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  • Marc Fischer

    Marc Fischer 3:32 pm am February 3, 2015 Permalink | Antwort
    Tags: , FC Schalke 04, , Huntelaar   

    Strafe 

    Für das Foul des Schalkers Klaas Jan Huntelaar an den Hannoveraner Manuel Schmiedebach am 18. Spieltag empfahl der DFB-Kontrollausschauss dem Sportgericht eine Sperre von sechs Spielen. Laut Regelwerk genau richtig.

    In der Veltins-Arena läuft die 85. Spielminute. Der FC Schalke 04 führt mit 1:0 gegen Hannover 96. Die letzte Chance der Gäste ist schon eine gute Viertelstunde her, alles sieht nach sicheren drei Punkten für Königsblau aus. Doch dann brennen dem niederländischen Stürmer Klaas Jan Huntelaar, genannt „Hunter“, die Sicherungen durch. Mit einigen Metern Anlauf springt der Schalker völlig ohne Not dem Mittelfeldspieler Manuel Schmiedebach in der gegnerischen Hälfte von hinten in die Beine. Schiedsrichter Sascha Stegemann zögert keine Sekunde und zieht die rote Karte für den Niederländer. Dieser ist über diese Entscheidung dermaßen erbost, dass er sich zum Referee gerichtet an die Stirn tippt und keinerlei Verständnis für die Entscheidung zeigt. Anstatt nun unaufgefordert den Gang in die Kabine anzutreten, geht Huntelaar trotz mehrfacher Aufforderung des vierten Offiziellen provokativ zur Schalker Bank und klatscht dort noch einmal mit der gesamten Delegation der Königsblauen ab.

    Nun hat der DFB-Kontrollausschuss dem Sportgericht eine Sperre von sechs Spielen für den „Hunter“ empfohlen, mehr als ein Drittel der gesamten Rückrunde. Eine drakonische Strafe, ohne Frage. Aber legt man das komplette Regelwerk zugrunde, ist die Strafe gar nicht weit hergeholt. In dem Buch „Das Fußballstrafrecht des deutschen Fußball-Bundes (DFB)“ von Horst Hilpert heißt es im „§ 8 Strafen gegen Spieler in einzelnen Fällen:

    Bei Bundesspielen gelten für Spieler unter anderem folgende Strafen:

    a) für unsportliches Verhalten Sperre bis zu sechs Monaten; falls kein Feldverweis zugrunde lag, kann anstatt einer Sperrstrafe oder Geldstrafe auf Verwarnung oder Verweis erkannt werden;

    b) für rohes Spiel gegen den Gegner Sperre von zwei Wochen bis zu sechs Monaten; roh spielt, wer rücksichtslos im Kampf um den Ball den Gegner verletzt oder gefährdet;

    c) für Tätlichkeiten gegen Gegner oder andere bei dem Spiel anwesende Personen Sperre von sechs Wochen bis zu sechs Monaten; wenn gegen den Spieler oder den sonst Betroffenen unmittelbar vor seinem Vergehen eine sportwidrige Handlung begangen worden ist oder in einem leichteren Fall der Tätlichkeit Sperre von mindestens drei Wochen; bei Vorliegen beider Milderungsgründe Sperre von mindestens zwei Wochen;

    d) für Tätlichkeiten gegen Schiedsrichter oder Assistenten Sperre von sechs Monaten bis zu zwei Jahren, in leichteren Fällen Sperre von mindestens acht Wochen;

    e) für Beleidigung oder Bedrohung des Schiedsrichters oder der Assistenten während des Spiels Sperre von zwei Wochen bis zu drei Monaten, in leichteren Fällen Sperre von mindestens einer Woche;

    f) für Nichtbefolgung der Anordnungen des Schiedsrichters Sperre von einer Woche bis zu drei Monaten“

    Nimmt man nun all diese Regeln, heißt das, dass Huntelaar entweder gegen Punkt b oder c verstoßen hat, in jedem Falle aber auch gegen die Punkte e und f.

