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  • Marc Fischer

    Marc Fischer 5:13 pm am July 12, 2014 Permalink | Antwort
    Tags: Argentinien, Finale, Messi, Nationalmannschaft,   

    Argentinien 

    Als zuletzt ein deutscher Nationalspieler die Weltmeistertrophäe in den Nachthimmel recken durfte, gewann die Mannschaft zuvor gegen Argentinien. Das Finale von 1990 erlebt 24 Jahre später ein Revival unter Wettbewerbsbedingungen. Mit allen beteiligten Protagonisten: Lionel Messi macht den Maradona, Thomas Müller lässt sich den Rudi-Völler-Gedächtnis-Schnauzer wachsen, Höwedes imitiert Buchwald und aus Rom wird Rio.

    Das Halbfinale gegen Gastgeber Brasilien ist vier Tage her. Vier Tage, in denen die Gewissheit reifte, dass man offensichtlich wirklich Zeuge eines kleinen Fußballwunders wurde und dass nicht alles bloß ein schöner Traum war. 7 (in Worten: Sieben!!!) Hütten schenkte das Team von Jogi Löw dem Gastgeber ein und sorgte damit für einen kollektiven Schock bei den Südamerikanern. Aus deutscher Sicht ist die Ungläubigkeit über das, was da in Belo Horizonte passiert ist, inzwischen einer unbändigen Zuversicht gewichen. Was soll gegen Argentinien schon schief gehen? Doch genau das ist das Trügerische im Moment. Gegen den zweimaligen Weltmeister wird es ein völlig anderes Spiel. Lionel Messi und seine Kollegen möchten ebenso gern Weltmeister werden und haben mit diesem einen Spiel die gleichen Chancen, wie die Nationalelf.

    Brasilianische Fehler und deutsche Zielstrebigkeit

    So schön dieser historische Kantersieg aus deutscher Sicht gewesen sein mag, die brasilianischen Spieler haben gehörig dabei mitgeholfen. Fehler im Aufbau, erzwungen durch das Pressing der Offensivkräfte Müller, Klose, Kroos und Özil, führten zu schnellen Ballverlusten oder ließen einen Aufbau gar nicht erst zustande kommen. Wie schon gegen Portugal und Frankreich verstand es das deutsche Team sehr gut zu verschieben und die entsprechenden Räume eng zu halten. Marcelo, sonst Ankurbler über die linke Abwehrseite Brasiliens, wurde von Müller konsequent zugestellt und konnte sich nicht so in den Aufbau mit einbringen, wie die Partien zuvor. Miro Klose orientierte sich zunehmend an David Luiz und so entstand ein großer Raum, den Toni Kroos und Sami Khedira vortrefflich zu nutzen wussten.

    In der Abwehrarbeit stürzte die Seleção somit von einer Verlegenheit in die Nächste, die ordnende Hand namens Thiago Silva fehlte an allen Ecken und Enden. Die brasilianische Verteidigung offenbarte große Lücken, die sie nicht zu schließen vermochten, das deutsche Mittelfeld aber brutal auszunutzen wusste. So herrschte mehrmals große Konfusion auf Seiten Brasiliens, was sich vor allem beim Treffer zum 2:0 zeigte, als David Luiz und Dante, nachdem sie überspielt wurden, einfach an der Strafraumgrenze stehen blieben und sich nicht weiter an ihren Gegenspielern orientierten.

    Taktisch variabel, vielfältig und ideenreich

    Diesen Gefallen, taktisch derart naiv zu agieren, wird das argentinische Team der Nationalelf kaum gestatten. Im ersten Gruppenspiel gegen Bosnien verordnete Trainer Alejandro Sabella seinem Team viele taktische Umstellungen während der Partie, welche schlussendlich alle griffen. Allein in diesem einen Spiel zu Beginn der Weltmeisterschaft stellte sich die argentinische Mannschaft innerhalb der Partie zweimal anders auf den Gegner ein. Erst durchbrach man das mannorientierte System von Džeko und Co. mit einer simplen Umstellung in Halbzeit eins, nach der Pause kam dann die offensive Durchschlagskraft zurück, indem erneut am System geschraubt wurde.

    Im zweiten Gruppenspiel gegen den Iran war es ein typisches Spiel „David gegen Goliath“. Iran zog sich tief zurück und setzte auf Konter, während Argentinien größtenteils an der eigenen Abschlussschwäche scheiterte. So wurde es, je länger es Unentschieden stand, ein Spiel auf Messers Schneide, weil auch die Iraner mit zunehmender Spieldauer ihre Konterchancen bekamen. Am Ende war es schließlich Lionel Messi, der erneut den Unterschied machte und kurz vor dem Schlusspfiff noch den Siegtreffer markierte. Auch gegen Nigeria, dem abschließenden Spiel der Gruppe F, war es der argentinische Spielmacher, der mit seinen Toren den Sieg gegen die Super Eagles herausschoss.

