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  • Marc Fischer

    Marc Fischer 2:21 pm am October 31, 2013 Permalink | Antwort
    Tags: Aachen, Braunschweig, , Duisburg, Nordpark, , Ultras   

    Wandlung 

    Wer ist schuld? Ist es die Presse? Sind es die Hooligans? Sind es die neuen/alten Rechtsradikalen in den Fankurven? Sind es gar die Ultras am Ende selbst? In der öffentlichen Wahrnehmung findet zurzeit auf jeden Fall eine Metamorphose statt.

    Die Ultrakultur war über die letzten Jahre geprägt von unpolitischem Vorsingen, damit beschäftigt mal schöne und mal weniger schöne Choreographien in den Kurven auf die Beine zu stellen und sich bei brisanten Themen wie etwa „Rassismus in der Kurve“ damit zu begnügen, man sei unpolitisch und Fußball habe mit Politik nichts zu tun.

    Bereits zu Anfang des Jahres gab es erste Entwicklungen von Rassisten gegen Ultras

    Seit geraumer Zeit scheint sich dies nun zu ändern. Die Ultras werden in deutschen Stadien immer mehr zur Zielscheibe. Vorrangig von Alt-Hools, die ihre Felle in ihren Geltungsbereichen immer weiter wegschwimmen sehen. Und neuerdings auch von Rechtsradikalen, die sich mit den Hooligans aus vergangener Zeit solidarisieren. Wohl weil sie den Einfluss sehen, den die Ultras auf die neu heranwachsenden jungen Fans in den Kurven haben.

    Die Unverbesserlichen und Ewiggestrigen, die Fußball nach wie vor archaisch betrachten und einen schwulen Fußballer nicht als vollwertigen Kicker ansehen können, machen sich wieder verstärkt bemerkbar. Vompunkt wies schon Anfang des Jahres daraufhin, wie beispielsweise die Aachener Ultras von der rechtsoffenen Karlsbande aus dem Stadion vertrieben wurden. In den letzten Wochen hat sich gleiches oder ähnliches in Braunschweig bzw. Duisburg zugetragen.

    Die Braunschweiger Ultragruppe UB01 wurde im Mönchengladbacher Nordpark geradezu aus dem Gästeblock geprügelt von einer Gruppe Rechtsradikaler und Alt-Hools. In Saarbrücken wurden nach der Drittligapartie Mitglieder der Duisburger Ultragruppierung „Kohorte“ von Hooligans verprügelt, weil sie während des Spiels mit einem selbstgemachten Banner auf die Verhältnisse in Braunschweig aufmerksam gemacht haben.

    Wo bleibt der Aufschrei in den Medien?

    Plötzlich werden die sonst so unpolitischen Ultras zur Zielscheibe von mittlerweile nicht mehr unerheblich wenigen unverbesserlichen Schlägern. Jetzt sind die Ultras gar nicht mehr so unpolitisch und stehen doch gegen Homophobie und Fremdenhass ein. Die Entwicklung der Ultras ist absolut zu begrüßen. Zeigt sie doch, dass weit mehr Verstand als das bloße Runterbeten unpolitischer Statements in den Köpfen steckt und ein starkes Bewusstsein für derzeitige Probleme in den Kurven da ist.

    Die Signalwirkung, die nun aber vor allem in Braunschweig vor wenigen Tagen ausging, indem man der doch nicht so unpolitischen Ultragruppe UB01 kurzerhand sagte, sie sei im Stadion unerwünscht, wird wohl auch dazu geführt haben, das Duisburger Ultras nur wenige Tage später einen Spießrutenlauf durch Saarbrücken zu absolvieren hatten.

    Traurigerweise schaffen es die größten Medien des Fußballs, die Sportschau in der ARD sowie die Sportreportage im ZDF oder auch Sport1 mit all seinen Bundesligatalks es nicht, das Thema auf die Agenda zu bringen. Einerseits, um die Vereine vielleicht auch so durch die breite Öffentlichkeit ein wenig mehr unter Zugzwang zu bringen. Andererseits, um mehr vernünftige Fans und Zuschauer zu sensibilisieren und den Nazis und Schlägern in den Kurven noch mehr die Grundlage zu entziehen.

    Die Vereine können mit der Situation überhaupt nicht umgehen

    Ultras sollen und dürfen in der heutigen Zeit bei der Tragweite, die sie in Deutschland inzwischen haben, nicht unpolitisch sein. Das sind sie in Italien auch nicht und nie gewesen, siehe AS Livorno Calcio. Ebenso wenig wie in Ägypten, wo die Ultras des Vereins Al-Ahly Kairo an der Revolution in Ägypten 2011 beteiligt waren. Oder auch die Ultras aller Istanbuler Vereine, die bei den Unruhen am Tahrir-Platz Stellung bezogen und sich mit den Protestlern solidarisierten.

