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  • Marc Fischer

    Marc Fischer 11:06 pm am June 10, 2014 Permalink | Antwort
    Tags: England, Gruppe D, Luis Suarez, , Roy Hodgson, Vorrunde   

    England nach der Vorrunde ausgeschieden 

    Das Mutterland des Fußballs erlebt in Brasilien eine herbe Schlappe. In einer Gruppe mit Italien, Uruguay und Costa Rica schafft es das Team von Roy Hodgson nicht über die Vorrunde hinaus. Am italienischen Catenaccio von Barzagli, Bonucci, Chiellini und Abate beißen sich Rooney und Co. die Zähne aus. Luis Suárez dagegen zeigt, warum er Spieler des Jahres in England und der Premier League geworden ist. Auch Edinson Cavani beweist, dass er zu Unrecht im Schatten von Zlatan steht und unterstreicht, dass er ein Killer vor dem Tor ist. Costa Ricas Trainer Jorge Luis Pinto nutzt mit seinem Team die Underdog-Rolle aus und trumpft gegen die Three Lions groß auf. Wenigstens hat es für England etwas Positives: Man muss sich nicht erneut in einem Elfmeterschießen vorführen lassen.

    Update 23.06.14
    Die schwärzesten Vorahnungen und negativsten Befürchtungen für das englische Team um Roy Hodgson haben sich bewahrheitet. Mit seiner weisen Voraussicht hat das Peirakel punktgenau schon zu Beginn der Weltmeisterschaft das Scheitern vorhergesagt, weswegen es nun auch verdutzt ist, weil die komplette Fußballwelt überrascht zu sein scheint. Gegen Italien zeigten die „Three Lions“ noch eine sehr ansprechende Leistung, so dass man im ersten Gruppenspiel von einer unglücklichen Niederlage in einem Spiel zweier spielstarker Teams sprechen musste. Gegen Uruguay war es dann tatsächlich Luis Suárez, der den englischen Fußballfans noch einmal bewies, warum er Spieler der Saison in der Premier League wurde. Durch die beiden Niederlagen ist England somit bereits vor dem dritten Spieltag in Gruppe D ausgeschieden und hat keine Chance mehr auf ein Weiterkommen.

     
  • Marc Fischer

    Marc Fischer 10:53 pm am June 10, 2014 Permalink | Antwort
    Tags: Gruppe G, Klinsmann, USA, Vorrunde,   

    USA 

    Das deutsche Team bekommt es bei der Weltmeisterschaft in Brasilien in der Vorrunde durchweg mit alten Bekannten zu tun. Ein Selbstläufer wird die Gruppe G deshalb aber noch lange nicht. Was Portugal, Ghana und die USA so zu bieten haben, wer alles mit nach Brasilien darf und wie die Statistiken gegen diese Auswahlteams aussehen, haben wir für euch genauer unter die Lupe genommen.

    Wie sich das anhören mag, wenn Jürgen Klinsmann eine Rede von wegen „durch die Wand hauen“ und „Brust raus“ auf Englisch hält, ist leider nicht verbrieft. Seit dem Sommermärchen von 2006 weiß aber jeder deutsche Fußballfan, dass Klinsi ein unglaublicher Motivator ist und es versteht, seine Spieler zu erreichen. Für die Aufgabe in Brasilien stehen ihm einige Legionäre zur Verfügung, die die deutsche und europäische Spielweise kennen.

    Klinsmann richtet den US-Fußball neu aus

    Inwiefern Klinsi es schafft, die Spieler, welche er nur alle paar Wochen um sich hat, auch heute jeden Tag ein bisschen besser zu machen, ist nicht geklärt. Allerdings reist er mit einem gewonnen Titel im Gepäck an den Zuckerhut. Im Juli 2013 gewann er mit der amerikanischen Auswahl den CONCACAF Gold Cup, das Pendant zur Europameisterschaft, auf dem nordamerikanischen Kontinent. Im Finale besiegten die Vereinigten Staaten Panama mit 1:0 und Klinsmann holte seinen ersten Pokal als Trainer.

    Zwei Jahre zuvor beerbte er im Juli Bob Bradley, den Vater von Michael Bradley (AS Rom, Borussia Mönchengladbach), als Trainer. Bereits kurze Zeit nach seinem Amtsantritt ließ er verlauten, dass er die Spielweise der Vereinigten Staaten an den europäischen Topteams orientieren wolle. Hierfür hielt er gezielt Ausschau nach Spielern, die zwar die amerikanische Staatsbürgerschaft besitzen, im Ausland jedoch aufgewachsen sind und dort Fußball spielen gelernt haben. Die Presse taufte diese Spieler seinerzeit „Militärkinder“, da die Eltern dieser Kicker aufgrund militärischer Stationierungen nicht in den USA weilten und deren Kinder somit eben in anderen Ländern aufgewachsen sind.

