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  • Marc Fischer

    Marc Fischer 8:26 am am April 13, 2016 Permalink | Antwort
    Tags: , Europa League, FC Liverpool, Jürgen Klopp, Thomas Tuchel   

    War das Klopp oder ist das Tuchel? 

    Borussia Dortmund: Emanzpiert unter Tuchel oder Erfolg durch Klopp-Vergangenheit?

    Liverpool-BVB

    Wenn der BVB am Donnerstag auf den FC Liverpool trifft, ist es nicht einfach nur ein Fußballspiel zweier Traditionsmannschaften Europas. Es ist das Duell zwischen zwei Vereinen, deren Trainer unglaublich viel miteinander verbindet und deren Handschrift von einem Mann geprägt sind: Jürgen Klopp.

    Durch seine Erfolge mit dem BVB hat sich Jürgen Klopp in Dortmund unsterblich gemacht. Wie also emanzipiert man sich von einer Legende? Es war der denkbar schwerste Start für Thomas Tuchel, trotzdem hat er ihn bravourös gemeistert. Trotz der Hypothek von zwei Qualifikationsrunden für die Europa League, die eine terminliche Herausforderung für den Verein darstellten. Denn wie soll man seine Spielidee vermitteln, wenn man kaum testen kann? Gegen den Wolfsberger AK und gegen Odds BK war der BVB direkt unter Wettbewerbsbedingungen gefordert.

    Dennoch hat es der neue Coach der Dortmunder Borussia geschafft, der Mannschaft seinen eigenen Stil zu verpassen. „Man spielt nicht mehr um jeden Preis nach vorne, sondern besitzt verschiedene Optionen – das imponiert mir. Tuchel ist eine perfekte Mischung aus Pep Guardiola und Jürgen Klopp“, sagte Ottmar Hitzfeld vor wenigen Monaten in der Sport Bild. Unter Tuchel hat es der BVB geschafft, nicht mehr im Dauerpressing den Gegner unter Druck zu setzten, sondern mit einem quasi-bajuwarischen Stil auch die Abwehr auf Löcher abzuklopfen, um dann blitzschnell in die Lücken vorzustoßen.

     

    Besser als die letzten Jahre

    Noch nie war ein Tabellenzweiter zu diesem Zeitpunkt der Saison so gut wie jetzt, noch nie holte ein angehender Vizemeister so viele Punkte wie die Schwarzgelben heute. „Die Entscheidung, Thomas Tuchel zu holen, war absolut richtig“, erklärt Hitzfeld weiter. „Einen deutschen Trainer, der seine eigene Philosophie hat, der der Mannschaft seinen Stempel aufdrücken kann. Unter ihm ist der BVB noch stabiler geworden, noch schwerer auszurechnen, noch flexibler.“

    Wie stabil und flexibel die Westfalen inzwischen sind, lässt sich auch daran ablesen, dass die Bayern immer noch nicht Meister sind. Die Borussia hängt den Münchnern beharrlich im Nacken und wartet nur auf einen Ausrutscher, der Vorsprung beträgt lediglich fünf Punkte. Im letzten Jahr hatten die Bayern zum jetzigen Zeitpunkt bereits zehn Punkte Vorsprung vor dem Zweiten aus Wolfsburg, der Abstand zu den Dortmundern im letzten Jahr sollte besser im Dunkeln bleiben. Und auch die beiden Jahre zuvor war es nicht vergleichbar mit der Situation heute.

    Detailverliebt und akribische Genauigkeit

    Was aber macht Tuchel anders? Denn die Spieler sind größtenteils aus der Ära Klopp. Lediglich drei Akteure, die es wirklich in den Kader von Tuchel geschafft haben, sind nicht von seinem Vorgänger an den Borsigplatz geholt worden: Roman Bürki, Gonzalo Castro und Julian Weigl. Während Bürki nicht immer unumstritten ist, hatte auch Castro in dieser Saison mit seiner Form sowie den Entscheidungen seines Coaches zu kämpfen. Lediglich Weigl überzeugte bislang auf ganzer Linie. „Der BVB ist unglaublich konstant, gewinnt auch die schwächeren Spiele“, sagt Hitzfeld.