    Immer wieder Messi und erste Schwächen

    Überhaupt macht Alejandro Sabella keine Anstalten, dem Überspieler aus Argentinien irgendwie die Last von den Schultern zu nehmen. Zwar sind mit Ángel Di María und Ezequiel Lavezzi zwei weitere begnadete Offensivakteure im Kader der Albiceleste, jedoch spielen diese beiden nicht mehr als die Wasserträger für Messi, während Sergio Agüero noch so gar keine Bindung zum Spiel gefunden hat. So war es schließlich, trotz des Treffers von Di María, vor allem erneut Messi und seiner taktischen Anpassung an das Schweizer Spiel zu verdanken, dass die Eidgenossen mit 1:0 nach Verlängerung besiegt wurden und Argentinien ins Viertelfinale einzog.

    Das Viertelfinale gegen Belgien zeigte dann aber auch die komplette Abhängigkeit vom argentinischen Messi(as). Das Spiel war, bei aller Qualität, die beide Mannschaften auf dem Feld hatten, sehr dürftig und lieferte Anschauungsunterricht, wie man das Spiel der Südamerikaner knacken kann. Dabei geht es nicht nur darum, Messi aus dem Spiel zu nehmen, was sicherlich den Bayernspielern im Kader von Jogi Löw mittlerweile recht geläufig sein dürfte, bei all den Begegnungen mit dem FC Barcelona in den letzten Jahren. Es zeigte auch, wie anfällig die Raumaufteilung der Albiceleste sein kann. Auffällig ist auch, dass einstudierte Spielzüge im argentinischen Spiel Mangelware sind und dies bereits zu Problemen im Achtelfinale gegen die Schweiz führte.

    Die Defensive steht sicher

    Gegen die Niederlande tat sich dann auch (endlich) ein anderer wichtiger Faktor im argentinischen Spiel hervor. Nigel de Jong wäre Messi noch bis auf die Toilette gefolgt, so sehr klebte der niederländische Sechser an den Hacken des Ausnahmespielers. Es war Javier Mascherano, die andere bedeutende Konstante im argentinischen Spiel, welcher den Aufbau von hinten heraus geordnet vorantrieb und nicht zuletzt einen großen Anteil daran hatte, dass das Team von Sabella ohne Gegentor bisher durch die K.O.-Spiele bis ins Finale vorstieß. So ist der defensive Mittelfeldmotor aus Sicht der Südamerikaner rechtzeitig zum Finale in Top-Form.

    Es sind zwar vor allem die bekannten Einzelakteure in Person von Messi und Mascherano, dazu noch mit einigen Abstrichen Ángel Di María und Gonzalo Higuaín, auf die die deutsche Mannschaft ein besonderes Auge haben sollte. Aber es sind auch die taktische Reife und defensive Konstanz bzw. Leistung, die Argentinien zurecht ins Finale spülten und dort zu einem unangenehmen Gegner für das Team von Jogi Löw werden lässt. Wirkliche Angriffsflächen wie gegen Frankreich oder Brasilien gibt es im Finale kaum.

    Waren es gegen Frankreich die Fixpunkte Valbuena (offensiv), Cabaye und Pogba (defensiv), die es zu unterbinden galt, waren es gegen Brasilien die Räume hinter den Außenverteidigern sowie die Anfälligkeit beim Pressing, weist die Albiceleste insgesamt weniger Schwachstellen auf. Zu den herausragenden Einzelleistungen von Messi oder Di María ist vor allem die Defensive das Prunkstück Argentiniens und so kommt es vor allem wieder auf eine Teamleistung an, in die sich die gesamte deutsche Mannschaft konsequent einfügen muss. Argentinien wird der Mannschaft von Joachim Löw kaum den Gefallen tun und ins offene Messer rennen. Dafür hat sich die deutsche Mannschaft beim 7:1 zuviel Respekt erarbeitet.