    Bekannte Gesichter im Trainerteam und ein aufwendiger Qualifikationsmodus

    In seinen 50 Spielen, die Klinsmann mittlerweile für die USA an der Seitenlinie stand, holte er 31 Siege, 8 Remis und 11 Niederlagen. Schon vor Jahresfrist verlängerte er seinen Vertrag beim amerikanischen Verband bis 2018 und bekam gleichzeitig eine neue Rolle, künftig fungiert er als Technischer Direktor. Seinem Trainer-Team gehört nach wie vor der Fitnesstrainer Mark Verstegen an, der auch die deutsche Nationalmannschaft 2006 auf Vordermann brachte. Ein anderer Kandidat im Team von Klinsmann hat sich soeben aus unserer „Was macht eigentlich…“-Liste verabschiedet. Der Österreicher Andreas Herzog, ehemals Werder Bremen und Feingeist im Spiel von Otto Rehhagel, ist neben Martin Vasquez Co-Trainer im US-Team. Torwarttrainer Chris Woods war englischer Nationalkeeper und vertrat die Three Lions als Nummer 1 bei der Europameisterschaft 1992 in Schweden und war vor einigen Jahren zwischenzeitlich Torwarttrainer beim FC Everton.

    Der Qualifikationsmodus des Verbandes CONCACAF gestattete es dem Weltranglisten-13., erst in der dritten von vier Qualifikations-Runden einsteigen zu müssen. Da die USA zu einer der topgesetzten Mannschaften in dem aus 35 Teams bestehenden Feld in Nord- und Mittelamerika gehören, beginnt die Qualifikation für die USA generell erst in Runde drei, während sich vorher Fußballgrößen wie Aruba, die Bahamas oder auch Barbados und die Cayman Islands darum prügeln dürfen, wer sich denn von Mexico, den USA und Costa Rica gerne auch mal zweistellig abschießen lassen darf.

    Ungefährdet nach Brasilien

    Ganz ohne Punktverlust und Dramatik verlief es dann aber nicht für die Vereinigten Staaten in Gruppe A der dritten Runde. Vor allem Jamaika machte den US-Boys das Leben schwer und besiegte den scheinbar übermächtigen Gegner daheim in Kingston mit 2:1. Das Rückspiel in Columbus (Ohio) gewann Klinsis Team aber durch einen Treffer von Herculez Gomez mit 1:0 und war somit praktisch für die vierte und letzte Runde qualifiziert, hießen die beiden anderen Gegner in der Gruppe doch Guatemala sowie Antigua und Barbuda. Zwar gelang auch Guatemala daheim ein Unentschieden gegen die USA, das Team schied jedoch gegenüber dem punktgleichen Jamaika aufgrund der schlechteren Tordifferenz aus.

    In der vierten Runde war es das erwartet schwere Programm mit Mexiko, Costa Rica, Honduras, dem letztjährigen Gold-Cup-Finalisten Panama und Vorrundenbezwinger Jamaika. Letztlich war die endgültige Qualifikation zur WM-Endrunde aber nie wirklich gefährdet, wovon ein souveräner erster Platz in der Gruppe und nur zwei Niederlagen in 10 Spielen zeugen.

    Der drittbeste Torwart der Premier League und ein Rekordabwehrspieler

    Der Kader, welchen Jürgen Klinsmann zur Weltmeisterschaft berief, dürfte vielen Fußballfans hierzulande relativ geläufig sein, sind doch viele bekannte Namen im Team der USA. Tim Howard ist so einer. Der Schlussmann vom FC Everton ist die unangefochtene Nummer 1 zwischen den Pfosten. In der Premier League belegte er am Ende der Saison mit seinem Team den 5. Platz und hatte die drittwenigsten Gegentreffer zu verzeichnen. Nur Joe Hart von Manchester City und Petr Cech von FC Chelsea kassierten weniger Tore. Als Ersatz berief Klinsmann Brad Guzan vom Ligakonkurrenten Aston Villa und Nick Rimando vom amerikanischen Club Real Salt Lake aus Salt Lake City.

