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  • Marc Fischer

    Marc Fischer 12:52 pm am June 1, 2014 Permalink | Antwort
    Tags: Bundestrainer, , , Nationalelf   

    Typen 

    Beim Jogi fahren doch nur wieder Schwiegermamas Lieblinge mit! Von wegen. Fakt ist, die Nationalmannschaft im WM-Jahr 2014 hat mehr Typen, als Gina Wild auf einer Swinger Party.

     

    Seit seinem Amtsantritt muss sich Bundestrainer Joachim Löw immer wieder den Vorwurf gefallen lassen, nicht genug „Typen“ im Kader zu haben. Er würde generell nur Spieler mitnehmen, die weder ihn kritisieren, noch an seinen Trainingsmethoden rummäkeln. Spieler, die ein Profil haben und womöglich im Charakter noch Ecken und Kanten aufweisen, haben fast genauso so wenige Chancen auf einen Platz im Nationalmannschaftskader, wie Spieler, die Tante Käthe unters Bayer-Kreuz gestellt hat.

    Das ist natürlich alles Quatsch, denn wenn man sich mal genauer mit dem Kader beschäftigt, wird schnell klar: Die Nationalmannschaft ist gespickt mit Outlaws, Rowdies und Draufgängern. Mit Schlitzohren, Tricksern und Gauklern. Vompunkt stellt euch Jogis Eleven mal genauer vor.

    Manuel Neuer
    Der Bayernkeeper besaß die Chuzpe, von Schalke 04 zum großen Konkurrenten nach München zu wechseln und war plötzlich der Bad Boy der Nation. Die Schalker Anhänger warfen ihm Verrat vor, die Fans in der bayrischen Landeshauptstadt wollten ihn gar nicht haben und ließen dies mit ihren „Koan Neuer“-Plakaten auch die gesamte Republik wissen. Das alles ließ Manuel Neuer aber dermaßen kalt, dass selbst Luca Brasi vor Ehrfurcht erstarrt wäre und Vito Corleone seinen Herzinfarkt schon Jahre früher erlitten hätte. Ab dem 2. Spieltag der Saison 2011/12 blieb Neuer wettbewerbsübergreifend 1147 Minuten ohne Gegentor und stellte einen neuen Vereinsrekord auf. Sämtliche Kritiker waren mundtot gemacht und die Zweifler waren überzeugt.

    Auch bei Interviews macht der Schlussmann generell eine gute Figur und weiß auf dumme Fragen auch dumme Antworten zu geben. In einem TV-Interview bei Sport1 wurde der Gelsenkirchener gefragt, ob er denn Michael Ballack in der Kabine gesehen hätte. Neuer antwortet, dass er nicht zugegen war, sondern sich bei der Dopingprobe befunden hätte. Was dabei herausgekommen sei, fragt ihn der Journalist. Schlagfertige Antwort vom Schlussmann: Urin! Noch Fragen?

    Philipp Lahm
    Für viele Fans der Inbegriff der Schwiegermutterthematik. Aber habt ihr euch nicht auch mal gefragt, ob da vielleicht ein tieferer Sinn hinter steckt? Für Jogi ist der Kapitän, der Capitano nach dem Capitano, so etwas wie der verlängerte Arm. Lahm ist Blitzableiter, Führungspersönlichkeit, Bindeglied und der erste PR-Angestellte im Team. Und dies alles hat er großartig in seiner Hand, und zwar so, dass ihm einfach niemand böse sein kann. Er ist der Überbringer der Botschaften. Er ist engster Vertrauter und ein Stratege. Gleichzeitig kämpft er aber mit dem Rest der Mannschaft an vorderster Front und geht als Kapitän vorneweg. Philipp Lahm ist so etwas wie der Brad Pitt in der deutschen Nationalmannschaft. Denn mal ehrlich, war irgendwer „Rusty“ Ryan in Las Vegas böse? Hat irgendjemand den charmanten Dieb abgeknallt? Oder fand es einer verwerflich, was Brad Pitt da mit seinen übrigen Kollegen in den Casinos angestellt hat? Nein, er sah einfach nur gut aus und er war immer noch anständig genug, um ihm nicht böse zu sein. Versteht ihr jetzt die Masche von Philipp Lahm?