    Die negative Bilanz und die positive Bilanz

    Insgesamt ist die Statistik gegen das südamerikanische Team recht ausgeglichen, jedoch mit Vorteilen auf Seiten Argentiniens. 20 Spiele fochten beide Teams bisher aus, neun Siege gingen an Argentinien, sechs erarbeitete sich die deutsche Elf. Die übrigen fünf Begegnungen endeten Unentschieden. Allerdings spricht die WM-Bilanz klar für das deutsche Team. Bei insgesamt sechs Weltmeisterschaften stand man sich bereits gegenüber. Erstmals traf man beim Turnier in Schweden 1958 in der Finalrunde der Gruppe 1 in Malmö aufeinander, wo ’54-Held Helmut Rahn mit einem Doppelpack und Uwe Seeler die Treffer zum 3:1-Sieg erzielten. Es folgte noch ein torloses Unentschieden in England ’66 und eine Reihe von Freundschaftsspielen, ehe man sich im WM-Finale von 1986 im Aztekenstadion erneut begegnete. Damals wurde Argentinien nach einem 3:2 vor mehr als 100.000 Zuschauern Fußballweltmeister. Es ist die einzige Niederlage, die Deutschland gegen Argentinien bei einer Weltmeisterschaft jemals zu beklagen hatte.

    Schließlich gab es vier Jahre später die Revanche. Als Kind der frühen Achtziger gibt es kaum eine Erinnerung, die so sehr mit Fußball verbunden ist, wie der Elfmeter von Andreas Brehme. Die Anspannung vor dem Schuss, die Erlösung in dem Moment, als der Ball das Netz auf der linken Seite ausbeult, die pure Freude, als Brehme jubelnd abdreht. So wie wir auf der Couch. Damals in der 85. Minute.

    Rückenwind durch jüngste Begegnungen

    Und dann gab es da ja noch die beiden Viertelfinalpaarungen der letzten beiden Turniere. Das Elfmeterschießen von 2006 ist inzwischen legendär, die Packung in Kapstadt, als das Team von Löw die Albiceleste förmlich sezierte, ebenfalls. Somit stehen in der WM-Bilanz vier Siege für das deutsche Team einer Niederlage gegenüber bei einem torlosen Remis. Vor zwei Jahren gab es dann noch ein Freundschaftsspiel, die letzte Begegnung beider Mannschaften, als erneut Argentinien in Frankfurt gewann.

    Bei allen statistischen Möglichkeiten, bei allen mathematischen Berechnungen die man anstellen kann, in 28 Jahren dreimal ein WM-Finale gegen Argentinien austragen zu müssen, ist doch sehr gering. Ein Finale ist dabei auch immer eine besondere Ausgangssituation, so dass für dieses Spiel leider auch die Phrase herhalten muss, dass in den 90, respektive 120 Minuten, alles passieren kann. Allerdings hat die deutsche Nationalmannschaft durch das 7:1 gegen Brasilien noch klaren Rückenwind, die Albiceleste hingegen musste 120 Minuten gegen die Niederlande gehen und hat zudem noch einen Tag weniger Pause, was am Ende eine Rolle spielen kann. Das Team von Jogi Löw geht also mit einigen Vorteilen in das Finale von Rio de Janeiro.

     
  • Marc Fischer

    Marc Fischer 11:21 am am June 30, 2014 Permalink | Antwort
    Tags: Achtelfinale, Algerien, Gijon, Nationalmannschaft,   

    Algerien 

    Der Achtelfinalgegner der deutschen Nationalmannschaft kommt aus Algerien. Die Auswahl vom bosnischen Trainer Vahid Halilhodžić setzte sich überraschend in Gruppe H als Zweiter durch und schickte Russland sowie Südkorea bereits nach der Vorrunde nach Hause. Was von den „Wüstenfüchsen“ zu erwarten ist, worauf Löws Truppe achten sollte und warum die Statistiker Algerien als Favoriten sehen.

    Bereits vor Beginn der Weltmeisterschaft hieß der Favorit in Gruppe H Belgien. Nicht zu Unrecht, wie drei Siege aus drei Spielen beweisen, auch wenn vieles im Spiel der roten Teufel Stückwerk blieb und hauptsächlich eine schwache Konkurrenz für die Maximalausbeute sorgte. Für das zweite Ticket in die Endrunde qualifizierte sich hinter Belgien jedoch etwas unerwartet Algerien, denen zuvor höchstens Außenseiterchancen hinter Russland und Südkorea eingeräumt wurden. Am Ende reichten ein Sieg gegen Südkorea (4:2) und ein Unentschieden gegen die „Sbornaja“ (1:1) für den zweiten Platz und damit für die erste Achtelfinalteilnahme bei einer WM für die Nordafrikaner.