    Abwehrspieler und Altstar DaMarcus Beasley erlebt in Brasilien inzwischen seine vierte WM und ist ebenfalls ein europäisch erfahrener Akteur. Nach jahrelangen Engagements beim PSV Eindhoven, Manchester City und den Glasgow Rangers stand er von 2010 bis 2011 bei Hannover 96 unter Vertrag, absolvierte für die Niedersachsen aber lediglich vier Spiele und zog weiter zum mexikanischen Club Puebla FC, für den er auch heute noch tätig ist. Nachdem Landon Donovan von Klinsi öffentlich abgesägt wurde („Was soll ich sagen? Dass er gut war? Er war nicht so gut, auf keinen Fall.“), ist Beasley mit 116 Einsätzen in der Nationalmannschaft der erfahrenste Akteur des US-Teams.

    Europäische Legionäre und viel Bundesliga-Erfahrung

    Weniger internationale Erfahrung, dafür bekannt mit deutschen Tugenden sind die drei Verteidiger, die Klinsmann aus der Bundesliga nominiert hat. John Anthony Brooks von Hertha BSC, Fabian Johnson von der TSG Hoffenheim und Timothy Chandler vom 1. FC Nürnberg dürfen zum ersten Mal WM-Luft schnuppern. Mit Geoff Cameron von Stoke City gibt es einen weiteren Defensivspezialisten, der in Europa aktiv ist. Matt Bessler, Omar Gonzàlez und DeAndre Yedlin hingegen verdienen ihr Geld in den Staaten.

    Im Mittelfeld spielen mit Jermaine Jones und Michael Bradley zwei weitere alte Bekannte aus der Bundesliga. Bradley, der bei den Fohlen aus Mönchengladbach während seiner drei Jahre nie so recht glücklich wurde, avancierte für die Roma in der Serie A in den letzten zwei Jahren zu einem wichtigen Stützpfeiler, verließ den Hauptstadtclub aber nach der letzten Saison und heuerte beim kanadischen MLS-Club Toronto FC an. Jermaine Jones, der Bad Boy vor dem Bad Boy beim FC Schalke, spielt inzwischen bei Beşiktaş Istanbul in der Türkei und hat, ebenso wie Kevin-Prince Boateng, eine ganz eigene Beziehung zur deutschen Nationalmannschaft und zu Joachim Löw.

    Mit viel Erfahrung und Klasse im Angriff

    Ganz besonders interessieren dürfte die deutschen Fans auch der Auftritt von Julian Green, auf den Klinsmann große Stücke hält. Das Juwel vom FC Bayern spielte bisher nur für die Amateurmannschaft des deutschen Rekordmeisters, allerdings eilt ihm der Ruf seines Talents voraus. Alejandro Bedoya vom FC Nantes und Mikkel Diskerud von Rosenborg Trondheim sind zwei weitere Legionäre, die ihr Geld in Europa verdienen. Graham Zusi, Brad Davis und Kyle Beckerman spielen derweil in den Staaten, haben aber schon eine stattliche Anzahl von Spielen im Nationaltrikot der USA absolviert.

    Im Sturm dürfte Klinsi vor allem auf die Dienste von Jozy Altidore vom AFC Sunderland und Clint Dempsey von den Seattle Sounders vertrauen. Für Altidore ist es nach Südafrika die zweite Teilnahme bei einer Weltmeisterschaft, für Dempsey nach 2006 und 2010 gar die dritte. Altidore erlebte seine beste Zeit während der beiden Jahre beim niederländischen Ehrendivisionär AZ Alkmaar, wo er von 2011 bis 2013 in zwei Spielzeiten 39 Tore in 67 Partien erzielte. Zuvor wurde Altidore jedoch wie ein Wanderpokal durch die eurpäischen Ligen gereicht und kann Erfahrungen in der Primera División, der englischen Premier League, der türkischen Süper Lig und der niederländischen Eredivisie vorweisen. Seit 2013 ist er in England beim AFC Sunderland angestellt. Dort gelang ihm aber in 31 Spielen lediglich ein Treffer. Für die USA erzielte er in 70 Spielen 23 Tore.

