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Der vorzeitige Einzug ins Achtelfinale der Champions League von Borussia Dortmund wurde von Fanausschreitungen, einer Menge Pyrotechnik und Spielunterbrechungen überschattet. Die Schuld dafür tragen aber nicht nur die Fans aus Istanbul.

Schon vor dem Spiel feierten rund 1000 Anhänger von Galatasaray Istanbul am Dortmunder Friedensplatz und auf dem Weg Richtung Stadion ihre eigene verfrühte Silvesterparty. Im Signal-Iduna-Park setzte sich das Zündeln nahtlos fort. Es knallte und brannte über die komplette Spielzeit aus dem Gästeblock. Zwischendurch musste die Partie sogar unterbrochen werden, nachdem Mittelfeldspieler Shinji Kagawa vor dem Gästesektor eine Ecke für den BVB ausführen wollte und dabei mit Feuerwerkskörpern beworfen wurde. Dass kurz vor Spielende sogar benachbarte Fanblöcke mit Böllern und Leuchtraketen beworfen wurden, ließ die Polizei letztlich Ermittlungen „wegen versuchten Totschlags, Landfriedensbruchs, Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz und des Versammlungsgesetzes“ einleiten. Erste Festnahmen soll es bereits gegeben haben.

Auch der Dortmunder Anhang bekleckerte sich nach dem Schlusspfiff nicht mit Ruhm. Dadurch, dass die Heimfans das Stadion zuerst verlassen durften, nutzten einige Fans die Gelegenheit, die Sicherheitslinien zu überwinden und ihrerseits Angriffe auf die Gästekurve zu starten. Diese konnten nur mit Mühe durch die Polizei und die Ordner verhindert werden.

Inkompetenz vor dem Gästesektor

Der Sensationsgier folgend konzentrierte sich die mediale Aufmerksamkeit nach dem 4:1-Sieg der Dortmunder bisher ausschließlich auf die Krawalle sowie die Anhänger des türkischen Vizemeisters von 2014. Was aber in der Berichterstattung vollkommen untergeht, ist die Frage, wie überhaupt soviel Pyrotechnik ins Stadion geschmuggelt werden konnte? Bereits Mitte Oktober wurde Galatasaray Istanbul für seine feierwütigen und pyromanischen Fans von der UEFA zu einer Geldstrafe von 50.000 Euro verurteilt. Grund war auch hier das stetige Abbrennen von Feuerwerkskörpern bei der Champions League Partie in London gegen den FC Arsenal. Die Problematik, dass die türkischen Fans vielleicht die eine oder andere bengalische Fackel mit sich tragen werden, wird also auch in Dortmund bekannt gewesen sein.

Dass vereinzelt Pyrotechnik in einen Block gelangt, ist gänzlich sicher nicht auszuschließen und wegen der Schwere der Durchsuchungen sicher auch kaum möglich. Dass dort aber Material für ein 90 Minuten plus x andauerndes Feuerwerk in einem Gästeblock untergebracht werden kann von einer in dieser Hinsicht bekannt fanatischen Fangruppe, weist auch auf eine vollkommene Inkompetenz des Dortmunder Ordnungsdienstes hin. Bei normalen Ligaspielen beklagen sich Auswärtsfans mittlerweile über die Art und Weise, wie die Ordnungsdienste mit ihnen vor den Gästesektoren in Deutschland umgehen. Mit Ganzkörperkontrollen in speziell dafür aufgebauten Zelten vor zwei Jahren in München mussten sich einige Eintracht-Fans sogar sprichwörtlich nackig machen, um ins Stadion zu dürfen und ihr Team zu unterstützen.

Verantwortung liegt auch beim BVB

Insofern stellt sich schon die Frage, ob wegen vernachlässigter Sorgfaltspflicht den anderen Stadiongästen gegenüber nicht auch der Ordnungsdienst in Dortmund mal einer ordentlichen Prüfung unterzogen werden sollte. In der gestrigen sind die Ordner vor dem Gästeblock jedenfalls mit Ach und Krach durchgefallen. Wäre es wirklich durch die Pyrotechnik und die Angriffe auf Dortmunder Anhänger zu Verletzten gekommen, eine Mitschuld bzw. eine gewisse Verantwortung dafür hätte sicher auch der Ordnerdienst gestern übernehmen müssen, der schlichtweg einen miserablen Job gemacht hat.

Es spricht auch nicht gerade von Reflexion auf Seiten des BVB, wenn dort die gegnerischen Anhänger an den Pranger gestellt werden, die eigenen Sicherheitslücken jedoch keinerlei Bedenken auslösen. Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke resignierte mit den Worten: „Unser Ordnungsdienst hat extrem penibel kontrolliert, aber du kannst das ja nicht verhindern, wenn das so groß angelegt ist.“ Jedoch ist genau das die Aufgabe eines Ordnerdienstes. Über die Aussage, dass die gegnerischen Fans zudem erst eineinhalb Stunden vor dem Spiel am Stadion eintrafen und es deshalb nicht genügend Zeit gegeben habe, alle zu kontrollieren, darüber werden viele Auswärtsfahrer wohl eher müde lächeln können.