    Per Mertesacker
    Der gebürtige Hannoveraner ist das Abbild eines Musterprofis. Verheiratet, kürzlich zum zweiten Mal Vater geworden, das war’s. Keine Skandale, keine Avancen, kein Gar nichts! Nicht mal richtiger Verteidiger, denn wer in 221 Bundesligaspielen als Abwehrspieler gerade mal acht Gelbe und zwei Rote Karten gesammelt hat, kann kein Verteidiger sein. Vinnie „Die Axt“ Jones brauchte mal in einem Spiel lediglich drei Sekunden für den gelben Karton. So sehen Verteidiger aus, möchte man Per zurufen. Allerdings gilt das nur für die, die nichts von seinem Doppelleben wissen. Denn Mertesacker ist in seinem zweiten Leben als Robin Hood von Hannover unterwegs. 2006 rief er die „Per-Mertesacker-Stiftung“ ins Leben und engagiert sich seit 2009 für das Sozialprojekt „Wir helfen Afrika“, welches zur WM 2010 in Südafrika gegründet wurde. So zieht der frisch gebackene FA-Cup-Sieger 2014 den reichen Schnöseln das Geld aus ihren Anzügen und lässt es sozial benachteiligten Jugendlichen zukommen.

    Mats Hummels
    Die Nationalmannschaftskarriere vom Dortmunder Innenverteidiger wäre beinahe ganz schnell vorbei gewesen. Im September 2013 ließ der Beau mal die Muskeln spielen und kritisierte die Nationalelf mit den Worten: „Beim DFB sieht man Kritik nicht gerne“. Mutig, sagen die Einen, den Selbstmordversuch hätte er auch einfacher und angenehmer haben können, die Anderen. Allerdings überlebte das Head&Shoulders-Model die Chose relativ unverletzt. Wohl auch, weil ihm sein Ziehvater Jürgen schnell zur Seite gesprungen war  und das Zähnefletschen von Andy und Hansi somit direkt unterbunden wurde. Auf der anderen Seite aber auch ein Zeichen dafür, dass sich Mats Hummels mit seinen Eiern durchaus auch im Team von Diego Simeone hätte wieder finden können.

    Kevin G. aus D.
    Er schauspielert besser als Berti Vogts („Da bleibt man die komplette Halbzeit mit cool“). Er wirft zielgenauer als Phil Taylor („Dönerwurf“). Und nun die Gewissheit, dass keine Hotellobby mehr so sein wird, wenn nicht Kevin G. wenigstens einmal reingepinkelt hat. Vergessen ist der Stinkefinger von Effe, vergessen die „Unterhaltung“ zwischen Jérôme Boateng und Gina-Lisa nachts um drei Uhr auf einem Hotelzimmer, vergessen ist die Ohrfeige von Poldi an unseren Capitano. Wenn es einen Typen im Kader von Jogi Löw gibt, auf Kevin G. aus D. können wir voll zählen.

    Sami Khedira aka John McClane
    Was ein richtiger Sechser ist, den haut auch ein Kreuzbandriss nicht um. Bernd Trautmann spielte mit gebrochenem Genick? Da kann der gebürtige Stuttgarter nur müde lächeln. Artur Abraham kämpfte mit doppeltem Kieferbruch weiter? Der ehemalige VfB-Spieler winkt nur belustigt ab. Gregory Campbell stand für die Boston Bruins mit gebrochener Wade noch minutenlang auf dem Eis? Der Champions League Sieger von 2014 mit Real Madrid fällt vor Lachen vom Stuhl. Seien wir mal ehrlich: Wer sich nach einem Kreuzbandriss Mitte November so zurückkämpft, dass er sehr wahrscheinlich allen Ernstes Anfang Juni wieder in der Nationalelf spielt, pünktlich zum Finale von Real Madrid um die Champions League punktgenau Xabi Alonso von Beginn an vertreten kann, der würde auch angeschossen und mit nur einem Bein für Jogi bei der WM auf dem Platz stehen wollen. Und das ist vielleicht auch der Grund, warum Khedira mit Lena Gercke liiert ist, und nicht wir…