    Zwei Tormaschinen als Ersatz

    Im Gegensatz zu Altidore kann Clint Dempsey auf eine lange wie erfolgreiche Karriere in der Premier League zurückblicken. 2007 kam er zum FC Fulham und erzielte für den Club aus dem Südwesten Londons in 184 Spielen 50 Tore. 2012 wechselte er für eine Spielzeit nach Tottenham, ehe er zurück in die Staaten ging. Von Seattle ließ er sich während der Pause der MLS für zwei Monate nochmals zum FC Fulham verleihen, in denen ihm in fünf Spielen ein weiterer Treffer in der Premier League jedoch verwehrt blieb. Mit seinen 37 Toren in 105 Spielen im Trikot der Nationalmannschaft der USA ist Dempsey der derzeit erfolgreichste Torschütze der US-Boys.

    Als weitere Stürmer nominierte Klinsmann Aron Jóhannsson vom AZ Alkmaar und Chris Wondolowski von den San José Earthquakes. Während Jóhannsson neben dem amerikanischen auch einen isländischen Pass besitzt und drittbester Torschütze der vergangenen Saison in den Niederlanden mit 17 Treffern war, ist Chris Wondolowski so etwas wie der Superstar der San José Earthquakes. Seit 2009 spielt Wondolowski schon in Kalifornien und erzielte dort für die Earthquakes in 147 Spielen 81 Tore.

    Die schwarze Ära „Ribbeck“ und wichtige WM-Siege

    In der Historie gegen die USA gab es bisher nur Hopp oder Top. Insgesamt neunmal standen sich die DFB-Auswahl und die US-amerikanische Mannschaft gegenüber. Sechsmal behielt das deutsche Team dabei die Oberhand, drei Spiele gingen verloren. Zwei der drei Spiele unterlag man sogar im selben Jahr. Erst verlor das Team von Erich Ribbeck ein Freundschaftsspiel im Februar 1999 mit 3:0, im Sommer selben Jahres gab es im Confed-Cup eine 2:0 Niederlage.

    In einer Weltmeisterschaft standen sich beide Mannschaften bereits zweimal gegenüber. Bei der WM in Frankreich 1998 traf man in der Gruppe F auf die USA, welche durch die Tore von Andreas Möller und Jürgen Klinsmann mit 2:0 bezwungen wurden. Vier Jahre später bei der Weltmeisterschaft in Japan und Südkorea traf man erneut auf die USA, dieses Mal jedoch im Viertelfinale. Das Tor von Michael Ballack besiegelte damals den Einzug ins Halbfinale und das Aus der Vereinigten Staaten.

    Slapstick, besondere Umstände und Drucksituationen

    Das letzte Freundschaftsspiel im Sommer vor einem Jahr dürfte vielen Fußball- und vor allem Gladbachfans noch in guter Erinnerung sein. 4:3 gewannen die Nordamerikaner vor eigenem Publikum in Washington DC, wobei der damalige deutsche Torhüter Marc-André ter Stegen mit einem Slapstick-Eigentor für Furore sorgte. Jedoch war das Spiel ein einziges großes Experiment, in dem Joachim Löw vor allem Spieler testete, denen er eine Perspektive im Team der Nationalelf bieten wollte.

    Nimmt man generell die Qualität der einzelnen Spieler zum Maßstab, so ist ein qualitativer Unterschied durchaus zu entdecken. Um es hart zu formulieren: Ein Timothy Chandler steigt mit Nürnberg nicht umsonst ab, und ein Götze wird nicht so ohne weiteres mit dem FC Bayern deutscher Meister. Und ein Fabian Johnson spielt nicht umsonst in einer der löchrigsten Abwehrketten in der Bundesliga, während Mats Hummels gegen Real Madrid spielte.

    Allerdings weiß man um Jürgen Klinsmann und seine Begabung für die richtigen Worte. Zudem haben ein Dempsey, Altidore und Bradley ebenfalls ihre Qualitäten bewiesen. Rein vom Papier her ist die deutsche Mannschaft klar favorisiert. Allerdings spielen die klimatischen Bedingungen, Umstände wie kurzfristige Verletzungen und Tagesform bei diesem Duell eine große Rolle. Da es zusätzlich das dritte von drei Vorrundenspielen ist, könnte bei entsprechenden Ergebnissen eine besondere Dramatik entstehen, wo sich auch zeigen muss, wer dem Druck standhalten kann. Ebenso könnte aber auch zu diesem Zeitpunkt schon alles entschieden sein, so dass sich das Spiel der beiden ehemaligen Weggefährten Löw und Klinsmann zu einem Freundschaftskick unter WM-Bedingungen entwickeln kann.

    Anmerkung:
    Sämtliche Daten und Statistiken in diesem Artikel beinhalten nicht die bereits absolvierten Spiele bei der Weltmeisterschaft in Brasilien.

