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  • Marc Fischer

    Marc Fischer 1:55 pm am June 2, 2015 Permalink | Antwort
    Tags: FIFA   

    Getöse 

    Die Realität hat die FIFA eingeholt. Es geht um Korruption, Bestechung, Schmiergeld, Geldwäsche, das ganze Programm. Das Kartenhaus ist im Begriff zusammenzufallen, neue Erkenntnisse sind aber rar.

    Der erhoffte Medienhype blieb nicht aus. Kurz vor der erneuten Wahl Joseph Blatters zum FIFA-Präsidenten hat die US-Steuerbehörde zugeschlagen und in der Schweiz insgesamt sieben Funktionäre festgenommen. Das es überhaupt dazu kommt, das eine amerikanische Steuerbehörde auf europäischem Boden Verhaftungen vornehmen darf, liegt an einem gemeinsamen Abkommen der beiden Staaten, die die Schweiz dazu verpflichtet, derlei Verhaftungen zuzustimmen.

    Jedoch muss man bei all den Untersuchungen den Überblick behalten. Während sich die US-Behörden nämlich in ihrem 161-Seiten umfassenden Bericht vor allem um Betrügereien in Nord- und Südamerika kümmern, wie z.B. den Gold Cup, die Copa Americá oder die Copa Libertadores, war es am vergangenen Mittwoch die Schweizer Bundesanwaltschaft, die Dokumente sicherstellte, die untersuchen, ob es bei der WM-Vergabe 2018 und 2022 zu Bestechungen kam.

    Neuigkeiten gibt es eigentlich keine

    Zu den Festnahmen aber führten vor allem die Vergehen im amerikanischen Raum. So erklärt sich auch, dass es nur Mitglieder aus der FIFA-Familie getroffen hat, die im amerikanischen Raum operierten, dem CONCACAF, dem Fußballverband Nord- und Zentralamerikas und der Karibik und dem CONMEBOL, dem Verband Südamerikas. Der Prominenteste aus der Reihe der Verhafteten dürfte Jack Warner sein, der bereits 2011 aufgeflogen war, als er versucht haben soll, Stimmen für den damaligen Blatter-Herausforderer Mohamed bin Hammam zu kaufen.

    Nun sind die festgenommenen Funktionäre sicher keine Unschuldslämmer, durch die mediale Berichterstattung geschieht aber erstens so etwas wie eine Vorverurteilung und eine Unschuldsvermutung wird gar nicht erst zugelassen. Zweitens geht es hier vor allem um Vergehen, die schon einige Jahre zurückliegen. Es ist also im Bezug auf die Weltmeisterschaften in Russland sowie in Katar noch rein gar nichts passiert, geschweige denn, dass es neue Erkenntnisse gibt.

    Wer also nun drauf hofft, dass endlich ein neuer Standort präsentiert wird, Ausrichter Katar zur Rechenschaft gezogen wird oder gar Russland die WM aberkannt bekommt wegen der jüngsten politischen Auseinandersetzungen, der wird sich gedulden und auf die Schweizer Behörden vertrauen müssen. Zwar wurden die Festnahmen mit gütiger Hilfe medialer Berichterstattung der New York Times und der US-Behörden groß ausgeschlachtet, mehr als großes Aufmerksamkeitsgetöse war es jedoch bisher nicht. Sepp Blatter sitzt nach wie vor fest im Sattel und die Turniere werden nach wie vor in Russland und Katar ausgetragen.

     
  • Marc Fischer

    Marc Fischer 7:27 pm am November 14, 2014 Permalink | Antwort
    Tags: Afrika Cup, Blatter, FIFA, Marokko, WM   

    Ethik 

    Innerhalb von 24 Stunden hat die FIFA zweimal für Aufsehen gesorgt. Bereits gestern legte die Ethik-Komission des Verbandes den Untersuchungsbericht zu Korruptionsvorwürfen bei der WM-Vergabe für 2018 und 2022 vor. Heute entschied der Verband über einen neuen Ausrichter des Afrika-Cups im Januar 2015.

