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  • Marc Fischer

    Marc Fischer 5:49 pm am November 7, 2013 Permalink | Antwort
    Tags: , , Pyro, Sport1, TSV 1860 München   

    Panikmache 

    Das kleine Bayernderby zwischen 1860 München II und dem FC Bayern München II in der Regionalliga Bayern lieferte viel Gesprächsstoff. Die Herangehensweise in der Berichterstattung war dagegen völlig unterschiedlich.

    Das Grünwalder Stadion freute sich endlich mal wieder auf über 12.000 Zuschauer. Gestern Abend stand in der Regionalliga Bayern das Derby zwischen den „kleinen“ Löwen und den „kleinen“ Bayern an. Sport 1 widmete dem Spiel heute auf seiner Website ein einminütiges Video. Wie der Beitrag jedoch präsentiert wird, kann man getrost als Panik- und Stimmungsmache bezeichnen.

    Dort wird in der Überschrift „Pyro, Panik, brennende Fahnen“ getitelt. Im ersten Moment suggeriert dies, dass es im alten Sechziger Stadion aufgrund des Einsatzes von Pyrotechnik zu einer Panik gekommen sein muss. Bei den Worten „brennende Fahnen“ schießen auch unweigerlich die Bilder vom Derby in Belgrad am vergangenen Wochenende wieder in den Kopf. Dort waren mehrere meterhohe Lagerfeuer in den Fanblöcken zu sehen. Bilder, die man hierzulande überhaupt nicht haben muss.

    Erst beim näheren Hinschauen und sichten des Berichts bekommt man Aufklärung. So wird klar, dass die Panik mitnichten im Stadion stattgefunden hat, sondern im Eingangsbereich während des Einlasses. Weil von den Verantwortlichen keiner mit dem Ansturm so vieler Zuschauer gerechnet hatte, standen bis kurz vor Anpfiff noch hunderte Bayernfans vor dem Eingang. Daraufhin kam es zu Drängeleien, woraufhin es zu einer Panik unter den Bayernfans gekommen war. Somit wurde das Spiel erst Fünfzehn Minuten später angepfiffen. Die Panik hatte also nichts mit der Pyrotechnik zu tun.

    Ebenso wird erst mit Ende des Berichts klar, dass es dort nicht zu massenweise brennenden Fahnen gekommen ist, sondern dass ein einzelner Fan eine kleine Bayern-Fahne verbrannt hatte. Dass man diesem Vollpfosten jeglichen Verstand absprechen muss, in einem vollen Block eine Fahne zu verbrennen wegen der Verletzungsgefahr, muss man nicht weiter diskutieren. Auch dass der Einsatz von Pyrotechnik in der ganzen Sicherheitsdiskussion null weiter hilft, steht ebenfalls außer Frage. Das soll hier auch nicht beschönigt werden.

    Wie aber in diesem Fall bewusst Stimmung in eine Richtung gemacht wird, indem man schnell auf den Zug aufspringt und mit Schlagzeilen die Diskussionen weiter anheizt, ist ein Unding. Es wird vom Portal bewusst falsch informiert, bzw. werden Bilder suggeriert, die den gemeinen Fußballfan erneut als unverbesserlichen Chaoten, Schwerverbrecher und Randalierer zeigen. Wie es besser geht, zeigt der kicker, der das Ganze nüchtern und ohne schlagzeilenträchtige Vokabeln wiedergibt. Dort wird sich aufs sportliche beschränkt mit dem Zusatz, das Bengalos und Pyro zum Einsatz kam, sowie 19 Festnahmen. Warum nicht auch einfach so, Sport1?

     
  • Marc Fischer

    Marc Fischer 2:21 pm am October 31, 2013 Permalink | Antwort
    Tags: Aachen, Braunschweig, , Duisburg, Nordpark, Sport1,   

    Wandlung 

    Wer ist schuld? Ist es die Presse? Sind es die Hooligans? Sind es die neuen/alten Rechtsradikalen in den Fankurven? Sind es gar die Ultras am Ende selbst? In der öffentlichen Wahrnehmung findet zurzeit auf jeden Fall eine Metamorphose statt.

    Die Ultrakultur war über die letzten Jahre geprägt von unpolitischem Vorsingen, damit beschäftigt mal schöne und mal weniger schöne Choreographien in den Kurven auf die Beine zu stellen und sich bei brisanten Themen wie etwa „Rassismus in der Kurve“ damit zu begnügen, man sei unpolitisch und Fußball habe mit Politik nichts zu tun.

    Bereits zu Anfang des Jahres gab es erste Entwicklungen von Rassisten gegen Ultras

    Seit geraumer Zeit scheint sich dies nun zu ändern. Die Ultras werden in deutschen Stadien immer mehr zur Zielscheibe. Vorrangig von Alt-Hools, die ihre Felle in ihren Geltungsbereichen immer weiter wegschwimmen sehen. Und neuerdings auch von Rechtsradikalen, die sich mit den Hooligans aus vergangener Zeit solidarisieren. Wohl weil sie den Einfluss sehen, den die Ultras auf die neu heranwachsenden jungen Fans in den Kurven haben.