    Gegen Punkt b spricht soweit, dass es kein Kampf um den Ball war, da dieser in aussichtsloser Position aus Sicht des Schalkers war. Jedoch war es ein „rohes Spiel“ des Niederländers, inwieweit dies auch rücksichtslos war, ist dann wiederum Auslegungssache. Laut einiger Aussagen wollte er sich jedoch lediglich eine gelbe Karte einhandeln, um im Spiel gegen Bayern München gesperrt zu sein. Dadurch, dass Huntelaar auch eher ein Stolpern von Schmiedebach provozieren will und nicht mit voller Wucht direkt in die Knochen geht, könnte hier noch auf mildernde Umstände plädiert werden.

    Wird das Foul jedoch als klare Tätlichkeit behandelt, führt dies automatisch zu Punkt c. Milderungsgründe kommen hier jedoch kaum in Betracht, da gegen Huntelaar keine sportwidrige Handlung begangen worden ist. So bleibt hier unterm Strich eine dreiwöchige Sperre. Und dann kommen da noch die Punkte e und f hinzu. Der Unparteiische hat das tippen gegen die Stirn als ein „Vogel“ in seine Richtung gewertet, womit der Fall einer Beleidigung eintreten würde. Dies bedeutet weitere zwei Wochen Sperre. Dadurch, dass der „Hunter“ danach, trotz der Anweisungen des vierten Offiziellen Peter Gagelmann, nicht in die Kabine verschwunden ist, sondern sich noch von jedem einzelnen Auswechselspieler per Handschlag verabschieden musste, liegt auch hier die „Nichtbefolgung der der Anordnungen des Schiedsrichters“ vor. Und auch das bedeutet mindestens eine Woche Sperre. Zusammengenommen bei all diesen Punkten kommt man auf ein Minimum von sechs Spielen, die der niederländische Stürmer in Schalker Diensten in der Bundesliga aussetzen muss.

    Nimmt man zu Gunsten des „Hunters“ nur ein „rohes“ Spiel an, wodurch Punkt b in Kraft treten würde und Punkt c entfällt, bleiben allerdings immer noch fünf Spiele als Sperre übrig. Diese wird es dann wohl auch in letzter Instanz geben, jedoch ist darunter bei korrekter Regelauslegung nichts zu machen. Insofern hat dies alles nichts mit Hexenjagd oder Benachteiligung von bestimmten Mannschaften zu tun. Ganz sicher auch nichts mit dem Ruhr-Derby, das am fünften Spieltag der Rückrunde, am 23. Spieltag, stattfindet und bei einer Fünf-Spiele-Sperre die letzte Partie ist, die der Niederländer von der Tribüne aus verfolgen muss. Vielmehr ist es der eigenen Dummheit geschuldet, sich auf solch unsportliche Art und Weise eine fünfte gelbe Karte abholen zu wollen.

     
  • Marc Fischer

    Marc Fischer 1:27 pm am December 4, 2014 Permalink | Antwort
    Tags: FC Schalke 04, Horst Heldt, Jermaine Jones, Olaf Thon   

    Gedächtnislücke 

    Jermaine Jones twitterte sich den Frust von der Seele, während sein ehemaliger Arbeitgeber daheim mit 0:5 unterging. Für Olaf Thon Grund genug, eine Sperre für den amerikanischen Mittelfeldspieler zu fordern. Warum eigentlich?

    Letzte Woche forderte Olaf Thon eine Sperre für den ehemaligen Schalker Spieler Jermaine Jones. Dieser hatte seinen ehemaligen Sportdirektor Horst Heldt via Twitter nach dem peinlichen 0:5-Heimdebakel gegen den FC Chelsea hart kritisiert. „I just say ‚Horst Heldt’…who are you blaming now? It’s bad that someone can ruin a club like this“, waren die Worte des US-Amerikaners, der mittlerweile in Foxborough, nahe Boston, für den MLS-Club New England Revolution spielt.

    Zwischen Jones und Heldt bestand bereits seit dem Sommer 2013 eine etwas andere Liebesbeziehung, die darin mündete, dass Jones den Verein nach sieben Jahren und einigen Spitzen seines ehemaligen Sportdirektors im Winter 2014 schließlich entnervt verließ. Innerhalb dieser sieben Jahre hielt Jones unter den Übungsleitern Fred Rutten, Felix Magath, Ralf Rangnick, Huub Stevens und Jens Keller stets mit absoluter Loyalität dem Verein gegenüber die Knochen hin.