    Bastian Schweinsteiger
    2006 war er noch ein Teil vom Duo „Poldi & Schweini“, welches bei der WM im eigenen Land die Fans nicht nur fußballerisch verzückte, sondern auch quasi so etwas wie das Gesicht des neuen Jugendstils im DFB-Team war. Schon damals sagte man dem Mittelfeldmann eine große Zukunft voraus. Heute, acht Jahre später, ist Bastian Schweinsteiger der unangefochtene Leader, eine ausgesprochene Führungspersönlichkeit, und keinesfalls der „Schweini“ von damals. Der Motor vom FC Bayern hat inzwischen sieben deutsche Meisterschaften, sieben DFB-Pokalsiege, einen Champions-League-Sieg sowie zwei zweite Plätze in der Königsklasse, eine FIFA Club-Weltmeisterschaft, einen UEFA Super-Cup und etliche andere Auszeichnungen in seiner Vita stehen. Für die Zukunft stehen noch der Nobelpreis in Physik, ein Oscar für die beste Filmmusik, die Goldmedaille im Curling und die Weltumseglung in einem Photovoltaik betriebenen Flugzeug auf dem Speiseplan. Aber natürlich erst, nachdem er mit der deutschen Nationalmannschaft mindestens einen der beiden großen Titel gewonnen hat.

    Lukas Podolski
    Der andere Teil vom Duo „Poldi & Schweini“, ne echte kölsche Jung, ein rheinisches Original geboren in Gliwice in Polen. Aus dem unschuldigen Straßenkicker, der mehr Flausen als Max und Moritz zusammen im Kopf hatte, ist nach seinen Stationen beim FC Bayern, 1. FC Köln und dem Arsenal Football Club in England ein Führungsspieler geworden. Seine jugendliche Unbekümmertheit sowie sein linker Dampfhammer sind ihm dabei aber nicht abhanden gekommen, sondern brachten ihm in Kombination mit einer gewissen erlangten Reife den Titel eines Publikumslieblings bei Arsenal ein. Sein rheinisches Naturell wird ihm dabei nicht wenig geholfen haben, die Herzen der Gunners zu erobern und nach neun Jahren mit dem FA-Cup wieder den ersten nationalen Titel für Arsenal zu holen. So metamorphorisierte „Poldi“ zu „In Pod We Trust“.

    Thomas Müller
    Er ist der personifizierte FC Bayern. Aber irgendwie in „nichtganzsounsympathisch“. Und er ist der Einzige, dessen Namen neben Ibrahimovic verbisiert wird. Wie das aussieht, wenn es „müllert“, davon haben England, Australien und Argentinien in Südafrika schon mal einen Schimmer bekommen. Wenns nicht läuft, dann kann eben nur einer helfen. Böse Zungen behaupten, dass er zwar mehr auf dem Hosenboden liegt, als dass er läuft, aber er ist eben auch der Einzige, der es auch aus einer völlig aussichtslosen Situation „müllern“ lassen kann. Glück gepaart mit dem puren Durchsetzungswillen und dem absoluten Selbstvertrauen, die Dinger auch genau so zu machen, wie er das will. Oder auch nicht will. Hauptsache drin. Egal. Und wenn es schon eine Weltmeisterschaft mit deutscher Beteiligung gibt, was wäre das denn für eine WM, wenn nicht DER deutsche Name schlechthin mit dabei wäre?

    Marco Reus
    Rolls Reus darf man getrost als deutschen Cristiano Ronaldo sehen. Die Spielweise ist ähnlich spektakulär. Hochgeschwindigkeitsdribblings, starke Technik, eiskalt vor dem Tor. Die Äußerlichkeiten passen ebenfalls. Tattoos, viel Bling Bling in vielen Körperöffnungen, zu blöde, die Kappe vernünftig auf den Kopf zu setzen, und in den Interviews eine gewisse Larmoyanz, die auch schnell als arrogant aufgefasst werden kann. Reus und sein kongenialer Partner Mario Götze sorgen für die modischen Ausfälle in Brasilien und setzen die deutschen Trends der WM. Hätte einer von beiden Bartwuchs, wir würden für den Gedächtnis-Schnauzer plädieren. Und wenn Deutschland im Finale am Ende gewonnen hat, gibt es nur einen nackten Spieler, den wir uns auf dem Cover der Vogue vorstellen könnten: Marco Reus!

    Miro
    387 Spiele, 207 Tore. Hätte Miro eine lächerliche Torprämie von im Schnitt 5000 € bisher gehabt, er wäre Millionär nur durch seine Treffer geworden. Mehr muss man bei dieser großartigen Karriere sicher nicht sagen. Brasilien ist die letzte Chance für den ehemaligen Roten Teufel, die Weltmeisterschaft zu gewinnen. Danach dürfte sein Abschied aus der Nationalmannschaft wohl beschlossene Sache sein. Mit Gerd Müller hat er inzwischen gleichgezogen. Da es auf lange Sicht nicht so aussieht, als sollte ihm noch jemand gefährlich werden können in den kommenden Jahren, wird sich Miro mit seinem nächsten Tor im Nationaldress unsterblich machen und hoffentlich zufrieden, ob mit oder ohne Weltmeistertitel, Abschied nehmen können.