     
  • Marc Fischer

    Marc Fischer 11:31 am am June 10, 2014 Permalink | Antwort
    Tags: Ghana, James Appiah, , Vorrunde,   

    Ghana 

    Das deutsche Team bekommt es bei der Weltmeisterschaft in Brasilien in der Vorrunde durchweg mit alten Bekannten zu tun. Ein Selbstläufer wird die Gruppe G deshalb aber noch lange nicht. Was Portugal, Ghana und die USA so zu bieten haben, wer alles mit nach Brasilien darf und wie die Statistiken gegen diese Auswahlteams aussehen, haben wir für euch genauer unter die Lupe genommen.

    Das Aufeinandertreffen mit dem viermaligen Africa-Cup Gewinner verspricht ein Duell der beiden Boateng-Brüder und ein Wiedersehen mit den Black Stars nach 2010. Damals gewann das deutsche Team in einem zähen Spiel durch ein Tor von Mesut Özil. Heute sehen die Vorzeichen für das Spiel ein wenig anders aus.

    Der Weltranglisten-37. qualifizierte sich bereits im November vergangenen Jahres für die Endrunde in Brasilien. Der Modus des afrikanischen Verbandes CAF sah es vor, dass Ghana aufgrund der guten Platzierung in der Weltrangliste erst in der zweiten Qualifikationsrunde in die Gruppenphase einsteigen konnte. Dort holte man souverän den Gruppensieg vor Sambia, Lesotho und dem Sudan. In den entscheidenden Playoff-Begegnungen gegen Ägypten holte man bereits im Hinspiel in Kumasi einen 6:1 Kantersieg und machte damit eigentlich schon alles klar. Das Rückspiel in Kairo ging zwar mit 1:2 verloren, interessierte aber niemanden mehr.

    Viel Konstanz an der Seitenlinie

    Gerade mal sechs Spieler im heutigen Team der Afrikaner waren vor vier Jahren in Johannesburg beim Spiel gegen Deutschland und der WM dabei. Lediglich die beiden Verteidiger Samuel Inkoom und Jonathan Mensah, die Mittelfeldakteure Kwadwo Asamoah und Sulley Muntari, und die beiden Stürmer Kevin-Prince Boateng und Asamoah Gyan sind noch übrig geblieben im Kader von James Appiah. So etwas nennt man wohl eine Runderneuerung.

    Appiah war bereits von 1999 bis 2001 Co-Trainer Ghanas unter Cecil Jones Attuquayefio. 2008 begann seine zweite Amtszeit, in der er erst bis 2010 unter Milovan Rajevac, danach bis 2012 unter Goran Stevanović arbeitete. 2010 war er bereits für zwei Spiele Interimstrainer des A-Teams, ehe er 2011 mit der Leitung der U-23 Ghanas betreut wurde. Im April 2012 wurde er von der Ghana Football Association (GFA) schließlich als hauptamtlicher Trainer der A-Nationalmannschaft und als Nachfolger von Stevanović vorgestellt. Bei der Afrikameisterschaft in Südafrika im letzten Jahr wurde Ghana mit Appiah Vierter.

    Ein Mix aus großen Namen und unbekannten Stars

    Der Kader, den James Appiah zusammengestellt hat, sieht auf den ersten Blick aus wie ein wild zusammengewürfelter Haufen. Die Teams jedoch, für die die Spieler angestellt sind, lässt die Qualität der Black Stars ein wenig erahnen. Klangvolle Namen wie Juventus Turin (Kwadwo Asamoah), AC Mailand (Sulley Muntari) oder auch FC Parma (Afriyie Acquah) und Udinese Calcio (Emmanuel Agyemang-Badu) sind nur vier Mannschaften, die durch das Mittelfeld vertreten sind.

    Auch aus der französischen Ligue 1 kommt ein großer Teil der Spieler. Angreifer André „Dede“ Ayew von Olympique Marseille erreichte mit seinem Team Platz 6 zum Ende der Saison, während seine Sturmkollegen Jordan Ayew mit dem FC Sochaux und Abdul Majeed Waris mit Valenciennes den Gang in die zweite französische Liga antreten mussten. Die beiden Verteidiger John Boye (Stade Rennais FC) und Jonathan Mensah (FC Évian Thonon Gaillard) hingegen schafften mit ihren Teams den Klassenerhalt und dürfen sich auch nach der Weltmeisterschaft in Frankreichs höchster Spielklasse messen. Sturmstar und Kapitän Asamoah Gyan spielt seit 2011 mittlerweile beim arabischen Club Al Ain und schoss dort in 40 Spielen 52 Tore. Auch in der Qualifikation zur WM war Gyan mit sechs Treffern neben den beiden Ägyptern Mohamed Abo Treka und Mohamed Salah erfolgreichster Schütze.