    Gestern legte die FIFA-Ethikkomission in Person des Münchner Strafrichters Hans-Joachim Eckert, Chef der Richterkammer der Ethikkommission, ihren 42-seitigen Abschlussbericht zu den Korruptionsvorwürfen der WM-Vergaben an Russland 2018 und Katar 2022 vor. Das nüchterne Ergebnis: Korruption hat es keine gegeben. Damit war das Thema für die FIFA dann auch endgültig vom Tisch. Es hat zwar hier und dort Unstimmigkeiten gegeben, auch sei Geld von A nach B geflossen. Das jedoch habe alles nichts mit den Bewerbern Russland und Katar zu tun gehabt, sondern mehr mit den Eitelkeiten der handelnden Personen. Auch FIFA-Chef Joseph Blatter wurde von allen Anschuldigungen freigesprochen. Mehr noch: Blatter habe eine „Anzahl kritischer Reformen eingeführt, einschließlich jener, die diese Untersuchung erst möglich machten“.

    Unstimmigkeiten im Untersuchungsbericht

    Dabei sagte eben jener Sepp Blatter im September des vergangenen Jahres der Wochenzeitung „Die Zeit“ in einem Interview auf die Frage, ob der Zuschlag für Katar durch Zuwendungen beflügelt worden sei: „Eindeutig ja!“. Es habe direkte politische Einflüsse gegeben. Unter anderem auch von europäischen Regierungschefs, die wirtschaftliche Interessen mit Katar verbanden oder auch heute noch verbinden. Auffällig im Zuge dessen sind beispielsweise milliardenschwere Rüstungsdeals mit europäischen Staaten. Im Sommer 2012 beschloss allein der Bundessicherheitsrat unter Leitung von Kanzlerin Angela Merkel einen Deal von 1,9 Milliarden Euro mit dem Emirat.

    Inzwischen distanziert sich auch der Chef der Ermittlungskammer der Ethikkommission Michael Garcia von dem Papier, welches Eckert der Weltöffentlichkeit präsentierte. Der Bericht sei fehlerhaft und unvollständig. Überprüfen lässt sich dies schwerlich, denn der 350 Seiten umfassende Bericht von Garcia, aus dem sich der Abschlussbericht speist, ist nicht öffentlich zugänglich. Des Weiteren werden in Eckerts Bericht Zeugen diskreditiert, geliehene und anschließend verschwundene Computer als etwas Normales und völlig alltäglich hingenommen und der Bewerbungsprozess allgemein als vorbildlich eingestuft. Zudem wird Joseph Blatter als Reformer angepriesen. Nichts Neues für Eckert, der den Schweizer bereits im Mai 2013 nach dem ISL-Bestechungsskandal aufgrund dessen Mitwisserschaft als „ungeschickt“ verharmloste.

    Erst disqualifiziert, jetzt Austragungsort

    Heute gab die FIFA auch den neuen Austragungsort des Afrika-Cups vom 17. Januar bis zum 8. Februar 2015 bekannt. Der eigentliche Veranstalter Marokko hatte aus Angst vor der in Westafrika grassierenden Ebola-Epidemie um eine Verschiebung des Turniers auf 2016 gebeten und sich geweigert, den Cup wie geplant im Januar auszutragen. Am Dienstag hat die FIFA diesen Antrag endgültig abgelehnt und den königlich-marrokanischen Fußballverband gleichzeitig disqualifiziert. Heute beschloss der afrikanische Fußballverband CAF, dass der Afrika-Cup 2015 in Äquatorialguinea stattfindet. Als Gastgeber ist das kleine Land an der Westküste damit automatisch qualifiziert.

    Pikant an der neuen Vergabe ist, dass Äquatorialguinea eigentlich ebenfalls schon disqualifiziert war für das Turnier. Bereits im Juli war das Land vom CAF gesperrt worden, weil Äquatorialguinea im Rückspiel der ersten Playoff-Runde gegen Mauretanien (0:1) mit Thierry Fidieu Tazemeta einen nicht spielberechtigten Akteur eingesetzt hatte. Das Hinspiel entschied Äquatorialguinea noch mit 3:0 für sich. Nach der Disqualifikation zog Mauretanien eine Runde weiter. Nun wird die Mannschaft von Äquatorialguinea als Gastgeber doch teilnehmen.