    Aus algerischer Sicht verliefen die drei Spiele dabei völlig unterschiedlich. Gegen Belgien begann die Mannschaft tief stehend und agierte aus einer kompakten Defensive und guter Organisation. Nach dem Führungstreffer von Sofiane Feghouli nach 24 Minuten zog sich das Team dann noch weiter zurück und überließ den Belgiern das Spiel, wovon zwischenzeitliche 70 Prozent Ballbesitz zeugten. Das Team von Halilhodžić verstand es bis zu den Einwechslungen von Marc Wilmots sehr gut, im Verbund zu verschieben und die Räume eng zu halten. Erst als die Joker in Person von Marouane Fellaini nach einem Standard und Dries Mertens nach einem Konter spät in der zweiten Hälfte stachen, war Algerien geschlagen.

    Vielseitigkeit in der taktischen Ausrichtung und treffsichere Stürmer

    Für das zweite Spiel nahm Halilhodžić fünf Wechsel in der Startaufstellung vor und stellte von 4-3-3 auf 4-2-3-1 um. Im Gegensatz zum Auftaktspiel gegen Belgien brannte Algerien im zweiten Spiel zu Beginn ein wahres Offensivfeuerwerk ab und hätte nach zehn Minuten locker führen können, scheiterte aber am eigenen Unvermögen. Dass letztlich doch eine 3:0-Halbzeitführung heraussprang, lag zwar vor allem am desolaten Gegner aus Südkorea, lässt aber auch Rückschlüsse auf die Offensivqualitäten der „Wüstenfüchse“ zu. Zusätzlich bewies Algerien Nervenstärke, als man sich vom Anschlusstreffer zum 3:1 in der 50. Minute nicht sonderlich aus der Ruhe bringen ließ und wenige Minuten später mit dem vierten Treffer kühl nachlegte. Auch als Südkorea eine Viertelstunde vor Schluss erneut durch den Mainzer Spieler Ja-Cheol Koo auf 4:2 herankam, geriet man keineswegs in Panik, sondern stemmte sich dagegen und ließ bis auf zwei Chancen nichts mehr zu.

    Für das abschließende Gruppenspiel behielt der Trainer Algeriens die Ausrichtung seines Teams im 4-2-3-1 bei. Russland hingegen verstand es in dieser Partie, die Schwachstellen auf den Außenbahnen der Algerier offenzulegen und dort die Räume zu nutzen. Dem frühen Führungstreffer für das Team von Fabio Capello durch Aleksandr Kokorin ging eine Flanke von Dimitry Kombarov voraus. Nach dem Ausgleichstreffer, den ein erneuter Patzer von Akinfeev verschuldete, zog sich Algerien wieder weit zurück und verteidigte schließlich den Punkt, der zum Einzug ins Achtelfinale reichte.

    Neben einer gut organisierten, aber recht eindimensionalen weil mannorientierten Defensive, die in allen drei Vorrundenspielen angewandt wurde, ist vor allem die Offensive der Algerier zu beachten. Mit Slimani, Feghouli, Brahimi und Djabou haben alle Offensivkräfte, die zu Beginn gegen Russland auf dem Platz standen, in Brasilien schon getroffen. Stürmer Islam Slimani von Sporting Lissabon gelangen sogar schon zwei Treffer. Angekurbelt wird das Spiel vor allem über den wendigen und dribbelstarken Außenspieler vom FC Valencia Sofiane Feghouli und den Zehner Yacine Brahimi, der ebenfalls in der Primera División beim FC Granada angestellt ist. Für das Spiel gegen Deutschland kann Vahid Halilhodžić auf alle seine Spieler setzen und wird aller Voraussicht derselben Elf das Vertrauen entgegenbringen, die gegen Russland Geschichte geschrieben hat.

    Laut Statistik ist Algerien klarer Favorit im Achtelfinale

    Jede Statistik, die dieser Tage für dieses Spiel bemüht wird, kommt nicht um das Jahr 1982 und Gijón herum. Seit mittlerweile 32 Jahren schon sitzt der Stachel tief im algerischen Stolz. Bei der damaligen Weltmeisterschaft in Spanien besiegte Algerien die deutsche Nationalmannschaft in der Vorrunde in ihrer Auftaktbegegnung mit 2:1. Weil sich aber Österreich und Deutschland im abschließenden Gruppenspiel nach dem Führungstreffer von Horst Hrubesch auf einen Nichtangriffspakt einigten, schied Algerien trotz zweier Siege nach der Vorrunde aus. Dies geschah deshalb, weil Algerien bereits tags zuvor seine Partie absolviert hatte und die Tordifferenz allen Beteiligten von da an klar war. So war die „Schande von Gijón“ geboren und schließlich auch der Grund dafür, dass die letzten Gruppenspiele bei großen Turnieren fortan immer zeitgleich ausgetragen werden.