    Ein Treffen unter Brüdern

    Mit von der Partie ist in diesem Jahr auch wieder Michael Essien. Der Mittelfeldspieler vom AC Mailand, der 2006 für Ghana bereits in der Endrunde in Deutschland dabei war, verpasste aufgrund einer langwierigen Knieverletzung die letzte Weltmeisterschaft in Südafrika. Damals musste er von der Couch aus den größten Verbandserfolg mit dem Viertelfinaleinzug gegen Uruguay verfolgen. Dieses Jahr wird er dem Team mit seinen strategischen Fähigkeiten wieder auf dem Platz helfen können.

    Ebenfalls im Aufgebot steht der in Berlin geborene Kevin-Prince Boateng. Der „Bad Boy“, der beim FC Schalke 04 den Leader gibt, wird somit auf seinen jüngeren Bruder Jérôme treffen und zeigen wollen, wer der bessere Fußballer von beiden ist. Nach markigen Sprüchen an Jogi Löws Teamzusammensetzung („Deutschland hat keine Typen und Charaktere, um mit diesem Druck umzugehen und die eine Mannschaft mitreißen können.“) und der Pinkelaffäre von Kevin Großkreutz („Früher wäre Großkreutz rausgeflogen!“) wird er darauf brennen, zu beweisen, dass seine Entscheidung für Ghana zu spielen, die richtige war.

    Historische Fouls und ein großes Selbstvertrauen

    Deutschland gegen Ghana, diese Begegnung gab es erst zweimal. Beide Spiele konnte das deutsche Team für sich entscheiden. Das erste Aufeinandertreffen datiert aus dem Jahre 1993, als man sich im Bochumer Ruhrstadion zu einem Freundschaftsspiel traf. Ghana ging kurz vor der Halbzeit durch seinen Stürmer Polley, der mit vollem Namen Prince Opoku Bismark Polley Sampene heißt, mit 1:0 in Führung. Nach der Pause drehte die Mannschaft von Berti Vogts jedoch auf und schenkte den Black Stars zwischen der 69. und der 88. Minute sechs Dinger ein. Zweimal Effenberg, zweimal Klinsi, einmal Möller und einmal Ulf Kirsten.

    Die zweite Begegnung war da schon weitaus knapper. Am 23.06.10 in Johannesburg war es ein strammer Linksschuss aus 18 Metern von Mesut Özil, der die Partie zu Gunsten der deutschen Mannschaft entschied. Allerdings war das Spiel auch aus dem Grunde brisant, weil es dort zum ersten Aufeinandertreffen zwischen den beiden Teams kam, nachdem Kevin-Prince Boateng, damals noch in Diensten des FC Portsmouth, Michael Ballack im Spiel gegen den FC Chelsea derart verletzte, dass dieser die WM in Südafrika absagen musste. Der Ausgang ist bekannt.

    2014 ist Ghana in der Gruppe G absoluter Außenseiter. Ein Weiterkommen gegen Portugal, die USA und Deutschland wäre eine riesige Überraschung. Nicht das die Black Stars dermaßen schlecht wären, aber die Konkurrenz mit Cristiano Ronaldo, Mesut Özil und Jozy Altidore ist einfach größer. Es ist kaum vorstellbar, dass die Viertelfinalteilnahme von 2010 zu wiederholen ist. Unterschätzen sollte man den Gegner aber trotzdem nicht. Das Selbstverständnis und das Selbstvertrauen nach den beiden letzten großen Turnieren dürfte in Ghana groß genug sein, um den Favoriten mindestens ein Bein stellen zu wollen.

     
  • Marc Fischer

    Marc Fischer 1:09 pm am June 9, 2014 Permalink | Antwort
    Tags: Brasilien 2014, , Portugal, Vorrunde,   

    Portugal 

    Das deutsche Team bekommt es bei der Weltmeisterschaft in Brasilien in der Vorrunde durchweg mit alten Bekannten zu tun. Ein Selbstläufer wird die Gruppe G deshalb aber noch lange nicht. Was Portugal, Ghana und die USA so zu bieten haben, wer alles mit nach Brasilien darf und wie die Statistiken gegen diese Auswahlteams aussehen, haben wir für euch genauer unter die Lupe genommen.