    Eine Kritik – zwei Auslegungsmöglichkeiten

    Für den temperamentvollen Ausbruch von Jones drängte das ehemalige Schalker Urgestein Olaf Thon nun auf eine Sperre für den Spieler. Thon forderte gar Konsequenzen vom Nationalcoach der USA, von Jürgen Klinsmann. Zudem empfand er die Äußerung von Jones als stillos. Auch wenn Jones in der Bundesliga und auf Schalke ein polarisierender Spieler war, so ist es emotional durchaus verständlich, wenn der 33-jährige Nationalspieler impulsiv seine Gefühle zum FC Schalke in diesem Augenblick twitterte. Zudem waren die Äußerungen weder beleidigend noch ausfallend, auch wenn sie doch drastisch erscheinen. Letztlich legte er nur den Finger in die Wunde, da auch Jones damals für Niederlagen und mangelnden Teamgeist verantwortlich gemacht wurde.

    Inwiefern sich ein Olaf Thon bemüßigt fühlt, von einem ihm völlig fremden Verband gegen einen Spieler eines völlig fremden Vereins Sanktionen zu fordern, wird wohl der Weltmeister von 1990 nur selbst wissen. Ebenso die Tatsache, wieso sich der Kern der Kritik von der eines Partei-Mitglieds der CDU – auch das ist Olaf Thon – unterscheidet. Denn auch Olaf Thon kritisierte die Königsblauen nach der 0:5 Pleite gegen Chelsea. Zwar mag seine Äußerung mit den Worten „Das war heute eine geschlossen schlechte Mannschaftsleistung“ sachlicher gewesen sein, als Jones es ausdrückte. Der Grundgedanke bleibt jedoch der Selbe, denn auch Thon wünschte den Verantwortlichen, allen voran Trainer Di Matteo und Horst Heldt, „schnell den Turnaround“ zu schaffen.

    “journalistische“ Kolumnen und „Tapetenwechsel“

    Überhaupt hielt sich Thon in der Vergangenheit mit Kritik an Spielern und Mannschaften, die ihn überhaupt nichts angingen, selten zurück. Unter anderem arbeitete er sich schon an Joachim Löw und Bastian Schweinsteiger ab. So bescheinigte er bereits Anfang 2013 dem Münchner Spielgestalter ein baldiges Karriere-Ende in der Nationalmannschaft, weil dieser einfach nicht gut genug sei, zu alt wäre und verglich ihn mit Michael Ballack in dessen Endphase. Im September 2013 sprang er Matthias Sammer bei, als dieser beim FC Bayern mal auf den Tisch haute und damit den Unmut von Präsident Uli Hoeneß und dem Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge auf sich gezogen hatte. Anfang Juni vor Beginn der Weltmeisterschaft in Brasilien fabulierte Thon sogar davon, dass Löw nicht der Richtige für die Nationalmannschaft und ein „Tapetenwechsel“ nötig sei.

    Eventuell glaubt Olaf Thon, dass er als Weltmeister von 1990 mehr zu sagen hätte, als es ein Jermaine Jones hat, und er aufgrund einiger „journalistischer“ Tätigkeiten das Recht hat, Kritik an anderen Clubs zu äußern. Vielleicht hat er es aber auch nur vergessen, dass auch er schon völlig nutzlos getadelt und genörgelt hat. Mit 129 Spielen für Königsblau hat Jones zumindest nicht weniger das Recht, seinen alten Arbeitgeber zu kritisieren, als Thon es hat.

     
  • Marc Fischer

    Marc Fischer 5:20 pm am May 2, 2014 Permalink | Antwort
    Tags: , Eintracht Braunschweig, , , FC Schalke 04, , , , Lieberknecht, Mainz, Prinzen,   

    Schneckenrennen 

    Im Tabellenkeller liefern sich Braunschweig, Nürnberg und Hamburg einen harten Kampf um den Relegationsplatz. Der bewahrt den Inhaber zwar nicht vor dem drohenden Abstieg, lässt aber für zwei Extraspiele die Hoffnung am leben, das Ruder zum Klassenerhalt doch noch herumreißen zu können.