    Soviel, wie über diese Begegnung in den letzten Tagen schwadroniert wurde, müsste man eigentlich davon ausgehen, dass hier zwei große Rivalen, denen eine lange und gemeinsame Historie zu Grunde liegt, aufeinandertreffen. Jedoch hat selbst die ehemalige Deutsche Demokratische Republik (DDR) mehr Spiele gegen Algerien bestritten als die deutsche Nationalmannschaft. Nach dem Turnier in Spanien gab es kein Aufeinandertreffen mehr zwischen Algerien und Deutschland und auch vor der WM ’82 kam es nur zu einer einzigen Paarung. 1964 traf man sich zu einem Freundschaftsspiel im Omar-Hammadi-Stadion in Algier, welches mit 2:0 an Algerien ging. Somit sprechen die nackten Zahlen mit zwei Siegen aus zwei Spielen klar für „Les Fennecs“.

     
  • Marc Fischer

    Marc Fischer 11:31 am am June 10, 2014 Permalink | Antwort
    Tags: Ghana, James Appiah, Nationalmannschaft, ,   

    Ghana 

    Das deutsche Team bekommt es bei der Weltmeisterschaft in Brasilien in der Vorrunde durchweg mit alten Bekannten zu tun. Ein Selbstläufer wird die Gruppe G deshalb aber noch lange nicht. Was Portugal, Ghana und die USA so zu bieten haben, wer alles mit nach Brasilien darf und wie die Statistiken gegen diese Auswahlteams aussehen, haben wir für euch genauer unter die Lupe genommen.

    Das Aufeinandertreffen mit dem viermaligen Africa-Cup Gewinner verspricht ein Duell der beiden Boateng-Brüder und ein Wiedersehen mit den Black Stars nach 2010. Damals gewann das deutsche Team in einem zähen Spiel durch ein Tor von Mesut Özil. Heute sehen die Vorzeichen für das Spiel ein wenig anders aus.

    Der Weltranglisten-37. qualifizierte sich bereits im November vergangenen Jahres für die Endrunde in Brasilien. Der Modus des afrikanischen Verbandes CAF sah es vor, dass Ghana aufgrund der guten Platzierung in der Weltrangliste erst in der zweiten Qualifikationsrunde in die Gruppenphase einsteigen konnte. Dort holte man souverän den Gruppensieg vor Sambia, Lesotho und dem Sudan. In den entscheidenden Playoff-Begegnungen gegen Ägypten holte man bereits im Hinspiel in Kumasi einen 6:1 Kantersieg und machte damit eigentlich schon alles klar. Das Rückspiel in Kairo ging zwar mit 1:2 verloren, interessierte aber niemanden mehr.

    Viel Konstanz an der Seitenlinie

    Gerade mal sechs Spieler im heutigen Team der Afrikaner waren vor vier Jahren in Johannesburg beim Spiel gegen Deutschland und der WM dabei. Lediglich die beiden Verteidiger Samuel Inkoom und Jonathan Mensah, die Mittelfeldakteure Kwadwo Asamoah und Sulley Muntari, und die beiden Stürmer Kevin-Prince Boateng und Asamoah Gyan sind noch übrig geblieben im Kader von James Appiah. So etwas nennt man wohl eine Runderneuerung.

    Appiah war bereits von 1999 bis 2001 Co-Trainer Ghanas unter Cecil Jones Attuquayefio. 2008 begann seine zweite Amtszeit, in der er erst bis 2010 unter Milovan Rajevac, danach bis 2012 unter Goran Stevanović arbeitete. 2010 war er bereits für zwei Spiele Interimstrainer des A-Teams, ehe er 2011 mit der Leitung der U-23 Ghanas betreut wurde. Im April 2012 wurde er von der Ghana Football Association (GFA) schließlich als hauptamtlicher Trainer der A-Nationalmannschaft und als Nachfolger von Stevanović vorgestellt. Bei der Afrikameisterschaft in Südafrika im letzten Jahr wurde Ghana mit Appiah Vierter.

    Ein Mix aus großen Namen und unbekannten Stars

    Der Kader, den James Appiah zusammengestellt hat, sieht auf den ersten Blick aus wie ein wild zusammengewürfelter Haufen. Die Teams jedoch, für die die Spieler angestellt sind, lässt die Qualität der Black Stars ein wenig erahnen. Klangvolle Namen wie Juventus Turin (Kwadwo Asamoah), AC Mailand (Sulley Muntari) oder auch FC Parma (Afriyie Acquah) und Udinese Calcio (Emmanuel Agyemang-Badu) sind nur vier Mannschaften, die durch das Mittelfeld vertreten sind.

