss dabei allerdings mit einem Fallrückzieher gegen Hertha BSC das Tor des Jahres 1998.

Nachdem Marschall, der immerhin ein Tor auf dem „Betze“ in der Champions League gegen HJK Helsinki schoss, dann seinen Stammplatz im Sturm an einen gewissen Miroslav Klose verloren hatte, wurde sein Vertrag nach der Saison 2002 nicht mehr verlängert, so dass er noch mal nach Katar wechselte und dort für ein halbes Jahr bei Al-Ittihad spielte. Danach beendete Marschall, der vier Länderspiele für die DDR (0 Tore) und dreizehn für Deutschland (3 Tore) machte, seine aktive Karriere.

2004 kehrte Marschall schließlich an den Betzenberg als Vorstandsassistent unter René C. Jäggi zurück, wo er als dessen Nachfolger aufgebaut werden sollte. Ein halbes Jahr später allerdings wurde Marschall bereits Teammanager, was er auch bis zum Sommer 2006 blieb, bis er schließlich Co-Trainer bei den Lauterer Amateuren wurde. Dort arbeitete er unter dem heutigen Cheftrainer Kosta Runjaic und schlussendlich sogar zwei Monate als Interimstrainer für die zweite Mannschaft. Zum Saisonende 2004/05 wurde Marschall zudem Co-Trainer der Profimannschaft nach der Entlassung Kurt Jaras als Trainer.

Nachdem der ehemalige Stürmer nun Blut geleckt zu haben schien, drückte Marschall in der Hennes-Weisweiler-Akademie schließlich noch mal die Schulbank und bekam 2007 das Fußball-Lehrer-Diplom und damit schließlich seine Trainer-Lizenz. So arbeitete er bereits noch im selben Jahr als Trainerassistent in Dubai beim Al-Nasr Sports Club. 2011/12 war er Trainer der SG Niederkirchen/Morbach. Zur Saison 2013/14 schloss er sich Thomas Riedl, seinem ehemaligen Sturmkollegen aus fünf Jahren gemeinsamer Kaiserslauterer Zeit, an und trainiert mit diesem nun gemeinsam den Oberligisten SC 07 Idar-Oberstein.

Olaf Marschall lebt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Niederkirchen und frönt neben dem Trainerdasein seinen Hobbies Kochen und der Börse.