    Was Tuchel dabei in jedem Fall zu Gute kommt, ist die Fitness seiner Spieler. Während Klopp im letzten Jahr mit einer Vielzahl von Verletzten zu kämpfen hatte, kann Tuchel auf einen breiten Kader zurückgreifen. Er achtet auf jedes Detail, um seine Spieler bestmöglich vorbereitet zu bekommen, sogar die Ernährungspläne im Verein hat er umgestellt. „Thomas hat gewisse Vorstellungen im Trainingsaufbau und auch abseits des Platzes. Er ist sehr akribisch und extrem motiviert. Ein wichtiger Punkt ist sicherlich auch die Ernährung“, sagte Sportdirektor Michael Zorc über seinen Trainer Anfang der Saison.

    Die Emanzipation schreitet voran

    Das registrieren auch die Spieler, die teilweise massiv abgenommen haben unter dem neuen Coach. „Kein Zucker mehr, kein Weizen oder Getreide“, sagt Gündogan und erklärte: „Anfangs war es gar nicht so einfach, auf die gewohnten Dinge zu verzichten. Aber jetzt schmeckt mir alles. Und mein Körper fühlt sich fitter an.“ Ähnliches gibt auch Mats Hummels zu Protokoll.

    Man hatte sich von Klopp nicht getrennt, weil man nicht mehr überzeugt war vom Trainer. Man hatte sich getrennt, weil die Beziehung zueinander etwas eingeschlafen war, man wollte neue Impulse setzten, neue Reizpunkte schaffen. Dies ist den Verantwortlichen mit der Verpflichtung von Thomas Tuchel gelungen. Das allein durch die vielen Spieler noch etwas Klopp im BVB drinsteckt, liegt in der Natur der Sache. Das aber Thomas Tuchel den Vorgänger so schnell hat ‚vergessen‘ lassen, ist auch sein Verdienst und zeigt, welche Klasse erneut auf der Trainerbank beim BVB sitzt.

     

    Bilder (Wappen): Von FC Liverpool – http://en.wikipedia.org/wiki/Image:LFC.svg, Logo, https://de.wikipedia.org/w/index.php?curid=3656546 und https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Borussia_Dortmund_logo.svg

     
  • Marc Fischer

    Marc Fischer 12:34 pm am December 17, 2013 Permalink | Antwort
    Tags: Arsène Wenger, , , FC Liverpool, , , Winterpause   

    Spannung 

    Klingt komisch, ist aber so: Die Premier League ist im Moment die ausgeglichenste und spannendste Liga in Europa!

    In der Bundesliga sind es nur noch wenige Tage bis zum Beginn der Winterpause. Fünf quälende Wochen, die ertragen werden müssen, bis zur Rückrunde. Tage voller bangen, hoffen und fachsimpeln. Bleiben wir dort oben? Kommen wir da unten noch mal raus? Allerlei Testspiele mit und ohne Wert werden ausgetragen. Siege werden als gut für das Selbstvertrauen deklariert, eine Niederlage gilt in erster Linie der Erkenntnis. Wichtige Spieler verletzen sich in unnötigen Hallenturnieren. Auf dem Transfermarkt wird wieder geschachert und gepokert. Soweit die interessanten Fakten einer Winterpause.

    Wer in dieser Zeit auf Fußball unter Wettbewerbsbedingungen nicht verzichten kann, sollte einen Blick nach England wagen. Auf der Insel gibt es keine Winterpause, die Serie wird einfach durchgespielt. Vor allem der „Boxing Day“ am zweiten Weihnachtstag und die Spieltage um die Feiertage herum erfreuen sich größter Beliebtheit, was dazu führt, dass viele prestigeträchtige Duelle in diesen Tagen ausgetragen werden. Und diese bieten in der englischen Premier League wieder Spannung, wie seit Jahren nicht mehr. Die Phalanx aus Manchester United, dem FC Liverpool und den beiden Londoner Clubs Chelsea und Arsenal dürfte endgültig aufgebrochen sein. Über Jahre hinweg waren die vier Mannschaften in der Premier League quasi unantastbar und fochten die Meisterschaft unter sich aus. Seit einiger Zeit schon mischt  das neureiche Manchester City das Quartett mächtig auf, was nicht zuletzt in der Meisterschaft 2012 gipfelte.