    Auch aus der französischen Ligue 1 kommt ein großer Teil der Spieler. Angreifer André „Dede“ Ayew von Olympique Marseille erreichte mit seinem Team Platz 6 zum Ende der Saison, während seine Sturmkollegen Jordan Ayew mit dem FC Sochaux und Abdul Majeed Waris mit Valenciennes den Gang in die zweite französische Liga antreten mussten. Die beiden Verteidiger John Boye (Stade Rennais FC) und Jonathan Mensah (FC Évian Thonon Gaillard) hingegen schafften mit ihren Teams den Klassenerhalt und dürfen sich auch nach der Weltmeisterschaft in Frankreichs höchster Spielklasse messen. Sturmstar und Kapitän Asamoah Gyan spielt seit 2011 mittlerweile beim arabischen Club Al Ain und schoss dort in 40 Spielen 52 Tore. Auch in der Qualifikation zur WM war Gyan mit sechs Treffern neben den beiden Ägyptern Mohamed Abo Treka und Mohamed Salah erfolgreichster Schütze.

    Ein Treffen unter Brüdern

    Mit von der Partie ist in diesem Jahr auch wieder Michael Essien. Der Mittelfeldspieler vom AC Mailand, der 2006 für Ghana bereits in der Endrunde in Deutschland dabei war, verpasste aufgrund einer langwierigen Knieverletzung die letzte Weltmeisterschaft in Südafrika. Damals musste er von der Couch aus den größten Verbandserfolg mit dem Viertelfinaleinzug gegen Uruguay verfolgen. Dieses Jahr wird er dem Team mit seinen strategischen Fähigkeiten wieder auf dem Platz helfen können.

    Ebenfalls im Aufgebot steht der in Berlin geborene Kevin-Prince Boateng. Der „Bad Boy“, der beim FC Schalke 04 den Leader gibt, wird somit auf seinen jüngeren Bruder Jérôme treffen und zeigen wollen, wer der bessere Fußballer von beiden ist. Nach markigen Sprüchen an Jogi Löws Teamzusammensetzung („Deutschland hat keine Typen und Charaktere, um mit diesem Druck umzugehen und die eine Mannschaft mitreißen können.“) und der Pinkelaffäre von Kevin Großkreutz („Früher wäre Großkreutz rausgeflogen!“) wird er darauf brennen, zu beweisen, dass seine Entscheidung für Ghana zu spielen, die richtige war.

    Historische Fouls und ein großes Selbstvertrauen

    Deutschland gegen Ghana, diese Begegnung gab es erst zweimal. Beide Spiele konnte das deutsche Team für sich entscheiden. Das erste Aufeinandertreffen datiert aus dem Jahre 1993, als man sich im Bochumer Ruhrstadion zu einem Freundschaftsspiel traf. Ghana ging kurz vor der Halbzeit durch seinen Stürmer Polley, der mit vollem Namen Prince Opoku Bismark Polley Sampene heißt, mit 1:0 in Führung. Nach der Pause drehte die Mannschaft von Berti Vogts jedoch auf und schenkte den Black Stars zwischen der 69. und der 88. Minute sechs Dinger ein. Zweimal Effenberg, zweimal Klinsi, einmal Möller und einmal Ulf Kirsten.

    Die zweite Begegnung war da schon weitaus knapper. Am 23.06.10 in Johannesburg war es ein strammer Linksschuss aus 18 Metern von Mesut Özil, der die Partie zu Gunsten der deutschen Mannschaft entschied. Allerdings war das Spiel auch aus dem Grunde brisant, weil es dort zum ersten Aufeinandertreffen zwischen den beiden Teams kam, nachdem Kevin-Prince Boateng, damals noch in Diensten des FC Portsmouth, Michael Ballack im Spiel gegen den FC Chelsea derart verletzte, dass dieser die WM in Südafrika absagen musste. Der Ausgang ist bekannt.

    2014 ist Ghana in der Gruppe G absoluter Außenseiter. Ein Weiterkommen gegen Portugal, die USA und Deutschland wäre eine riesige Überraschung. Nicht das die Black Stars dermaßen schlecht wären, aber die Konkurrenz mit Cristiano Ronaldo, Mesut Özil und Jozy Altidore ist einfach größer. Es ist kaum vorstellbar, dass die Viertelfinalteilnahme von 2010 zu wiederholen ist. Unterschätzen sollte man den Gegner aber trotzdem nicht. Das Selbstverständnis und das Selbstvertrauen nach den beiden letzten großen Turnieren dürfte in Ghana groß genug sein, um den Favoriten mindestens ein Bein stellen zu wollen.

