Strafe

Für das Foul des Schalkers Klaas Jan Huntelaar an den Hannoveraner Manuel Schmiedebach am 18. Spieltag empfahl der DFB-Kontrollausschauss dem Sportgericht eine Sperre von sechs Spielen. Laut Regelwerk genau richtig.

In der Veltins-Arena läuft die 85. Spielminute. Der FC Schalke 04 führt mit 1:0 gegen Hannover 96. Die letzte Chance der Gäste ist schon eine gute Viertelstunde her, alles sieht nach sicheren drei Punkten für Königsblau aus. Doch dann brennen dem niederländischen Stürmer Klaas Jan Huntelaar, genannt „Hunter“, die Sicherungen durch. Mit einigen Metern Anlauf springt der Schalker völlig ohne Not dem Mittelfeldspieler Manuel Schmiedebach in der gegnerischen Hälfte von hinten in die Beine. Schiedsrichter Sascha Stegemann zögert keine Sekunde und zieht die rote Karte für den Niederländer. Dieser ist über diese Entscheidung dermaßen erbost, dass er sich zum Referee gerichtet an die Stirn tippt und keinerlei Verständnis für die Entscheidung zeigt. Anstatt nun unaufgefordert den Gang in die Kabine anzutreten, geht Huntelaar trotz mehrfacher Aufforderung des vierten Offiziellen provokativ zur Schalker Bank und klatscht dort noch einmal mit der gesamten Delegation der Königsblauen ab.

Nun hat der DFB-Kontrollausschuss dem Sportgericht eine Sperre von sechs Spielen für den „Hunter“ empfohlen, mehr als ein Drittel der gesamten Rückrunde. Eine drakonische Strafe, ohne Frage. Aber legt man das komplette Regelwerk zugrunde, ist die Strafe gar nicht weit hergeholt. In dem Buch „Das Fußballstrafrecht des deutschen Fußball-Bundes (DFB)“ von Horst Hilpert heißt es im „§ 8 Strafen gegen Spieler in einzelnen Fällen:

Bei Bundesspielen gelten für Spieler unter anderem folgende Strafen:

a) für unsportliches Verhalten Sperre bis zu sechs Monaten; falls kein Feldverweis zugrunde lag, kann anstatt einer Sperrstrafe oder Geldstrafe auf Verwarnung oder Verweis erkannt werden;

b) für rohes Spiel gegen den Gegner Sperre von zwei Wochen bis zu sechs Monaten; roh spielt, wer rücksichtslos im Kampf um den Ball den Gegner verletzt oder gefährdet;

c) für Tätlichkeiten gegen Gegner oder andere bei dem Spiel anwesende Personen Sperre von sechs Wochen bis zu sechs Monaten; wenn gegen den Spieler oder den sonst Betroffenen unmittelbar vor seinem Vergehen eine sportwidrige Handlung begangen worden ist oder in einem leichteren Fall der Tätlichkeit Sperre von mindestens drei Wochen; bei Vorliegen beider Milderungsgründe Sperre von mindestens zwei Wochen;

d) für Tätlichkeiten gegen Schiedsrichter oder Assistenten Sperre von sechs Monaten bis zu zwei Jahren, in leichteren Fällen Sperre von mindestens acht Wochen;

e) für Beleidigung oder Bedrohung des Schiedsrichters oder der Assistenten während des Spiels Sperre von zwei Wochen bis zu drei Monaten, in leichteren Fällen Sperre von mindestens einer Woche;

f) für Nichtbefolgung der Anordnungen des Schiedsrichters Sperre von einer Woche bis zu drei Monaten“

Nimmt man nun all diese Regeln, heißt das, dass Huntelaar entweder gegen Punkt b oder c verstoßen hat, in jedem Falle aber auch gegen die Punkte e und f.

Gegen Punkt b spricht soweit, dass es kein Kampf um den Ball war, da dieser in aussichtsloser Position aus Sicht des Schalkers war. Jedoch war es ein „rohes Spiel“ des Niederländers, inwieweit dies auch rücksichtslos war, ist dann wiederum Auslegungssache. Laut einiger Aussagen wollte er sich jedoch lediglich eine gelbe Karte einhandeln, um im Spiel gegen Bayern München gesperrt zu sein. Dadurch, dass Huntelaar auch eher ein Stolpern von Schmiedebach provozieren will und nicht mit voller Wucht direkt in die Knochen geht, könnte hier noch auf mildernde Umstände plädiert werden.

Wird das Foul jedoch als klare Tätlichkeit behandelt, führt dies automatisch zu Punkt c. Milderungsgründe kommen hier jedoch kaum in Betracht, da gegen Huntelaar keine sportwidrige Handlung begangen worden ist. So bleibt hier unterm Strich eine dreiwöchige Sperre. Und dann kommen da noch die Punkte e und f hinzu. Der Unparteiische hat das tippen gegen die Stirn als ein „Vogel“ in seine Richtung gewertet, womit der Fall einer Beleidigung eintreten würde. Dies bedeutet weitere zwei Wochen Sperre. Dadurch, dass der „Hunter“ danach, trotz der Anweisungen des vierten Offiziellen Peter Gagelmann, nicht in die Kabine verschwunden ist, sondern sich noch von jedem einzelnen Auswechselspieler per Handschlag verabschieden musste, liegt auch hier die „Nichtbefolgung der der Anordnungen des Schiedsrichters“ vor. Und auch das bedeutet mindestens eine Woche Sperre. Zusammengenommen bei all diesen Punkten kommt man auf ein Minimum von sechs Spielen, die der niederländische Stürmer in Schalker Diensten in der Bundesliga aussetzen muss.

Nimmt man zu Gunsten des „Hunters“ nur ein „rohes“ Spiel an, wodurch Punkt b in Kraft treten würde und Punkt c entfällt, bleiben allerdings immer noch fünf Spiele als Sperre übrig. Diese wird es dann wohl auch in letzter Instanz geben, jedoch ist darunter bei korrekter Regelauslegung nichts zu machen. Insofern hat dies alles nichts mit Hexenjagd oder Benachteiligung von bestimmten Mannschaften zu tun. Ganz sicher auch nichts mit dem Ruhr-Derby, das am fünften Spieltag der Rückrunde, am 23. Spieltag, stattfindet und bei einer Fünf-Spiele-Sperre die letzte Partie ist, die der Niederländer von der Tribüne aus verfolgen muss. Vielmehr ist es der eigenen Dummheit geschuldet, sich auf solch unsportliche Art und Weise eine fünfte gelbe Karte abholen zu wollen.