    Die Unverbesserlichen und Ewiggestrigen, die Fußball nach wie vor archaisch betrachten und einen schwulen Fußballer nicht als vollwertigen Kicker ansehen können, machen sich wieder verstärkt bemerkbar. Vompunkt wies schon Anfang des Jahres daraufhin, wie beispielsweise die Aachener Ultras von der rechtsoffenen Karlsbande aus dem Stadion vertrieben wurden. In den letzten Wochen hat sich gleiches oder ähnliches in Braunschweig bzw. Duisburg zugetragen.

    Die Braunschweiger Ultragruppe UB01 wurde im Mönchengladbacher Nordpark geradezu aus dem Gästeblock geprügelt von einer Gruppe Rechtsradikaler und Alt-Hools. In Saarbrücken wurden nach der Drittligapartie Mitglieder der Duisburger Ultragruppierung „Kohorte“ von Hooligans verprügelt, weil sie während des Spiels mit einem selbstgemachten Banner auf die Verhältnisse in Braunschweig aufmerksam gemacht haben.

    Wo bleibt der Aufschrei in den Medien?

    Plötzlich werden die sonst so unpolitischen Ultras zur Zielscheibe von mittlerweile nicht mehr unerheblich wenigen unverbesserlichen Schlägern. Jetzt sind die Ultras gar nicht mehr so unpolitisch und stehen doch gegen Homophobie und Fremdenhass ein. Die Entwicklung der Ultras ist absolut zu begrüßen. Zeigt sie doch, dass weit mehr Verstand als das bloße Runterbeten unpolitischer Statements in den Köpfen steckt und ein starkes Bewusstsein für derzeitige Probleme in den Kurven da ist.

    Die Signalwirkung, die nun aber vor allem in Braunschweig vor wenigen Tagen ausging, indem man der doch nicht so unpolitischen Ultragruppe UB01 kurzerhand sagte, sie sei im Stadion unerwünscht, wird wohl auch dazu geführt haben, das Duisburger Ultras nur wenige Tage später einen Spießrutenlauf durch Saarbrücken zu absolvieren hatten.

    Traurigerweise schaffen es die größten Medien des Fußballs, die Sportschau in der ARD sowie die Sportreportage im ZDF oder auch Sport1 mit all seinen Bundesligatalks es nicht, das Thema auf die Agenda zu bringen. Einerseits, um die Vereine vielleicht auch so durch die breite Öffentlichkeit ein wenig mehr unter Zugzwang zu bringen. Andererseits, um mehr vernünftige Fans und Zuschauer zu sensibilisieren und den Nazis und Schlägern in den Kurven noch mehr die Grundlage zu entziehen.

    Die Vereine können mit der Situation überhaupt nicht umgehen

    Ultras sollen und dürfen in der heutigen Zeit bei der Tragweite, die sie in Deutschland inzwischen haben, nicht unpolitisch sein. Das sind sie in Italien auch nicht und nie gewesen, siehe AS Livorno Calcio. Ebenso wenig wie in Ägypten, wo die Ultras des Vereins Al-Ahly Kairo an der Revolution in Ägypten 2011 beteiligt waren. Oder auch die Ultras aller Istanbuler Vereine, die bei den Unruhen am Tahrir-Platz Stellung bezogen und sich mit den Protestlern solidarisierten.

    Wenn sie allerdings von den Vereinen so dermaßen im Stich gelassen werden und wie im Falle von Braunschweig sogar als unerwünscht im Stadion betrachtet werden, muss man sich ernsthaft fragen, ob die Vorstände und Verantwortlichen der Vereine noch alle Latten am Zaun haben.

    So bleibt nämlich lediglich eine große Diskrepanz zurück. Der DFB wirbt mit Slogans und Einspielern vor Länderspielen gegen Ausländerfeindlichkeit, gegen Homophobie etc. Wird dies allerdings von den gemeinen Fußballfans, die sich in ihren Vereinen und Fankurven engagieren, aufgenommen, werden diese kläglich sträflich von den Vereinen im Stich gelassen und sogar noch freundlich zum Ausgang gebeten. Willkommen in der Steinzeit.  Arbeitsauftrag nicht verstanden!

     
    • christian ploenzke 4:20 pm am November 14, 2013 Permalink | Antwort

      hallo,

      guter tenor im komentar, aber inhaltlich leider nicht alles so korekt.

      mfg christian

      • Marc Fischer

        Vompunkt 2:58 pm am November 15, 2013 Permalink | Antwort

        Hallo Christian,
        was ist denn inhaltlich falsch? Dann werde ich das natürlich umgehend im Artikel richtig stellen.

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