Portugal

Das deutsche Team bekommt es bei der Weltmeisterschaft in Brasilien in der Vorrunde durchweg mit alten Bekannten zu tun. Ein Selbstläufer wird die Gruppe G deshalb aber noch lange nicht. Was Portugal, Ghana und die USA so zu bieten haben, wer alles mit nach Brasilien darf und wie die Statistiken gegen diese Auswahlteams aussehen, haben wir für euch genauer unter die Lupe genommen.

Der erste Gegner der WM 2014 ist zugleich auch der erste Gegner der EM von 2012. Damals gewann die deutsche Mannschaft durch ein Kopfballtor von Mario Gomez mit 1:0. Der wird dieses Jahr aber nicht helfen können. Auf portugiesischer Seite ist es jedoch der gleiche Name, der nach wie vor alles überstrahlt: Cristiano Ronaldo. In der Primera División hat er mittlerweile mehr Tore geschossen, als Spiele absolviert. In der Champions League hat er in 103 Spielen 67 Treffer erzielt. In der portugiesischen Nationalmannschaft ist er inzwischen Rekordtorschütze mit 49 Hütten in 109 Partien.

Ronaldo entscheidet Duell der Diven für sich

Dass hinter Ronaldo jedoch vieles ist, was so gar nicht goldig ist und glänzt, bewies die Qualifikation von Portugal. Erst über die Playoffs qualifizierte sich das Team von Paulo Bento für die Endrunde. In der Qualifikationsgruppe F musste man Russland den Vorzug lassen, das am Ende einen Punkt mehr auf dem Konto hatte. Zwar wurde der zweite Platz durchaus ungefährdet ergattert, jedoch sah das in einer Gruppe mit Aserbaidschan, Nord-Irland und Luxemburg nicht immer souverän aus.

Für das Playoff-Spiel zur endgültigen Qualifikation bekam Portugal es schließlich mit Schweden zu tun. Hier bewies das Team von der iberischen Halbinsel zum ersten Mal seine Klasse. Das Hinspiel in Lissabon entschied Ronaldo in der Schlussphase mit einem Kopfballtor zu Gunsten der Gastgeber, nachdem Bentos Team die Schweden in der zweiten Halbzeit an die Wand spielte. Das Rückspiel wurde ein Nervenkrieg, in dem sich Ibrahimovic und Ronaldo gegenseitig überboten. 2:3 hieß es am Ende in Solna, wobei Ronaldo die drei Treffer für Portugal, Ibrahimovic beide Treffer für Schweden erzielte.

Bento vertraut auf die bewährten Kräfte

Den Kern bei der diesjährigen Weltmeisterschaft bilden fast alle Spieler, die schon 2012 gegen Deutschland auf dem Platz standen. In den einzelnen Mannschaftsteilen tauschte Paulo Bento zwar hier und da ein oder zwei Spieler aus, die bekannten Namen sind aber nach wie vor dieselben. Durchaus möglich, dass Bento sogar exakt die Startelf ins Rennen schickt, die schon 2012 in Lwiw begonnen hat.

Als Torhüter fahren der Europa League Sieger Beto vom FC Sevilla, Rui Patrício von Sporting Lissabon und Eduardo vom SC Braga, der mit 33 Spielen der Erfahrenste von allen Dreien ist, mit nach Brasilien. Mit Pepe und Fábio Coentrão stehen zwei Verteidiger in der Abwehrreihe, die vor wenigen Wochen mit Real Madrid die Champions League gewannen. Daneben gibt es mit Ricardo Costa, Bruno Alves und João Pereira erfahrene Haudegen, die teilweise schon jahrelang ihr Können in der Primera División unter Beweis stellen. Luís Neto und André Almeida sind das erste Mal bei einer WM dabei, durchliefen aber bereits mehrere Jugendnationalmannschaften in Portugal.

Ein Wolf und ein ehemaliger Bremer stürmen in Brasilien für Portugal

Das Mittelfeld ist nach wie vor geprägt von Raúl Meireles, Nani, João Moutinho und Miguel Veloso. Allerdings ist mit Rafa vom SC Braga und William Carvalho von Sporting Lissabon auch frisches sowie junges Blut dabei. Ruben Amorim vom Europa League Finalisten Benfica Lissabon hat zwar auch bereits elf Länderspiele absolviert, wird aber wohl mehr die Bank füllen.