    Sowohl der Untersuchungsbericht als auch die erneute Vergabe eines Turniers an ein bereits disqualifiziertes Team zeigen, dass Ethik für die FIFA lediglich auf dem Papier steht, aber nichts wert sind. Während tagtäglich neue Meldungen über tote Arbeiter auf den Baustellen in Katar auftauchen, Amnesty International die Arbeitsbedingungen schon mehrfach im Emirat auf den Baustellen angeprangert hat und die Angst vor einer weltweiten Ebola-Epidemie ansteigt, zieht der Weltverband unbeirrt sein Programm zum Gelddrucken weiter durch. Ethisch wäre es gewesen, eventuelle Fehler bei der WM-Vergabe einzugestehen. Ethisch wäre es gewesen, dem Emirat Katar die Pistole auf die Brust zu setzen und auf verbesserte Arbeitsbedingungen zu pochen, andernfalls entziehe man dem Wüstenstaat die Weltmeisterschaft. Ethisch wäre gewesen, dem afrikanischen Kontinent entgegenzukommen und vielleicht auch zu helfen bei der Bekämpfung von Ebola. Stattdessen ist die FIFA einfach weiterhin die FIFA und bleibt damit vor allem eines: Unglaubwürdig!

     
  • Marc Fischer

    Marc Fischer 6:56 pm am April 24, 2014 Permalink | Antwort
    Tags: , , FIFA, RC Lens, SV Wilhelmshaven   

    Zahnlos 

    Titelbild: Maarten Korving auf flickr.com

    Die FIFA verhängt gegen den FC Barcelona eine Transfersperre. Das Wann und Wo scheint der spanische Verein dabei selbst zu entscheiden. Nachdem der Club Berufung einlegte, ist das Urteil erstmal über den Haufen geworfen.

    Anfang April ging ein Rauschen durch den Blätterwald. Der FC Barcelona wurde von der FIFA-Disziplinarkomission mit einem Transferverbot bestraft, weil sich herausgestellt hatte, dass der katalanische Verein von 2009 bis 2013 in zehn Fällen bei Transfers mit Minderjährigen, also Spielern unter 18 Jahren, gegen das FIFA-Reglement verstoßen habe. Daraufhin wurden für die beiden nächsten Transferperioden von der FIFA ein nationales sowie internationales Transferverbot und eine Geldstrafe in Höhe von 450.000 Franken gegen den spanischen Meister ausgesprochen.

    Nun hat der FC Barcelona offiziell Einspruch erhoben und damit eine „aufschiebende Wirkung“ erreicht. Und das führt dazu, dass einer ausgiebigen Shoppingtour im Sommer nichts mehr im Wege steht. Barcelona darf einkaufen. Neben Marc-André ter Stegen auch jeden anderen für würdig erachteten Fußballspieler. Also Pustekuchen mit der Transfersperre. Die angekündigten Sanktionen gegen den katalanischen Verein sind schneller verraucht als ein Kilo Dope in Amsterdam.

    Das könnte auch eine Erklärung dafür liefern, warum beim renommierten spanischen Verein alle so ruhig geblieben sind. Von betonter Gelassenheit war die Rede. Und insgesamt 90 Tagen Zeit, eine Position darzulegen und in Berufung zu gehen. Geht man von einer normalen Reaktion nach solch einem Urteil aus, hätte der Aufschrei bis in die JVA Landsberg zu hören gewesen sein müssen. Nicht auszudenken, welche Tragweite es hätte, wenn einer der größten Clubs der Welt plötzlich erstmal nicht mehr shoppen gehen darf.

    Letztlich ging im Vorstand des spanischen Meisters niemand auf diese Strafe ein. Es wurde gar nicht in Betracht gezogen, dass man sanktioniert wird. Es spricht viel für eine gewisse Selbstgerechtigkeit und Überzeugung, zu wissen, wie man einer solchen Strafe entkommt. „Unsere Schule zur Ausbildung von Nachwuchsfußballern ist weltweit ein Vorbild“, unterstrich zudem ein Vereinssprecher des spanischen Meisters gegenüber der Nachrichtenagentur Efe. Wenn das ein Argument ist, das man anbringen kann, um den Handel mit teilweise 9-Jährigen Spielern aus Schweden (Zico Marecaldi) zu rechtfertigen, dann Prost!

    Chelsea vermeidet 2009 eine Strafe mit Hilfe des CAS

    Im September 2009 wurde eine solche Strafe schon einmal ausgesprochen. Damals gegen den FC Chelsea. Dem Verein aus London wurde vorgeworfen, den französischen Nachwuchsspieler Gael Kakuta 2007 zum Vertragsbruch gegenüber seinem Verein RC Lens animiert zu haben. RC Lens hatte damals die Abwerbemethoden Chelseas moniert und klagte bei der FIFA, die den Franzosen in erster Instanz Recht gab. Kakuta, der 2009 bereits im Nachwuchsteam der Briten stand, bekam eine viermonatige Sperre und musste zusammen mit seinem neuen Arbeitgeber eine Entschädigung von 780.000 Euro plus eine Trainingsgebühr von 130.000 Euro zahlen.