    Joachim
    Größter „Typ“ in diesem Sammelsurium von Charakteren ist Joachim Löw selbst. Die “ The Fast And The Furious“-Reihe hat der Nationaltrainer in der limitierten Gold-Edition samt Box und Poster, keiner besiegt den Bundesjogi an der Konsole bei „Need For Speed“ und „Autobahnraser“ hat der Schwabe schon dreimal durchgespielt. Wann immer man ihn nach eigenen Idolen fragt, weiß der Trainer die Vita von Paul Walker und Ayrton Senna stilsicher herunterzubeten. Mit 18 hart erarbeiteten Punkten in Flensburg hat Löw zudem mehr, als der HSV in der gesamten Rückrunde sammeln konnte. Der Grund, warum Max Kruse nicht zur WM nominiert wurde, liegt damit auch klar auf der Hand. Kruses Maserati im Tarn-Look ist schneller als Löws eigenes Gefährt, womit dieser sich auf den Schlips getreten sah und kurzerhand hart durchgegriffen hat.

     
  • Marc Fischer

    Marc Fischer 10:52 am am May 10, 2014 Permalink | Antwort
    Tags: , , , , , , Nationalelf, ,   

    Kaderplanung 

    Joachim Löw hat seinen Kader für die Weltmeisterschaft in Brasilien bekannt gegeben. Und plötzlich hat die Republik wieder 80 Millionen Bundestrainer. Die Diskussionen um die einzelnen Nominierungen sind vielfältig. Wir möchten den Debatten etwas Struktur verleihen und unterziehen den Kader einem kritischen Blick.

    Torhüter

    Mit Manuel Neuer, Roman Weidenfeller und Ron-Robert Zieler gibt es eigentlich keine Überraschungen auf der Position. Und dann auch irgendwie doch. Schaut man sich diverse Statistiken an, fällt schnell auf, dass weder Roman Weidenfeller noch Ron-Robert Zieler dieses Jahr herausragende Leistungen erbracht haben. In der kicker-Rangliste befindet sich der Dortmunder Schlussmann auf Platz 7, sein Kontrahent von Hannover 96 ist auf dem 8. Rang. Weitere Ranglisten (z.B. Sportal.de, weltfussball.de) sehen die beiden Torhüter sogar noch weiter unten.

    Roman Weidenfeller konnte seine starke Vorsaison, die ihn erst in die Nationalmannschaft gebracht hat, nicht bestätigen. Sein Ausreißer leistungstechnisch nach oben im letzten Jahr fand in dieser Saison keine Fortsetzung. Er pendelte sich wieder in sein normales und beständiges Niveau ein, was für einen teils überdurchschnittlichen Bundesligatorwart reicht. Ron-Robert Zieler ist dagegen eher ein wenig abgetaucht und hat sich diese Spielzeit sehr bedeckt gehalten, was sowohl Forderungen nach Spielzeiten in der Nationalelf angingen, als auch herausragende Darbietungen im Trikot von Hannover, mit denen er seinem Team wichtige Punkte gerettet hat.

    Natürlich, sollte alles seinen normalen Gang gehen, wird Manuel Neuer in allen Spielen zu Recht als etatmäßige Nummer 1 zwischen den Pfosten stehen. Trotzdem hat man es auch mit der Nominierung von Roman Weidenfeller ein Stück weit verpasst, dem Nachwuchs weitere Möglichkeiten zu bieten, sich auf einem hohen Niveau weiterzuentwickeln. Auffällig ist nämlich, dass in jeder der Ranglisten Bernd Leno, Ralf Fährmann und Marc-André ter Stegen grundsätzlich vor den beiden Nominierten stehen.