     
  • Marc Fischer

    Marc Fischer 1:09 pm am June 9, 2014 Permalink | Antwort
    Tags: Brasilien 2014, Nationalmannschaft, Portugal, ,   

    Portugal 

    Das deutsche Team bekommt es bei der Weltmeisterschaft in Brasilien in der Vorrunde durchweg mit alten Bekannten zu tun. Ein Selbstläufer wird die Gruppe G deshalb aber noch lange nicht. Was Portugal, Ghana und die USA so zu bieten haben, wer alles mit nach Brasilien darf und wie die Statistiken gegen diese Auswahlteams aussehen, haben wir für euch genauer unter die Lupe genommen.

    Der erste Gegner der WM 2014 ist zugleich auch der erste Gegner der EM von 2012. Damals gewann die deutsche Mannschaft durch ein Kopfballtor von Mario Gomez mit 1:0. Der wird dieses Jahr aber nicht helfen können. Auf portugiesischer Seite ist es jedoch der gleiche Name, der nach wie vor alles überstrahlt: Cristiano Ronaldo. In der Primera División hat er mittlerweile mehr Tore geschossen, als Spiele absolviert. In der Champions League hat er in 103 Spielen 67 Treffer erzielt. In der portugiesischen Nationalmannschaft ist er inzwischen Rekordtorschütze mit 49 Hütten in 109 Partien.

    Ronaldo entscheidet Duell der Diven für sich

    Dass hinter Ronaldo jedoch vieles ist, was so gar nicht goldig ist und glänzt, bewies die Qualifikation von Portugal. Erst über die Playoffs qualifizierte sich das Team von Paulo Bento für die Endrunde. In der Qualifikationsgruppe F musste man Russland den Vorzug lassen, das am Ende einen Punkt mehr auf dem Konto hatte. Zwar wurde der zweite Platz durchaus ungefährdet ergattert, jedoch sah das in einer Gruppe mit Aserbaidschan, Nord-Irland und Luxemburg nicht immer souverän aus.

    Für das Playoff-Spiel zur endgültigen Qualifikation bekam Portugal es schließlich mit Schweden zu tun. Hier bewies das Team von der iberischen Halbinsel zum ersten Mal seine Klasse. Das Hinspiel in Lissabon entschied Ronaldo in der Schlussphase mit einem Kopfballtor zu Gunsten der Gastgeber, nachdem Bentos Team die Schweden in der zweiten Halbzeit an die Wand spielte. Das Rückspiel wurde ein Nervenkrieg, in dem sich Ibrahimovic und Ronaldo gegenseitig überboten. 2:3 hieß es am Ende in Solna, wobei Ronaldo die drei Treffer für Portugal, Ibrahimovic beide Treffer für Schweden erzielte.

    Bento vertraut auf die bewährten Kräfte

    Den Kern bei der diesjährigen Weltmeisterschaft bilden fast alle Spieler, die schon 2012 gegen Deutschland auf dem Platz standen. In den einzelnen Mannschaftsteilen tauschte Paulo Bento zwar hier und da ein oder zwei Spieler aus, die bekannten Namen sind aber nach wie vor dieselben. Durchaus möglich, dass Bento sogar exakt die Startelf ins Rennen schickt, die schon 2012 in Lwiw begonnen hat.

    Als Torhüter fahren der Europa League Sieger Beto vom FC Sevilla, Rui Patrício von Sporting Lissabon und Eduardo vom SC Braga, der mit 33 Spielen der Erfahrenste von allen Dreien ist, mit nach Brasilien. Mit Pepe und Fábio Coentrão stehen zwei Verteidiger in der Abwehrreihe, die vor wenigen Wochen mit Real Madrid die Champions League gewannen. Daneben gibt es mit Ricardo Costa, Bruno Alves und João Pereira erfahrene Haudegen, die teilweise schon jahrelang ihr Können in der Primera División unter Beweis stellen. Luís Neto und André Almeida sind das erste Mal bei einer WM dabei, durchliefen aber bereits mehrere Jugendnationalmannschaften in Portugal.

    Ein Wolf und ein ehemaliger Bremer stürmen in Brasilien für Portugal

    Das Mittelfeld ist nach wie vor geprägt von Raúl Meireles, Nani, João Moutinho und Miguel Veloso. Allerdings ist mit Rafa vom SC Braga und William Carvalho von Sporting Lissabon auch frisches sowie junges Blut dabei. Ruben Amorim vom Europa League Finalisten Benfica Lissabon hat zwar auch bereits elf Länderspiele absolviert, wird aber wohl mehr die Bank füllen.