    Der erste Gegner der WM 2014 ist zugleich auch der erste Gegner der EM von 2012. Damals gewann die deutsche Mannschaft durch ein Kopfballtor von Mario Gomez mit 1:0. Der wird dieses Jahr aber nicht helfen können. Auf portugiesischer Seite ist es jedoch der gleiche Name, der nach wie vor alles überstrahlt: Cristiano Ronaldo. In der Primera División hat er mittlerweile mehr Tore geschossen, als Spiele absolviert. In der Champions League hat er in 103 Spielen 67 Treffer erzielt. In der portugiesischen Nationalmannschaft ist er inzwischen Rekordtorschütze mit 49 Hütten in 109 Partien.

    Ronaldo entscheidet Duell der Diven für sich

    Dass hinter Ronaldo jedoch vieles ist, was so gar nicht goldig ist und glänzt, bewies die Qualifikation von Portugal. Erst über die Playoffs qualifizierte sich das Team von Paulo Bento für die Endrunde. In der Qualifikationsgruppe F musste man Russland den Vorzug lassen, das am Ende einen Punkt mehr auf dem Konto hatte. Zwar wurde der zweite Platz durchaus ungefährdet ergattert, jedoch sah das in einer Gruppe mit Aserbaidschan, Nord-Irland und Luxemburg nicht immer souverän aus.

    Für das Playoff-Spiel zur endgültigen Qualifikation bekam Portugal es schließlich mit Schweden zu tun. Hier bewies das Team von der iberischen Halbinsel zum ersten Mal seine Klasse. Das Hinspiel in Lissabon entschied Ronaldo in der Schlussphase mit einem Kopfballtor zu Gunsten der Gastgeber, nachdem Bentos Team die Schweden in der zweiten Halbzeit an die Wand spielte. Das Rückspiel wurde ein Nervenkrieg, in dem sich Ibrahimovic und Ronaldo gegenseitig überboten. 2:3 hieß es am Ende in Solna, wobei Ronaldo die drei Treffer für Portugal, Ibrahimovic beide Treffer für Schweden erzielte.

    Bento vertraut auf die bewährten Kräfte

    Den Kern bei der diesjährigen Weltmeisterschaft bilden fast alle Spieler, die schon 2012 gegen Deutschland auf dem Platz standen. In den einzelnen Mannschaftsteilen tauschte Paulo Bento zwar hier und da ein oder zwei Spieler aus, die bekannten Namen sind aber nach wie vor dieselben. Durchaus möglich, dass Bento sogar exakt die Startelf ins Rennen schickt, die schon 2012 in Lwiw begonnen hat.

    Als Torhüter fahren der Europa League Sieger Beto vom FC Sevilla, Rui Patrício von Sporting Lissabon und Eduardo vom SC Braga, der mit 33 Spielen der Erfahrenste von allen Dreien ist, mit nach Brasilien. Mit Pepe und Fábio Coentrão stehen zwei Verteidiger in der Abwehrreihe, die vor wenigen Wochen mit Real Madrid die Champions League gewannen. Daneben gibt es mit Ricardo Costa, Bruno Alves und João Pereira erfahrene Haudegen, die teilweise schon jahrelang ihr Können in der Primera División unter Beweis stellen. Luís Neto und André Almeida sind das erste Mal bei einer WM dabei, durchliefen aber bereits mehrere Jugendnationalmannschaften in Portugal.

    Ein Wolf und ein ehemaliger Bremer stürmen in Brasilien für Portugal

    Das Mittelfeld ist nach wie vor geprägt von Raúl Meireles, Nani, João Moutinho und Miguel Veloso. Allerdings ist mit Rafa vom SC Braga und William Carvalho von Sporting Lissabon auch frisches sowie junges Blut dabei. Ruben Amorim vom Europa League Finalisten Benfica Lissabon hat zwar auch bereits elf Länderspiele absolviert, wird aber wohl mehr die Bank füllen.