    Leno, Fährmann und ter Stegen sind die statistisch Besten

    Laut kicker spielte der beste Torhüter diese Saison nämlich in Leverkusen. Dabei war Leno nicht nur in der Liga ein Garant, sondern wusste auch mit starken Spielen in der Königsklasse zu überzeugen. Auf Rang zwei liegt etwas überraschend der Schalker Schlussmann Ralf Fährmann. Dieser hat zwar nur 21 der 33 Spiele diese Saison absolvieren können, jedoch hatte der Schalker endlich mal die Möglichkeit zu zeigen, wie viel Talent in ihm steckt, wenn man ihn denn auch lässt. Das Vertrauen der königsblauen Führungsriege zahlte der inzwischen 25 Jährige zurück und wurde deshalb nicht mal zu Unrecht von Manager Horst Heldt ins Gespräch gebracht.

    Mit Marc-André Ter Stegen folgt auf Rang vier eine der umstrittensten Personalien. Der Gladbacher, der aller Voraussicht nach der Saison zum FC Barcelona wechseln wird, leistete sich im Nationaltrikot gegen die USA im letzten Sommer einen seltsamen Aussetzer und hat auch sonst eine verheerende Statistik in der Nationalelf vorzuweisen. Allerdings darf man dabei nicht vergessen, dass er in jeder seiner Partien für Deutschland eine Abwehr vor sich hatte, die grundsätzlich als Experiment verstanden werden musste und keinesfalls eingespielt war.

    Über die Saison gesehen waren aber sowohl Leno als auch Ter Stegen konstanter und ließen auch immer wieder mit starken Vorstellungen aufhorchen. Ralf Fährmann soll hier außen vor gelassen werden, da er erst seit dieser Halbserie stabile Werte präsentiert. Während Leno fast gänzlich fehlerfrei in dieser Saison blieb, leistete sich ter Stegen wiederum einen Bock in Braunschweig am 23. Spieltag, den er so schon zum zweiten Mal aufführte. Die Uraufführung fand im Nationaltrikot gegen die USA statt. Dies blieb aber der einzige Fauxpas des gebürtigen Mönchengladbachers, der sonst einen großen Anteil an der guten Platzierung der Fohlen in diesem Jahr hat.

    Mit Ron-Robert Zieler hat man zwar bedingt vermittelt, dass der Nachwuchs durchaus eine Rolle spielt, dass aber mit Sven Ulreich vom VfB Stuttgart und teilweise auch Kevin Trapp von der Frankfurter Eintracht zwei weitere junge und talentierte Keeper in den Rankings noch vor dem Hannoveraner stehen, lässt zumindest zweifeln. Das Zieler nominiert wurde, kann man als Vertrauensbeweis gegenüber dem Keeper werten. Dies kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass er in seiner Entwicklung in dieser Spielzeit eher stagniert ist, wohingegen Bernd Leno und Marc-André ter Stegen einfach auf ihrem Niveau weitergemacht haben und an ihm vorbeigezogen sind.

    Seite 2: Defensive
    Seite 3: Offensive

     
  • Marc Fischer

    Marc Fischer 4:11 pm am November 13, 2013 Permalink | Antwort
    Tags: , , Kießling, Köpke, Nationalelf,   

    Jugendstil 

    Roman Weidenfeller macht wahrscheinlich sein erstes Spiel als Nationalkeeper. Den Adler durfte er bisher nur bei der U-17, U-21 und dem „TEAM 2006“ tragen. Doch gegen Italien oder England könnte es für den Torhüter von Borussia Dortmund soweit sein.

    Im Alter von 33 Jahren noch mal die Aussicht auf eine Premiere in der Nationalmannschaft zu bekommen, dürfte wahrlich nur wenigen Spielern zukommen. 2004 verzichtete Martin Max auf die Nominierung zur EM in Portugal seinerzeit mit den Worten: „Hat Skibbe noch alle Tassen im Schrank?“ Damals gingen diverse Überlegungen von Nationalmannschaftscoach Rudi Völler dahin, den zu dieser Zeit bereits 35-jährigen Martin Max zum Nationalteam einzuladen. Allerdings wollte Völlers damaliger Assistent Michael Skibbe erst noch mal den Spieler studieren und sich von dessen Laufwegen überzeugen.

    Europameisterschaft 2004, das klingt nicht nur wahnsinnig weit weg. Das ist es auch! Liest man sich die Mannschaftsaufstellung von damals durch, bekommt man das Gefühl, im Mittelalter des deutschen Fußballs zu wühlen. Namen und Größen aus einer längst vergangenen Zeit tauchen dort wieder auf. Spieler wie Christian Wörns, Jens Jeremies, Didi Hamann und der heutige Trainer der TSG Neustrelitz Thomas Brdaric.