    Beinahe unbemerkt schaffte es ein Stürmer aus der Bundesliga in das Aufgebot von Paulo Bento. Vieirinha vom VfL Wolfsburg wurde nicht wenig überraschend nominiert, fiel er doch fast die komplette Spielzeit mit einem Kreuzbandriss für den VW-Club aus. Am 6. Spieltag gegen Hoffenheim verletzte sich der Flügelstürmer und kam erst zum 30. Spieltag zurück. Erst im letzten Spiel der Saison gegen Borussia Mönchengladbach machte der Portugiese wieder ein Spiel von Anfang an. Das schien Bento wohl zu reichen und er nominierte ihn. Ein weiterer Bekannter aus der Bundesliga ist Hugo Almeida, der ebenfalls im Aufgebot steht. Silvestre Varela und Hélder Postiga standen bei der letzten Begegnung vor zwei Jahren auf dem Feld und Éder vom SC Braga bleibt wohl vorrangig der Platz neben Ruben Amorim.

    Knieprobleme und ein Hattrick zum Aus in der Vorrunde

    Und schließlich Cristiano Ronaldo. So sehr die Hoffnungen auf ihn ruhen, so sehr sorgt sich die Nation um seine Gesundheit. Anhaltende Knieprobleme lassen die portugiesischen Fans mehr und mehr nervös werden, ob ihr Superstar rechtzeitig zum Duell gegen Deutschland fit wird. Die Freundschaftsspiele, die als Vorbereitung auf das Turnier galten, musste der Stürmer von Real Madrid verletzungsbedingt absagen. Vielleicht waren es aber auch nur Vorsichtsmaßnahmen, um die Knie nach einer kräftezehrenden Saison etwas zu schonen und ihm ein wenig Ruhe vor dem eigentlichen Trubel zu gönnen.

    Die Geschichtsbücher verzeichnen mittlerweile 17 Aufeinandertreffen zwischen dem Weltranglisten-Vierten Portugal und dem Zweitplatzierten Deutschland. Neun Partien konnten aus deutscher Sicht siegreich gestaltet werden, fünf endeten Unentschieden. Nach lediglich drei Spielen verließ die deutsche Nationalmannschaft als Verlierer den Platz. Die letzte Niederlage ist bereits 14 Jahre her, dürfte aber vielen Fußballfans noch in schmerzhafter Erinnerung sein. Wer live dabei war, wurde Zeuge einer der schwärzesten Stunden des deutschen Fußballs. Es war am 20. Juni 2000, als Sergio Conceição dem Torwarttitanen Oliver Kahn drei Buden einschenkte und die deutsche Nationalmannschaft sang- und klanglos aus dem Turnier in Belgien und den Niederlanden nach der Vorrunde verabschiedete.

    Platz 3, Halbfinaleinzug und Gruppensieg

    Die letzten drei Spiele sind da schon in besserer Erinnerung. Bei der WM 2006 in Deutschland besiegte das Team von Jürgen Klinsmann die Portugiesen im Spiel um Platz 3 mit 3:1, was der versöhnliche wie verdiente Abschluss einer großartigen Leistung beim heimischen Turnier war und die neue Zeitrechnung einläutete. Beim darauf folgenden Turnier in Österreich und der Schweiz standen sich beide Mannschaften erneut gegenüber, dieses Mal im Viertelfinale. Die Tore von Bastian Schweinsteiger, Miroslav Klose und Michael Ballack entschieden dieses Spiel mit 3:2 zu Gunsten der deutschen Mannschaft. Das letzte Aufeinandertreffen in der Ukraine war eine spannende wie knappe Angelegenheit, in der das Team von Jogi Löw letztlich mit 1:0 die Oberhand behielt.

    Je länger eine Serie dauert, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese reißt. Die Serie, nicht gegen Portugal verloren zu haben, hält mittlerweile 14 Jahre. Sollte aber die deutsche Mannschaft annähernd in Bestbesetzung auftreten können und ihr normales Niveau erreichen, ist Portugal schlagbar. Dafür muss die Mannschaft aber zu Beginn des Turniers direkt auf den Punkt fit und sich ihrer Aufgabe bewusst sein und dieses Spiel von Beginn an mit dem notwendigen Ernst angehen.

    Man darf nicht darauf vertrauen, den Geist der Turniermannschaft erneut beschwören zu können und das erste Spiel erstmal locker angehen zu lassen. Ronaldo und Co. werden nach drei Niederlagen in Folge gegen Deutschland darauf brennen, diese Scharte auszuwetzen und werden alles in die Waagschale werfen, um nicht bereits nach dem ersten Gruppenspieltag ins Hintertreffen zu geraten. Von daher ist höchste Vorsicht aus deutscher Sicht geboten, denn Cristiano Ronaldo ins Rollen kommen zu lassen, könnte sich schnell rächen.

     
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