Beinahe unbemerkt schaffte es ein Stürmer aus der Bundesliga in das Aufgebot von Paulo Bento. Vieirinha vom VfL Wolfsburg wurde nicht wenig überraschend nominiert, fiel er doch fast die komplette Spielzeit mit einem Kreuzbandriss für den VW-Club aus. Am 6. Spieltag gegen Hoffenheim verletzte sich der Flügelstürmer und kam erst zum 30. Spieltag zurück. Erst im letzten Spiel der Saison gegen Borussia Mönchengladbach machte der Portugiese wieder ein Spiel von Anfang an. Das schien Bento wohl zu reichen und er nominierte ihn. Ein weiterer Bekannter aus der Bundesliga ist Hugo Almeida, der ebenfalls im Aufgebot steht. Silvestre Varela und Hélder Postiga standen bei der letzten Begegnung vor zwei Jahren auf dem Feld und Éder vom SC Braga bleibt wohl vorrangig der Platz neben Ruben Amorim.

Knieprobleme und ein Hattrick zum Aus in der Vorrunde

Und schließlich Cristiano Ronaldo. So sehr die Hoffnungen auf ihn ruhen, so sehr sorgt sich die Nation um seine Gesundheit. Anhaltende Knieprobleme lassen die portugiesischen Fans mehr und mehr nervös werden, ob ihr Superstar rechtzeitig zum Duell gegen Deutschland fit wird. Die Freundschaftsspiele, die als Vorbereitung auf das Turnier galten, musste der Stürmer von Real Madrid verletzungsbedingt absagen. Vielleicht waren es aber auch nur Vorsichtsmaßnahmen, um die Knie nach einer kräftezehrenden Saison etwas zu schonen und ihm ein wenig Ruhe vor dem eigentlichen Trubel zu gönnen.

Die Geschichtsbücher verzeichnen mittlerweile 17 Aufeinandertreffen zwischen dem Weltranglisten-Vierten Portugal und dem Zweitplatzierten Deutschland. Neun Partien konnten aus deutscher Sicht siegreich gestaltet werden, fünf endeten Unentschieden. Nach lediglich drei Spielen verließ die deutsche Nationalmannschaft als Verlierer den Platz. Die letzte Niederlage ist bereits 14 Jahre her, dürfte aber vielen Fußballfans noch in schmerzhafter Erinnerung sein. Wer live dabei war, wurde Zeuge einer der schwärzesten Stunden des deutschen Fußballs. Es war am 20. Juni 2000, als Sergio Conceição dem Torwarttitanen Oliver Kahn drei Buden einschenkte und die deutsche Nationalmannschaft sang- und klanglos aus dem Turnier in Belgien und den Niederlanden nach der Vorrunde verabschiedete.

Platz 3, Halbfinaleinzug und Gruppensieg

Die letzten drei Spiele sind da schon in besserer Erinnerung. Bei der WM 2006 in Deutschland besiegte das Team von Jürgen Klinsmann die Portugiesen im Spiel um Platz 3 mit 3:1, was der versöhnliche wie verdiente Abschluss einer großartigen Leistung beim heimischen Turnier war und die neue Zeitrechnung einläutete. Beim darauf folgenden Turnier in Österreich und der Schweiz standen sich beide Mannschaften erneut gegenüber, dieses Mal im Viertelfinale. Die Tore von Bastian Schweinsteiger, Miroslav Klose und Michael Ballack entschieden dieses Spiel mit 3:2 zu Gunsten der deutschen Mannschaft. Das letzte Aufeinandertreffen in der Ukraine war eine spannende wie knappe Angelegenheit, in der das Team von Jogi Löw letztlich mit 1:0 die Oberhand behielt.

Je länger eine Serie dauert, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese reißt. Die Serie, nicht gegen Portugal verloren zu haben, hält mittlerweile 14 Jahre. Sollte aber die deutsche Mannschaft annähernd in Bestbesetzung auftreten können und ihr normales Niveau erreichen, ist Portugal schlagbar. Dafür muss die Mannschaft aber zu Beginn des Turniers direkt auf den Punkt fit und sich ihrer Aufgabe bewusst sein und dieses Spiel von Beginn an mit dem notwendigen Ernst angehen.

Man darf nicht darauf vertrauen, den Geist der Turniermannschaft erneut beschwören zu können und das erste Spiel erstmal locker angehen zu lassen. Ronaldo und Co. werden nach drei Niederlagen in Folge gegen Deutschland darauf brennen, diese Scharte auszuwetzen und werden alles in die Waagschale werfen, um nicht bereits nach dem ersten Gruppenspieltag ins Hintertreffen zu geraten. Von daher ist höchste Vorsicht aus deutscher Sicht geboten, denn Cristiano Ronaldo ins Rollen kommen zu lassen, könnte sich schnell rächen.