    Manchester United nur auf Rang 8, Luis Suarez bereits mit 17 Toren

    Zwar liegen mit dem FC Arsenal, dem FC Liverpool und dem FC Chelsea im Moment wieder drei von vier Mannschaften an der Spitze, dahinter tummelt sich jedoch eine ganze Schar von Teams, die die Meisterschaft in der Premier League diese Saison spannender halten, als es in jeder anderen Topliga Europas derzeit der Fall ist. Während in Spanien bis auf die erfreuliche Überraschung Atletico Madrid nur die Königlichen – mit wenigen Abstrichen – dem FC Barcelona noch folgen können, in der Serie A Juventus Turin alleine an der Spitze thront und der FC Bayern langsam aber sicher schon nicht mehr nur noch mit einem Fernglas, sondern mit einem Teleskop betrachtet werden kann, liegen in England zwischen dem Ersten und dem Achten nur zehn Punkte. Und den 8. Rang belegt derzeit Manchester United!

    Arsène Wenger, der seine 17. Saison mit Arsenal bestreitet, bekam zu Beginn der Saison das erste Mal richtig Gegenwind ob seiner Transferpolitik in den englischen Medien zu spüren und strafte allein mit der Verpflichtung Özils alle Gegner Lügen. Der Wechsel des deutschen Nationalspielers entfachte eine Euphorie im Lager der Gunners, die sie bis auf Platz 1 katapultierte. Unerwartet ist auch das erstarken der „Reds“ aus Liverpool, die etwas überraschend mit zwei Punkten Rückstand auf Rang zwei stehen, nachdem der Traditionsclub in den letzten Jahren etwas den Anschluss zu verlieren drohte. Besonders der uruguayische Nationalspieler Luiz Suarez glänzt derzeit beim Club von der Merseyside mit bereits 17 Saisontoren. Punktgleich mit dem FC Liverpool sind die „Blues“ aus dem Londoner Stadtteil Chelsea.

    Jeder kann jeden schlagen!

    In unmittelbarer Schlagdistanz gibt es mit Manchester City, den Toffees aus Everton, Alan Shearer’s Ex-Club Newcastle United und den Hotspurs aus Tottenham eine breite Nachhut, die sofort da ist, sollte eine der vorderen Mannschaften patzen. Und dann wäre da noch Manchester United, welches unter dem neuen Trainer David Moyes schon fünf Niederlagen kassiert hat, seinen Topteamstatus aber zweifelsohne nicht zuletzt auch in Leverkusen untermauert hat. Dass in dieser Liga derzeit jeder jeden schlagen kann, beweisen vor allem die Partien vom vergangenen Wochenende, wo die Citizens den Tabellenführer mit 6:3 nach Hause schickten und der FC Liverpool unter anderem durch einen Doppelpack und zwei Assists von Suarez in Tottenham mit 5:0 gewann.

    Die Premier League, welche als erste unter der immer weiter aufklaffenden Schere zwischen armen und reichen Clubs zu leiden hatte, erfährt gerade so etwas wie eine ungeahnte Renaissance. Wer also vom deutschen Titelkampf und der bayrischen Dominanz gelangweilt ist, wer Hallenturniere nicht als Budenzauber empfindet, wem sonst noch die drögen Trainingslagerberichte aus Belek und der Algarve auf den Wecker gehen, der tut gut daran, das Geschehen auf der Insel zu verfolgen. In England sind sie derzeit weiter weg von spanischen Verhältnissen, als man denken mag.

     
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