    So haben alle drei Mannschaften auch noch berechtigte Chancen, sich in den letzten beiden Spieltagen vor der Sommerpause den begehrten 16. Platz zu sichern. Wir beleuchten die derzeitigen Situationen der einzelnen Teams im Keller, wie gut die Gegner gerade so drauf sind und was man von den Schicksalsspielen erwarten kann.

    Eintracht Braunschweig

    Platz 18 in der Tabelle, die wenigsten Punkte, gemeinsam mit dem Hamburger SV die meisten Niederlagen und zwei Spieltage vor Schluss immer noch die Hoffnung auf den Relegationsplatz. Braunschweig hat immer noch die große Möglichkeit, die Saison mit einer kleinen Sensation zu beenden. Mit jedoch nur 28 geschossenen Toren sind die Braunschweiger das offensiv harmloseste Team der gesamten Bundesliga. Bei der Gegentor-Statistik jedoch beweisen die Niedersachsen durchaus, dass sie keine Fehlbesetzung in der Liga sind.

    Hier liegen die Löwen mit 56 Gegentreffern zusammen mit dem SC Freiburg auf Platz 11 der Tabelle. Fünf der sechs Siege in dieser Saison holte der BTSV im heimischen Eintracht-Stadion. In der Heimtabelle liegt man mit insgesamt 18 gesammelten Punkten sogar noch vor dem 1. FC Nürnberg und dem Hamburger SV. Auswärts hingegen holte die Eintracht erst magere 7 Pünktchen, wobei der einzige Sieg in der Volkswagen-Arena des VfL Wolfsburg (0:2) zustande kam.

    FC Augsburg (H)

    Ein Aufeinandertreffen mit den Schwaben gab es für die Löwen erst dreimal. Dabei spricht die Bilanz klar für den FCA. In der Saison 2006/07 traf man in der 2. Liga das erste Mal aufeinander. Das Spiel in Augsburg endete damals torlos, das Rückspiel beim BTSV am 33. Spieltag verloren die Löwen mit 0:1.

    Beim Hinspiel in der SGL Arena in dieser Spielzeit gingen die Braunschweiger mit 4:1 unter. Überragender Akteur auf dem Platz, nicht zuletzt wegen seiner beiden Treffer, war André Hahn. So sprangen aus den drei bisherigen Partien gegen Augsburg lediglich ein Punkt und ein Tor heraus. Augsburg hingegen holte in den drei Aufeinandertreffen bei 5:1 Toren sieben Punkte. Da die Augsburger noch um ihre Restchance kämpfen werden, einen Europapokal-Platz zu ergattern, ist kaum davon auszugehen, dass es der FCA zum Saisonausklang lockerer angehen lässt.

    BTSV-Trainer Torsten Lieberknecht traf als Spieler selbst zweimal auf den FC Augsburg. Als Spieler vom 1.FC Saarbrücken verlor er in Augsburg im September 2002 mit 0:3 recht deutlich. 2006 spielte Lieberknecht dann bei der Eintracht aus Braunschweig und erreichte dieses Mal in Augsburg immerhin ein torloses Unentschieden.

    TSG 1899 Hoffenheim (A)

    Für die Löwen aus Braunschweig sind es in dieser Saison die ersten Aufeinandertreffen mit der TSG aus Sinsheim überhaupt. Nie zuvor sind sich diese beiden Vereine über den Weg gelaufen und haben die Schienbeine gekreuzt. Die erste Partie in der Hinrunde im Eintracht-Stadion entschieden die Löwen kurz vor Weihnachten mit dem denkbar knappsten Ergebnis. 1:0 gewann der BTSV damals und sicherte sich damit drei ganz wichtige Punkte, um die Hoffnung, den Klassenerhalt zu schaffen, über die Winterpause hinüber zu retten.