    Wenn sie allerdings von den Vereinen so dermaßen im Stich gelassen werden und wie im Falle von Braunschweig sogar als unerwünscht im Stadion betrachtet werden, muss man sich ernsthaft fragen, ob die Vorstände und Verantwortlichen der Vereine noch alle Latten am Zaun haben.

    So bleibt nämlich lediglich eine große Diskrepanz zurück. Der DFB wirbt mit Slogans und Einspielern vor Länderspielen gegen Ausländerfeindlichkeit, gegen Homophobie etc. Wird dies allerdings von den gemeinen Fußballfans, die sich in ihren Vereinen und Fankurven engagieren, aufgenommen, werden diese kläglich sträflich von den Vereinen im Stich gelassen und sogar noch freundlich zum Ausgang gebeten. Willkommen in der Steinzeit.  Arbeitsauftrag nicht verstanden!

     
    • christian ploenzke 4:20 pm am November 14, 2013 Permalink | Antwort

      hallo,

      guter tenor im komentar, aber inhaltlich leider nicht alles so korekt.

      mfg christian

      • Marc Fischer

        Vompunkt 2:58 pm am November 15, 2013 Permalink | Antwort

        Hallo Christian,
        was ist denn inhaltlich falsch? Dann werde ich das natürlich umgehend im Artikel richtig stellen.

  • Marc Fischer

    Marc Fischer 11:12 am am January 14, 2013 Permalink | Antwort
    Tags: Ultras   

    Auflösung der Ultras ACU 

    Am 13. Januar wurde bekannt, dass sich die Aachener Ultras (ACU) auflösen, weil sie die Drangsalierungen und Feindseligkeiten der rechtsoffenen Karlsbande, ebenfalls ein Fanclub der Alemannia, nicht länger über sich ergehen lassen wollen.

    Was sich in Aachen derzeit ereignet, sollte sich nicht bloß wieder in blanker Polemik seitens der Verbandsoberen und der Betroffenen niederschlagen. Was in Aachen gerade passiert, dass es eine Gruppierung von Nazis unter dem Deckmantel eines Fußballfanclubs schafft, ein ganzes Stadion und einen ganzen Club zu „terrorisieren“, wirft ein neues Licht auf die Debatte der Rechtsunterwanderung der Fans in deutschen Kurven.

    Das Rechte, in diesem Fall die Karlsbande, sich gegen Linke ausrichten und positionieren, hier die ACU, ist an und für sich nichts Neues. Aber das Resultat dieses Mal birgt in meinen Augen besonderen Sprengstoff. Es geht hier gar nicht um den Standpunkt rechts gegen links oder umgekehrt. Das Problem hier offenbart viel tiefer liegende Probleme. Dass eine Gruppe von ca. 20-30 Mann wie die Karlsbande es schafft, eine gesamte Kurve unterschwellig dermaßen zu terrorisieren, dass sich niemand offen traut, dagegen vorzugehen, ist eigentlich schon die größte Unmöglichkeit. Das zu toppen, schafft aber scheinbar nur noch der Vorstand der Alemannia, der sich mit fragwürdigen Worthülsen zu dem Vorfall in der Presse präsentiert. Mit „Politik und Religion gehört nicht in die Kurve“ macht man es sich nicht nur sehr einfach, nein, man verschließt einfach die Augen vor dem Problem. Es ist, als würde man mit einem Dreijährigen Verstecken spielen, der sich in die Ecke stellt und die Hände vor das Gesicht schlägt. Nach dem Motto „Was ich nicht sehe, sieht mich auch nicht“.

    Das hier ein offizieller Ultraclub aus dem eigenen Stadion von brutalen Schlägern mit Nazihintergrund gemobbt wird und der Club dabei noch zusieht und scheinbar zu viel Angst davor hat, sich dem Thema anzunehmen, zeigt eine ganz böse schleichende Tendenz auf. Dabei stellt sich mir mehr und mehr die Frage, wie es denn in der heutigen Zeit um die eigene Zivilcourage steht.

    Schaffen es 10.000 Zuschauer nicht, einem Pulk von 30 Leuten strikt klar zu machen, dass dieser Pulk nicht nur unerwünscht ist, sondern dass das Denkschema zudem Höhlenmenschenmentalität offenbart? Schaffen es nicht Tausende von Leuten in einer Kurve, einer sehr geringen kleinen Minderheit zu sagen, dass niemand ihre menschenverachtenden Kommentare nicht nur für überflüssig hält, sondern dass Diese auch von unglaublicher Dummheit zeugen?
    Welche Frage dabei auch immer größer wird: Wie kann es sein, das gleichzeitig soviele Menschen wegschauen, oder sich gar solidarisieren mit einer solchen Nazibande? Es scheint wieder zum Problem zu werden, für Menschenrechte und Gleichheit einzustehen, und dabei offen zu sagen und zu zeigen, dass man gegen Nazis ist. Auch und vor allem scheinbar in der Kurve…

     
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