    Der europäische Sportgerichtshof (CAS) jedoch hob das Urteil im Februar 2010 wieder auf. Angeblich war der Vertrag von Kakuta mit RC Lens gar nicht gültig, weshalb es auch unter diesen Voraussetzungen nie einen Vertragsbruch gegeben haben kann. Also wurde dem Vertrag zwischen Kakuta und dem FC Chelsea zugestimmt, die Strafen gegen den Verein sowie den Spieler wurden aufgehoben. Allerdings stimmten die Blues immerhin noch zu, eine Aufwandsentschädigung für die Zeit, die Kakuta in Lens trainiert hatte, zu zahlen. Zudem stellte man von Seiten der Engländer sogar noch eine Kooperation mit Lens für die Zukunft in Aussicht.

    „Das Thema ist zu komplex, um es vor dem nächsten Transferfenster abschließend zu klären“

    Nun also versucht die FIFA einen anderen Global Player im Fußball in die Schranken zu weisen. Und wird dabei vor allem eines: vorgeführt! Am Nasenring durch die Arena. Die Gelassenheit, mit der die Verantwortlichen des FC Barcelona auf das Urteil reagiert hatten, lässt nur den Schluss zu, dass offenbar jeder wusste, was auf den Verein zukommen wird und wie der weitere Handlungsprozess auszusehen hat, um die drakonische Strafe entsprechend zu umgehen.

    Der Verein geht zu einem bestimmten Zeitpunkt in Berufung, diese muss geprüft werden. Und Papier ist geduldig. Und zwar so geduldig, dass der Vorsitzende der FIFA-Berufungskommission Larry Mussenden aufgrund der Komplexität des Falles ausschließt, dies bis vor Beginn der nächsten Transferperiode zu klären. Somit ist ein Termin zur endgültigen Feststellung der Sachverhalte erst nach der nächsten Transferphase möglich.

    So ist es also ein leichtes für die Katalanen, auf eine noch eventuell folgende Strafe entsprechend vorher zu reagieren und vorzugreifen und den wirklichen Effekt, den die Strafe hätte haben sollen, entsprechend abzuschwächen. Sollte der Fall eintreten, dass Barcelona nun ab der Winterpause keine Spieler holen darf, greift man eben in der Sommertransferperiode vor, verpflichtet entsprechend mehr Spieler, oder das gewünschte Material einfach nur früher. Durch Leihgeschäfte wird der Kader dann auch nicht zu sehr aufgeplustert und man schaut sich seine eigenen Talente einfach ein Jahr unter Wettbewerbsbedingungen bei einem anderen Verein an, der zudem noch das Gehalt übernimmt.

    Der SV Wilhelmshaven liegt mit der FIFA wegen 157.500 Euro seit sieben Jahren im Rechtsstreit

    Damit präsentiert sich die FIFA gegenüber einem globalen und fußballerischen Schwergewicht als zahnloser Tiger. Wäre man von Seiten des Weltverbandes gewillt, die Strafe auch wirklich anzuwenden und durchzusetzen, sollte man sich nicht in bürokratischen Spitzfindigkeiten verlieren und eine Ansetzung für die Neuberechnung der Strafe erst nach der Sommertransferperiode legen. Denn entweder hat Barcelona mit seinen Transfers gegen das Reglement verstoßen, oder aber nicht.

    Wäre den Angestellten wirklich an einer Bestrafung gelegen, hätte man andere Maßnahmen ergriffen, um klar zu machen, dass solche Geschäfte mit minderjährigen Spielern, wie sie der katalanische Club getätigt hat, nicht in Ordnung sind. So aber zeigt man, dass die großen Vereine weiter vor Beschneidungen gefeit sind und nicht wirklich angegangen werden, während Vereine wie der SV Wilhelmshaven wegen 157.500 € mittlerweile 7 Jahre mit der FIFA im Rechtsstreit liegen und schon zweimal Punkte für eine Saison abgezogen bekommen haben.