    Beinahe unbemerkt schaffte es ein Stürmer aus der Bundesliga in das Aufgebot von Paulo Bento. Vieirinha vom VfL Wolfsburg wurde nicht wenig überraschend nominiert, fiel er doch fast die komplette Spielzeit mit einem Kreuzbandriss für den VW-Club aus. Am 6. Spieltag gegen Hoffenheim verletzte sich der Flügelstürmer und kam erst zum 30. Spieltag zurück. Erst im letzten Spiel der Saison gegen Borussia Mönchengladbach machte der Portugiese wieder ein Spiel von Anfang an. Das schien Bento wohl zu reichen und er nominierte ihn. Ein weiterer Bekannter aus der Bundesliga ist Hugo Almeida, der ebenfalls im Aufgebot steht. Silvestre Varela und Hélder Postiga standen bei der letzten Begegnung vor zwei Jahren auf dem Feld und Éder vom SC Braga bleibt wohl vorrangig der Platz neben Ruben Amorim.

    Knieprobleme und ein Hattrick zum Aus in der Vorrunde

    Und schließlich Cristiano Ronaldo. So sehr die Hoffnungen auf ihn ruhen, so sehr sorgt sich die Nation um seine Gesundheit. Anhaltende Knieprobleme lassen die portugiesischen Fans mehr und mehr nervös werden, ob ihr Superstar rechtzeitig zum Duell gegen Deutschland fit wird. Die Freundschaftsspiele, die als Vorbereitung auf das Turnier galten, musste der Stürmer von Real Madrid verletzungsbedingt absagen. Vielleicht waren es aber auch nur Vorsichtsmaßnahmen, um die Knie nach einer kräftezehrenden Saison etwas zu schonen und ihm ein wenig Ruhe vor dem eigentlichen Trubel zu gönnen.

    Die Geschichtsbücher verzeichnen mittlerweile 17 Aufeinandertreffen zwischen dem Weltranglisten-Vierten Portugal und dem Zweitplatzierten Deutschland. Neun Partien konnten aus deutscher Sicht siegreich gestaltet werden, fünf endeten Unentschieden. Nach lediglich drei Spielen verließ die deutsche Nationalmannschaft als Verlierer den Platz. Die letzte Niederlage ist bereits 14 Jahre her, dürfte aber vielen Fußballfans noch in schmerzhafter Erinnerung sein. Wer live dabei war, wurde Zeuge einer der schwärzesten Stunden des deutschen Fußballs. Es war am 20. Juni 2000, als Sergio Conceição dem Torwarttitanen Oliver Kahn drei Buden einschenkte und die deutsche Nationalmannschaft sang- und klanglos aus dem Turnier in Belgien und den Niederlanden nach der Vorrunde verabschiedete.

    Platz 3, Halbfinaleinzug und Gruppensieg

    Die letzten drei Spiele sind da schon in besserer Erinnerung. Bei der WM 2006 in Deutschland besiegte das Team von Jürgen Klinsmann die Portugiesen im Spiel um Platz 3 mit 3:1, was der versöhnliche wie verdiente Abschluss einer großartigen Leistung beim heimischen Turnier war und die neue Zeitrechnung einläutete. Beim darauf folgenden Turnier in Österreich und der Schweiz standen sich beide Mannschaften erneut gegenüber, dieses Mal im Viertelfinale. Die Tore von Bastian Schweinsteiger, Miroslav Klose und Michael Ballack entschieden dieses Spiel mit 3:2 zu Gunsten der deutschen Mannschaft. Das letzte Aufeinandertreffen in der Ukraine war eine spannende wie knappe Angelegenheit, in der das Team von Jogi Löw letztlich mit 1:0 die Oberhand behielt.

    Je länger eine Serie dauert, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese reißt. Die Serie, nicht gegen Portugal verloren zu haben, hält mittlerweile 14 Jahre. Sollte aber die deutsche Mannschaft annähernd in Bestbesetzung auftreten können und ihr normales Niveau erreichen, ist Portugal schlagbar. Dafür muss die Mannschaft aber zu Beginn des Turniers direkt auf den Punkt fit und sich ihrer Aufgabe bewusst sein und dieses Spiel von Beginn an mit dem notwendigen Ernst angehen.

    Man darf nicht darauf vertrauen, den Geist der Turniermannschaft erneut beschwören zu können und das erste Spiel erstmal locker angehen zu lassen. Ronaldo und Co. werden nach drei Niederlagen in Folge gegen Deutschland darauf brennen, diese Scharte auszuwetzen und werden alles in die Waagschale werfen, um nicht bereits nach dem ersten Gruppenspieltag ins Hintertreffen zu geraten. Von daher ist höchste Vorsicht aus deutscher Sicht geboten, denn Cristiano Ronaldo ins Rollen kommen zu lassen, könnte sich schnell rächen.

     
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