Spannung

Klingt komisch, ist aber so: Die Premier League ist im Moment die ausgeglichenste und spannendste Liga in Europa!

In der Bundesliga sind es nur noch wenige Tage bis zum Beginn der Winterpause. Fünf quälende Wochen, die ertragen werden müssen, bis zur Rückrunde. Tage voller bangen, hoffen und fachsimpeln. Bleiben wir dort oben? Kommen wir da unten noch mal raus? Allerlei Testspiele mit und ohne Wert werden ausgetragen. Siege werden als gut für das Selbstvertrauen deklariert, eine Niederlage gilt in erster Linie der Erkenntnis. Wichtige Spieler verletzen sich in unnötigen Hallenturnieren. Auf dem Transfermarkt wird wieder geschachert und gepokert. Soweit die interessanten Fakten einer Winterpause.

Wer in dieser Zeit auf Fußball unter Wettbewerbsbedingungen nicht verzichten kann, sollte einen Blick nach England wagen. Auf der Insel gibt es keine Winterpause, die Serie wird einfach durchgespielt. Vor allem der „Boxing Day“ am zweiten Weihnachtstag und die Spieltage um die Feiertage herum erfreuen sich größter Beliebtheit, was dazu führt, dass viele prestigeträchtige Duelle in diesen Tagen ausgetragen werden. Und diese bieten in der englischen Premier League wieder Spannung, wie seit Jahren nicht mehr. Die Phalanx aus Manchester United, dem FC Liverpool und den beiden Londoner Clubs Chelsea und Arsenal dürfte endgültig aufgebrochen sein. Über Jahre hinweg waren die vier Mannschaften in der Premier League quasi unantastbar und fochten die Meisterschaft unter sich aus. Seit einiger Zeit schon mischt  das neureiche Manchester City das Quartett mächtig auf, was nicht zuletzt in der Meisterschaft 2012 gipfelte.

Manchester United nur auf Rang 8, Luis Suarez bereits mit 17 Toren

Zwar liegen mit dem FC Arsenal, dem FC Liverpool und dem FC Chelsea im Moment wieder drei von vier Mannschaften an der Spitze, dahinter tummelt sich jedoch eine ganze Schar von Teams, die die Meisterschaft in der Premier League diese Saison spannender halten, als es in jeder anderen Topliga Europas derzeit der Fall ist. Während in Spanien bis auf die erfreuliche Überraschung Atletico Madrid nur die Königlichen – mit wenigen Abstrichen – dem FC Barcelona noch folgen können, in der Serie A Juventus Turin alleine an der Spitze thront und der FC Bayern langsam aber sicher schon nicht mehr nur noch mit einem Fernglas, sondern mit einem Teleskop betrachtet werden kann, liegen in England zwischen dem Ersten und dem Achten nur zehn Punkte. Und den 8. Rang belegt derzeit Manchester United!

Arsène Wenger, der seine 17. Saison mit Arsenal bestreitet, bekam zu Beginn der Saison das erste Mal richtig Gegenwind ob seiner Transferpolitik in den englischen Medien zu spüren und strafte allein mit der Verpflichtung Özils alle Gegner Lügen. Der Wechsel des deutschen Nationalspielers entfachte eine Euphorie im Lager der Gunners, die sie bis auf Platz 1 katapultierte. Unerwartet ist auch das erstarken der „Reds“ aus Liverpool, die etwas überraschend mit zwei Punkten Rückstand auf Rang zwei stehen, nachdem der Traditionsclub in den letzten Jahren etwas den Anschluss zu verlieren drohte. Besonders der uruguayische Nationalspieler Luiz Suarez glänzt derzeit beim Club von der Merseyside mit bereits 17 Saisontoren. Punktgleich mit dem FC Liverpool sind die „Blues“ aus dem Londoner Stadtteil Chelsea.

Jeder kann jeden schlagen!

In unmittelbarer Schlagdistanz gibt es mit Manchester City, den Toffees aus Everton, Alan Shearer’s Ex-Club Newcastle United und den Hotspurs aus Tottenham eine breite Nachhut, die sofort da ist, sollte eine der vorderen Mannschaften patzen. Und dann wäre da noch Manchester United, welches unter dem neuen Trainer David Moyes schon fünf Niederlagen kassiert hat, seinen Topteamstatus aber zweifelsohne nicht zuletzt auch in Leverkusen untermauert hat. Dass in dieser Liga derzeit jeder jeden schlagen kann, beweisen vor allem die Partien vom vergangenen Wochenende, wo die Citizens den Tabellenführer mit 6:3 nach Hause schickten und der FC Liverpool unter anderem durch einen Doppelpack und zwei Assists von Suarez in Tottenham mit 5:0 gewann.

Die Premier League, welche als erste unter der immer weiter aufklaffenden Schere zwischen armen und reichen Clubs zu leiden hatte, erfährt gerade so etwas wie eine ungeahnte Renaissance. Wer also vom deutschen Titelkampf und der bayrischen Dominanz gelangweilt ist, wer Hallenturniere nicht als Budenzauber empfindet, wem sonst noch die drögen Trainingslagerberichte aus Belek und der Algarve auf den Wecker gehen, der tut gut daran, das Geschehen auf der Insel zu verfolgen. In England sind sie derzeit weiter weg von spanischen Verhältnissen, als man denken mag.