    Der Regionalligist verpflichtete 2007 den Argentinier Sergio Sagarzazu. Lange nachdem der Spieler Wilhelmshaven verlassen hatte, forderten River Plate und Atlético Excursionistas, Sagarzuzas Ex-Clubs, nachträglich eine Beteiligung an den Kosten für dessen Ausbildung in Höhe von 157.500 € vom norddeutschen Sportverein, die die FIFA nun einfordert. Sogar mit einem Zwangsabstieg wurde dem SV Wilhelmshaven mittlerweile gedroht, sollte dieser nicht endlich den Forderungen nachkommen. In Niedersachsen sieht man sich allerdings im Recht, da eine Ausbildungsentschädigung deutschem Recht zu widersprechen scheint.

    Sollte dieser Streit mit Wilhelmshaven, der mittlerweile vor ein ordentliches Gericht gezogen ist, für den Regionalligisten ausgesprochen werden, kann die FIFA Deutschland sogar mit einem Ausschluss aus der WM drohen. Beim großen FC Barcelona wartet man da lieber noch mal etwas ab. Und gibt den Spaniern noch etwas Zeit, sich auf mögliche Strafen entsprechend einzustellen.

     
  • Marc Fischer

    Marc Fischer 3:43 pm am December 18, 2013 Permalink | Antwort
    Tags: AEK Athen, , FIFA, Giorgos Katidis, Josip Simunic, Lazio Rom, Mario Mandzukic, Paulo Di Canio, Xherdan Shaqiri   

    Urteil 

    Die FIFA hat Josip Šimunić für 10 Spiele in der kroatischen Nationalelf gesperrt. Die Verbände sind weiter auf der Suche nach einer einheitlichen Rechtssprechung.

    Am 19. November qualifizierte sich Kroatien für die Weltmeisterschaft in Brasilien mit einem 2:0 Sieg im Playoff-Rückspiel gegen Island. Die Tore von Mario Mandžukić und Darijo Srna rückten aber schon nach wenigen Minuten in den Hintergrund. Der ehemalige Bundesliga-Legionär und Nationalspieler Kroatiens Josip Šimunić ging nach dem Abpfiff in die Kurve und schnappte sich das Mikrofon. Was dann folgte, brachte ihm nun eine Sperre im Nationalteam von 10 Spielen ein und eine Geldstrafe von 30.000 Schweizer Franken (24.500 Euro). Die FIFA verurteilte den ehemaligen HSV-TSG-Hertha-Spieler für die Ausführung des faschistischen Ustaša-Grußes („Za Dom – Spremni“ – dt: Für die Heimat – Bereit!).

    Nun ist das Urteil sicherlich zu begrüßen, zeigt es doch schließlich endlich einmal auch Handlungsbereitschaft der FIFA, dass sie zu ihren Werbespots und antidiskriminierenden Parolen steht, in denen es immer um Respekt und Völkerfreundschaft geht. Šimunić selbst fühlt sich nach wie vor missverstanden und beteuert weiterhin, keinesfalls faschistisch gewesen sein zu wollen, sondern nur im Überschwang der Freude über die geschaffte Qualifikation seinen Emotionen freien Lauf gelassen zu haben. Das Šimunić in Australien geboren wurde, als Kind, dessen Eltern in den Siebzigern aus dem bosnischen Kiseljak emigriert waren, ist da nur eine witzige Randgeschichte.

    Auch Mario Mandžukić und Xherdan Shaqiri wurden nur falsch verstanden

    Doch sind längst nicht alle Verbände so konsequent wie die FIFA im angesprochenen Fall. Auch der DFB hatte vor gar nicht allzu langer Zeit einen ähnlichen Vorfall. Da gab es die Aktion von Mario Mandžukić und Xherdan Shaqiri im Bundesligaspiel des FC Bayern in Nürnberg letztes Jahr am 17.11.2012. Als der kroatische Nationalstürmer in Diensten der Bajuwaren das 1:0 schoss, rannte er auf die Tribüne zu und irritierte die Zuschauer erstmal mit seiner Jubelgeste. Diese ähnelte einem militärischen Gruß, den kroatische Medien als Salut an die zwei umstrittenen kroatischen Kriegsgeneräle Ante Gotovina und Mladen Markač werteten. Shaqiri lief hinterher und tat es ihm nach.

    Mandžukić wies hinterher Anschuldigungen von sich, es gäbe einen Zusammenhang und gab zu Protokoll, dass es zwar ein militärischer Gruß gewesen sei, dieser aber lediglich an Kroatien gerichtet war und er damit den dortigen Fans zugewunken habe. Der im Kosovo geborene Shaqiri outete sich nur als unwissender Mitläufer. Pikant an der Thematik war, dass die beiden umstrittenen Generäle just zu dieser Zeit vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal überraschend freigesprochen worden waren und viele kroatische Sportler ihre Solidarität mit den Generälen zeigten.

