FC Bayern: Reform der Champions League – Fluch oder Segen?

Durch diverse Äußerungen von führenden Fußballfunktionären aus Europas Topligen in den letzten Tagen ist eine Diskussion in Gang gebracht worden, die dazu führen könnte, dass die Champions League reformiert wird. Wer aber wird davon profitieren und wer bleibt auf der Strecke?

 

Wie die englische Zeitung The Guardian berichtet, plant die UEFA, die Gruppenphase in der Königsklasse zu verkleinern. Schon vor einigen Tagen wurde erneut der Ruf nach einer europäischen Superliga laut, unter anderem auch vom Vorstandsvorsitzenden des FC Bayern München, Karl-Heinz Rummenigge. Die Argumentation ist dabei immer die gleiche: Weil die englischen Vereine finanziell davon ziehen, wollen Vereine wie der FC Bayern München oder weitere europäische Topklubs eine Superliga.

Reformen in der Champions League werden angedacht

Wie es scheint, knickt der Fußballverband nun wohl etwas ein. So soll eine Verkleinerung der Gruppenphase auf sechzehn Teams vorgenommen werden. Berufung auf einen Premier-League-Verein heißt es, dass es bei zwei Gruppen mit acht Teams zu mehr Duellen von Spitzenvereinen kommen könne. Die Rahmenbedingungen, wie sie derzeit sind, sind jedoch bis einschließlich der Saison 2017/18 festgeschrieben, so dass etwaige Änderungen erst danach greifen würden. Das neue Exekutivkomitee der UEFA könnte darüber aber wahrscheinlich Ende des Jahres entscheiden.

Damit würde der Verband den Topklubs entgegenkommen, da so die Zahl von vermeintlich unattraktiven Partien gegen kleinere Kontrahenten verringert werden würde. Vorher sollen K.o.-Runden stattfinden, um unattraktivere Vereine auszusieben, für die Ausscheidung der letzten 32 Teams könnten die Top 16 Europas gesetzt sein. Denkbar wäre zusätzlich auch nach wie vor die Einführung einer europäischen Superliga, die oberhalb der bisherigen europäischen Wettbewerbe geführt wird.

Der Abstand in den Ligen wird immer größer

Schon zu Jahresbeginn hatte Rummenigge in seiner Funktion als Vorsitzender der European Club Association das Thema Superliga wieder aufgebracht. „Ich schließe es nicht aus, dass man in Zukunft eine europäische Liga gründet, in der die großen Teams aus Italien, Deutschland, England, Spanien und Frankreich spielen“, so der Vorstandsvorsitzende. Was er jedoch eigentlich mit seinem Vorstoß hofft, ist eine Art Setzliste, in der Mannschaften wie der FC Bayern, Juventus oder auch Barca und Real erst später in den Wettbewerb eingreifen müssen.

Für die Bayern wäre dies natürlich ein Segen, da man so unattraktiven Gruppenspielen wie in Moskau, in Molde oder in Bukarest aus dem Weg gehen würde. Die eigenen Spieler würden geschont werden, man hätte die hochklassigen Gegner erst später im Modus und würde somit noch viel mehr Geld verdienen können, da die späteren Runden die viel größeren Prämien versprechen. Für alle anderen Vereine jedoch wäre dies nicht nur ein Schlag ins Gesicht, sondern die Schere zwischen Arm und Reich würde nur noch weiter auseinander gehen.

Manifestation der großen Vereine

Bereits jetzt hat der Rekordmeister einen mehr als zwanzigfachen Etat, den ein Aufsteiger in die erste Liga zu bieten hat. Auch die Traditionsklubs wie Stuttgart, Bremen oder Frankfurt hecheln nur noch hinterher und beschränken sich auf Schadensbegrenzung in Spielen gegen den Branchenprimus. Und schaut man unter den Deckel in Foren und Diskussionen, plädiert ein Großteil der Nicht-Bayern-Anhänger dafür, den Bayern ruhig die Superliga zu geben, sie aber gleichzeitig aus der Bundesliga dann auch ausschließen zu können. So würde die heimische Liga wieder spannend werden und die Attraktivität wäre gesteigert.

Eine Reform wie sie jedoch nun geplant ist, mit einer Setzliste für Topteams, spielt nur den großen Vereinen in die Karten. War der Cup der Landesmeister damals tatsächlich nur für die Meister vorbehalten, die sich von Beginn an in Hin- und Rückspiel durchsetzen mussten, so ist die Königsklasse inzwischen zu einer Gelddruckmaschine für Topklubs verkommen, wo sich Jahr für Jahr die gleichen Teams im Viertelfinale wieder sehen und die immer gleichen Duelle austragen. Mit der Reform würde dieser Umstand nur noch zementiert werden. Für die Bayern ein Segen, für die Liga ein Fluch!