    Seither hat in der deutschen Nationalmannschaft nicht nur ein Umbruch stattgefunden, sondern gleich mehrere Revolutionen. Angefangen mit der Neuausrichtung unter Jürgen Klinsmann, welche im Sommermärchen 2006 gipfelte, hat wenig später Joachim Löw dessen forschen Jugendstil weiter und weiter vorangetrieben und forciert. Zum Klassiker gegen Italien am Freitag sind die dienstältesten Spieler im Aufgebot, die mittlerweile 30 Jahre alten Heiko Westermann und Philipp Lahm.

    Zuwenig Testspiele für Experimente

    Und Roman Weidenfeller. Mit mittlerweile 33 Jahren hat der Torhüter der Borussia aus Dortmund wohl endlich den verdienten Lohn für all die Jahre beständigen Niveaus in der Bundesliga in Aussicht. Was aber soll diese Nominierung ausgerechnet jetzt? In der letzten Saison bestach der Keeper mit tollen Paraden und ruhiger Ausstrahlung, welche vor allem in der Hinrunde zu starken Leistungen führte. Mit spektakulären Rettungsaktionen führte er unter anderem bei Real Madrid seinen BVB ins Champions League Finale. Zu diesem Zeitpunkt hätte eine Nominierung auch weitaus mehr Sinn gehabt, da dort noch genug Zeit gewesen wäre, Roman Weidenfeller auch wirklich zu testen.

    Nun aber, 8 Monate und nur noch wenige Spiele vor dem Start der Weltmeisterschaft in Brasilien, fängt Nationalcoach Löw an zu experimentieren. Zusätzlich zu einer Zeit, in der Roman Weidenfeller zudem seiner Topform der vorigen Saison hinterher hinkt. Die Unhaltbaren, die letzte Saison noch weggefischt wurden, blieben für ihn bisher unhaltbar. Als Beleg dafür mögen die Kickernoten der CL-Spiele herhalten: In der Saison 2012/13 betrug der Schnitt nach allen Spielen 2,04. Absolut eindrucksvoll! In den bisherigen vier Spielen ist sein Schnitt 3,67.

    Löw weicht damit nicht nur von seinem bisherigen Jugendstil ab, er gibt damit auch dem Drängen und der Kritik der BVB-Verantwortlichen nach. Seit Monaten bearbeiten Watzke, Klopp und Co. Den Bundestrainer medial in einer Art und Weise, wie man es sonst nur vom FC Bayern und seinen Granden kennt. Auch in dieser Hinsicht hat der BVB zum großen Rivalen inzwischen aufgeschlossen. Wie schwer diese Personalie tatsächlich wiegt, sieht man zusätzlich noch am Beispiel von Stefan Kießling.

    Weidenfeller will man beobachten, bei Kießling weiß man, was man hat

    „Wir wollen ihn im Training sehen“, waren die Worte von Torwarttrainer Andreas Köpke vor wenigen Tagen. Dabei ist Weidenfeller schon seit 1999 in der Bundesliga aktiv. Er machte seine ersten Schritte beim 1.FC Kaiserslautern und spielt seit der Saison 2002 in der Bundesliga bei Borussia Dortmund. Kießling ist vier Jahre jünger und ebenfalls seit 2002 in der Bundesliga aktiv. Bei Kießling hieß es stets, man wüsste, was man an ihm hat und muss ihn nicht mehr beobachten. Warum also muss man einen Keeper, der 4 Jahre älter ist und genau so lange in der höchsten deutschen Spielklasse vertreten ist, zwingend im Training sehen, während Stefan Kießling mehr und mehr das Schicksal eines Martin Max teilt? Als Torschützenkönig nicht in der Nationalelf zu spielen…

    Zusätzlich abgefahren sein dürfte der Zug auch damit für Bernd Leno, Ron-Robert Zieler und  Marc-André ter Stegen, die nicht nur wesentlich jünger sind und damit auch weit mehr Perspektive hätten. Auch die Möglichkeiten, sich im Kreis der Nationalmannschaft weiterzuentwickeln und dazuzulernen, dürfte diesen Dreien weit mehr bringen, als einem Torhüter, der spätestens nach der Weltmeisterschaft mit bald 34 Jahren und einem Manuel Neuer vor der Nase eh schon zum alten Eisen gehört.

     
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