    So auch der Manager von Mario Mandžukić, der entgegen der Aussage von Karl-Heinz Rummenigge sehr wohl einen Zusammenhang zwischen dem Jubel und dem Freispruch sah. Rummenigge erklärte damals, den Jubel mit der Freilassung gleichzusetzen sei eine Fehlinterpretation. Konsequenz aus dem Vorfall: Beide Spieler wurden vom DFB aufgefordert, entsprechende Jubelformen zu unterlassen, um Fehlinterpretationen zu vermeiden. Dabei liegt die Begründung von Mandžukić gefährlich nah an der von Šimunić, welcher ähnlich erklärte, einen emotionalen Moment gehabt zu haben, welcher lediglich durch die „Liebe zum kroatischen Volk und dem Heimatland“ motiviert war.

    Di Canio wollte nur sein Volk grüßen

    In Italien war es einst Paulo Di Canio in Diensten von Lazio Rom, der versuchte, den römischen Gruß, artverwandt mit dem Hitlergruß, salonfähig zu machen. Als der bekennende Rassist im Januar 2005 als Kapitän beim Derby gegen den AS Rom in der 29. Minute das 1:0 schoss, lief er in die Kurve der Laziali und reckte den rechten Arm zum römischen Gruß hoch. Später sagte Di Canio, er wollte doch nur sein Volk grüßen. Die italienische Disziplinarkommission des italienischen Fußballverbandes verknackte ihn deshalb zu einer Geldstrafe von 10.000 Euro.

    Das jedoch hielt den ehemaligen Stürmer nicht davon ab, den Gruß noch zweimal zu wiederholen, einmal gegen den AS Livorno, einmal gegen Juventus Turin. Wieder bekam Di Canio eine Geldstrafe von 10.000 Euro aufgebrummt. Daraufhin organisierte der Ultraverband „Irriducibili Lazio“, welcher sich aus größtenteils rassistischen Lazio-Fans zusammensetzt und deren Mitglied Di Canio auch ist, eine Demonstration zu Gunsten des Stürmers. Unter anderem fand eine Sammelaktion statt, um die 10.000 Euro für die Strafe aufzubringen. Mittlerweile treibt Di Canio sein Unwesen als Trainer, wurde aber zuletzt im September beim englischen Club AFC Sunderland entlassen.

    Giorgos Katidis darf nie wieder für Griechenland spielen

    Drastischer traf es da schon den griechischen Jungnationalspieler Giorgos Katidis, der in Di Canio wohl ein großes Vorbild sah. Im März dieses Jahres feierte auch der Spieler vom AEK Athen ein Tor mit dem Hitlergruß. Als Kapitän der griechischen U-19-Nationalmannschaft feierte der Jungstar im Sommer 2012 noch die Vizeeuropameisterschaft mit seinem Team, nach dem Eklat jedoch schloss ihn bereits tags darauf der griechische Verband EPO lebenslänglich aus allen griechischen Auswahlteams aus. Zwar beteuerte Katidis, die Bedeutung des Grußes nicht gekannt zu haben und das er das Tor mit der Geste lediglich einem Freund auf der Tribüne widmen wollte, doch es half nichts. Als Konsequenz kündigte Katidis daher aus eigenem Antrieb den Vertrag bei AEK Athen und spielt mittlerweile in Italien bei Novara Calcio.

    Das Urteil der FIFA ist drastisch, dürfte aber für die nationalen Verbände vielleicht endlich so etwas wie einen Richtwert darstellen. Dummheit oder Unwissen oder eine Kombination aus beidem über nationalistisches Gedankengut schützen die Spieler jedenfalls nicht mehr vor Strafen. Und allem Nationalstolz zum Trotz, so ist eine WM doch sicherlich eher bekannt, die Völker dieser Welt zusammenzuführen, als mit falschem Patriotismus auseinander zu dividieren.

     
    • Sven 8:06 pm am Dezember 19, 2013 Permalink | Antwort

      Urteil zum Gebaren im Stadion
      Wer „Nazi“ ruft, muss zahlen

      Ein sächsisches Sportgericht findet „Nazi“-Rufe in Stadien diskriminierend – und verurteilt den betroffenen Klub. Der Verein empfindet das als „Hohn“.

      Aus dem taz-Artikel: http://taz.de/!129707/

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