    Dabei ist ein Auswärtssieg auch tendenziell gegen die Wundertüte Hoffenheim möglich. Die TSG hat mit 67 Buden zwar die drittmeisten Tore erzielt, hat aber mit 66 gefangenen Dingern auch die zweithöchste Anzahl an Gegentreffern zu verbuchen. Dabei steht der Verein insgesamt so solide im Niemandsland, wie es nur geht. Platz 9 in der Liga, bei zehn Siegen, elf Unentschieden und elf Niederlagen. Auch in der Heimtabelle steht man mittelfeldiger als alles andere. Das heißt Platz zehn mit sechs Siegen, sechs Unentschieden und vier Niederlagen. Für die vier Heimniederlagen waren Leverkusen (1:2), Bayern München (1:2), Hertha BSC (2:3) und Mainz 05 (2:4) verantwortlich.

    Der Verein von Dietmar Hopp steht also jenseits von Gut und Böse und dürfte eventuell mit Motivationsproblemen am letzten Spieltag zu kämpfen haben, sollte es nicht noch mal eine saftige Siegprämie regnen.

    1. FC Nürnberg: Seite 2
    Hamburger SV: Seite 3

     
  • Marc Fischer

    Marc Fischer 2:34 pm am February 17, 2014 Permalink | Antwort
    Tags: Bert van Maarwijk, FC Schalke 04, , , Harun Arslan,   

    Strohhalm 

    Wenige Stunden nach der Entlassung von Bert van Marwijk präsentieren die Hamburger bereits einen Nachfolger. Dieses Mal ist der Wechsel auch tatsächlich sicher. Er kommt wirklich, und täuscht nicht einfach nur an, wie Felix. Mirko Slomka folgt auf Bert van Marwijk.

    Bert van Marwijk ist Geschichte. Warum der Niederländer so stoisch einerseits, so süffisant andererseits, an seinem „Job“ beim Hamburger SV festgehalten hat, dürfte nun geklärt sein. Ebenfalls die Frage, warum der eh schon völlig chaotische Vorstand und oder Aufsichtsrat noch bis zum Spiel gegen das Tabellenschlusslicht aus Braunschweig wartete, und nicht vorher schon Vollzug meldete: eine Abfindung laut Medienberichten in Höhe von 2-3 Millionen Euro. Die sackte Bert van Maarwijk für 145 Tage Arbeit beim Hamburger SV gerne noch ein.

    Nur wenige Stunden später nach der Demission des Niederländers konnte aber bereits ein namhafter Interessent auf die Stellenausschreibung als „Trainer beim HSV“ vermeldet werden. Mirko Slomka ist als Nachfolger gebucht worden. Zumindest scheint er derzeit mit einem Vertrag bis 2016 die besten Chancen zu haben. Beim HSV ist im Moment ja nichts unmöglich, sodass es morgen auch schon wieder ganz anders aussehen könnte. Die Unterschrift war vielleicht nur gefälscht, oder der HSV hat mit einem Doppelgänger verhandelt. Wer weiß, was da noch kommt. Nach der Posse um Urgestein Felix Magath letzte Woche ist nichts mehr undenkbar.

    Warum aber sollte Mirko Slomka sich DAS antun? Der Bundesliga Dino tritt desaströser auf denn je. Spielerisch wird eine Offenbarung durch eine weitere Offenbarung Spiel für Spiel getoppt. Der Vorstand entbehrt jeglicher Kompetenz und kann als solcher nicht bedacht werden. Für Nicht-HSV-Anhänger gibt es ein schier undurchsichtiges und -durchdringliches Geflecht von Aufsichtsräten und Vorstandsvorsitzenden, die alle ihren Senf dazu geben und doch nur ihr eigenes Süppchen kochen.

    Geschickte Berater und horrende Summen für Trainerpersonal

    So wurden 17 Trainer in 14 Jahren verschlissen, nur um nun bei Slomka zu landen. Dieser kann durchaus Erfolge vorweisen. Seine Kündigung im Jahre 2008 bei Schalke wird von vielen Fans der Königsblauen bis heute nicht verstanden und in Hannover führte er den ehemals tristen Club, der das Erbe der „grauen Maus“ vom VfL Bochum errang, zweimal hintereinander in die Europa League, nachdem er den Verein 2011 vor dem Abstieg rettete. Sein Rauswurf bei 96 ließ eher den Schluss zu, dass er ausgebrannt war und sich nach vier ordentlichen Jahren mit zwei internationalen Spielzeiten bei einem Mittelfeldclub einen Urlaub verdient hätte.

    Nun also der taumelnde Hamburger SV. Bei der prekären Finanzlage in der Hansestadt dürfte auch ein Mirko Slomka nicht billig gewesen sein, der mit Harun Arslan einen der Berater in Deutschland schlechthin an seiner Seite hat. Arslan handelte unter anderem auch die Abfindung mit Martin Kind von Hannover aus. Kostenpunkt laut Süddeutscher Zeitung: 1- 1,5 Mio. Euro. Weitere Trainer, die Arslan unter anderem betreut, sind Joachim Löw, Hansi Flick oder auch Tayfun Korkut vom Ligakonkurrenten Hannover 96. Genau der Mann, der Slomka bei den Niedersachsen beerbte.

    Allein für Trainerpersonal hat der HSV in dieser Saison bereits 800.000 Euro für die Entlassung von Thorsten Fink gezahlt und eine Abfindung von 1,4 Millionen an Frank Arnesen überwiesen. Macht mit den kolportierten Millionen für van Marwijk bereits mindestens über 4 Millionen Euro. Mirko Slomka wird sicherlich auch die eine oder andere Mark verdienen. Zudem könnte ein großer Anreiz eine dicke Nichtabstiegsprämie für den gebürtigen Hildesheimer bei Klassenerhalt sein. Aber ist das alles?

    Ein Abstieg würde nicht unbedingt mit Slomka in Verbindung gebracht werden

    Sein Imageschaden bei einem Abstieg würde sich in Grenzen halten. Schließlich würde er in erster Linie die Suppe seiner Vorgänger auslöffeln müssen. Zudem haben es die Spieler bei zwei anderen Trainern bereits nicht verstanden, erstligareif aufzutreten und von ihrem Talent Gebrauch zu machen. Somit wäre Slomka fein raus. Andererseits, sollte es der HSV nicht schaffen, die Klasse zu halten, wäre sein Name auf ewig in den Geschichtsbüchern mit dem ersten Abstieg des Hamburger Sportvereins verbunden. Auch keine reizvolle Sache, sich dann im hohen Alter in den Talkshows und Fußballsendungen immer damit konfrontiert zu sehen.

    Ebenso ist es fraglich, ob einem Mirko Slomka beim nicht mehr erträumten Klassenerhalt direkt eine Statue an der Imtech-HSH-was-auch-immer-Arena gebaut wird und er mit Lorbeeren und Sänfte eine Parade an der Elbe abhalten darf. Bei dem Potenzial sowie beim Etat (40 Mio. €, Platz 6 in der Bundesliga), den der HSV aufweist, ist schon der Abstiegskampf an sich eine Farce. Gespickt mit Nationalspielern und gemessen an der Kohle, die diese an der Elbe verdienen, sind die Leistungen für die Fans blanker Hohn und der Klassenerhalt wohl die letzte Möglichkeit, das Verhältnis zueinander überhaupt noch positiv gestalten zu können. Wie viel dort mittlerweile im Argen liegt, zeigte nicht zuletzt auch der tätliche Angriff auf Raphael van der Vaart.

    Vieles wird wohl darauf ankommen, wie der Vertrag, den Slomka nun bis 2016 bekommen hat, für die 2. Liga aussieht, und wie mit einem Abstieg dann in den Führungsetagen umgegangen wird, sollte dieser tatsächlich eintreffen. Viele reden von Chance, ebenso viele befürchten ein komplettes Desaster, durch den Wegbruch der Sponsoren etc. Slomka wollte laut eigener Aussage direkt wieder ins Bundesligageschäft, weil er darauf brannte, das Tagesgeschäft wieder mitzuerleben. Warum er jedoch nicht ein wenig geduldiger auf ein „einfacheres“ Angebot gewartet hat, bleibt sein Geheimnis. Dass er in der Hansestadt eigentlich ein Pulverfass mit montiertem Schleudersitz unter seinem Allerwertesten hat, dürfte ihm nicht unbekannt sein. Aber die Hamburger sind ja großzügig mit Abfindungen, wie man so hört…

     
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