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  • Marc Fischer

    Marc Fischer 4:13 pm am December 8, 2014 Permalink | Antwort
    Tags: , Langerak, Torwart, Weidenfeller   

    Überfällig 

    Mitch Langerak erhielt beim Spiel von Borussia Dortmund gegen die TSG Hoffenheim überraschend den Vorzug vor Stammtorhüter Roman Weidenfeller. Ein längst überfälliger Schritt, den Jürgen Klopp nun vollzogen hat.

    Ein bisschen überrascht sei er von seiner Aufstellung gewesen, gab Langerak nach den 90 Minuten gegen Hoffenheim zu Protokoll. „Normalerweise spielt ja Roman“, schob er hinterher. Aufgrund einer Bauch-Entscheidung seines Trainers Jürgen Klopp aber rutschte der Australier ins Tor und behielt nach dem 1:0-Sieg der Schwarz-Gelben die weiße Weste. Ein Umstand, der Roman Weidenfeller in den dreizehn vorherigen Spielen nur einmal, und zwar gegen Borussia Mönchengladbach, geglückt war.

    Langerak hätte schon früher kommen können

    Nach Abschluss des 14. Spieltages in der Bundesliga wird daraus nun eine kleine Staatsaffäre gestrickt und gefragt, wie Jürgen Klopp nur die Institution Roman Weidenfeller aus dem Tor nehmen konnte? Er, der Weltmeister, der nach Jahren der Konstanz endlich zu seinem wohlverdienten Ruhm gekommen ist? Und überhaupt, degradiert man dermaßen einen Nationaltorhüter? Es sieht so aus, als müsse man nun, nachdem der BVB die rote Laterne wieder an den VfB Stuttgart abgegeben hat, ein Haar in der Suppe finden. Birgt die Personalie Weidenfeller Sprengstoff für den fragilen BVB?

    In Dortmund scheinen die Protagonisten sehr darauf bedacht, der Angelegenheit, den Wind aus den Segeln zu nehmen. Noch spricht Sportdirektor Michael Zorc davon, dass es lediglich eine Bauch-Entscheidung und keine für die gesamte Saison gewesen sei. Auch der Trainer glaubt mit voller Überzeugung, dass der etatmäßige Stammkeeper professionell mit der Situation umgehen wird. Schaut man sich aber die Leistungen der vergangenen anderthalb Jahre an, kommt man zu dem Schluss, dass der Schritt hin zu Langerak durchaus schon früher hätte kommen können.

    Verdient zum Nationalkeeper erhoben

    Während mit Bernd Leno, Timo Horn, Marwin Hitz oder Loris Karius – und das sind nur einige wenige Beispiele – die jungen und talentierten Keeper in den letzten Jahren nur so aus dem Boden schossen, hielt der BVB an Roman Weidenfeller unbeirrt fest. Nach der traumhaften Saison 2012/13 auch nicht ganz unverständlich, war dies wohl die beste Saison, die Weidenfeller bis dato gespielt hatte. Unvergessen seine Glanzparaden, mit denen er die Dortmunder quasi im Alleingang durch das Champions League Halbfinale gegen Real Madrid führte. Daher wurde der gebürtige Pfälzer auch völlig verdient hinter Manuel Neuer zweiter Keeper im Nationaldress.

    Nach dieser großartigen Saison fiel der ehemalige Lauterer jedoch auf sein altes Niveau zurück. Dies bedeutete zwar nach wie vor Bundesligamittelmaß, war mit den gehobenen Ansprüchen des BVB aber eigentlich nicht mehr in Einklang zu bringen. Dies belegen vor allem Noten, die der kicker oder auch weltfussball.de regelmäßig vergeben. Zur Saison 2012/13 war „Weide“ in beiden Rankings viertbester Schnapper der Liga, und dabei sind nicht mal seine Champions League Einsätze eingerechnet. Leicht vorstellbar, sollte man diese Leistungen hinzuzählen, dass es durchaus noch ein paar Plätze hätte nach oben gehen können.

    Als Weltmeister schwer zu ersetzen

    Nach dem Ende der letzten Spielzeit führte der kicker den Keeper, der bereits seit 2002 Borusse ist, nur noch auf dem achten Rang. Im Weltfussball.de-Ranking schloss er auf Rang 10 ab. Mit Schuld daran waren diverse unnötige Ausflüge durch den Strafraum wie jener am 25. Spieltag daheim gegen Borussia Mönchengladbach, der damals eine 1:2 Niederlage einleitete. Dadurch, dass Roman Weidenfeller aber inzwischen Nationaltorhüter war, verbaten sich viele Fans die Kritik an ihrem Liebling.

    Die Tatsache, dass Weidenfeller bei Löw inzwischen ein gutes Standing hatte, sorgte auch hinter vorgehaltener Hand bei manchen Fans für einigen Unmut hinsichtlich der Nachfolger-Findung. Denn der Torhüter ist mit inzwischen 34 Jahren ein recht altes Eisen und dienstältester Torhüter in der Bundesliga. Nicht wenige Borussen hätten gerne Marc-André ter Stegen als legitimen Nachfolger zwischen den Pfosten im Signal-Iduna-Park gesehen. Dies hätte aber gleichzeitig bedeutet, den inzwischen zum Nationaltorhüter gereiften Weidenfeller zu degradieren und gleichzeitig einen anderen Keeper vor die Nase zu setzen.

    Eine Denkpause, oder doch mehr?

    Auch wenn es diese Saison leistungstechnisch gar nicht so schlecht aussieht (kicker: Rang acht, weltfussball.de: Rang zwölf), so wurden die kritischen Stimmen doch lauter. Mats Hummels ärgerte sich nach der Heimniederlage gegen Hannover recht ungewohnt über den spielentscheidenen 0:1-Gegentreffer und kritisierte indirekt den Schlussmann, woraufhin er sich aber öffentlich sofort entschuldigte. Die Sicherheit vergangener Tage jedoch schien dem Dortmunder Torhüter vollends abhanden gekommen zu sein. Sie endete in dem unrühmlichen Ausflug gegen Frankfurt und besiegelte die Niederlage gegen die Hessen.

    Auch wenn es für den Einen oder Anderen nach wie vor ein Frevel sein mag, einen Nationaltorhüter dermaßen zu „degradieren“, ist der Schritt vom alternden Roman Weidenfeller hin zum 26 Jahre alten Mitch Langerak überfällig gewesen. Und sollte es nur als Denkpause gewesen sein, sodass sich Weidenfeller bis zur Winterpause einfach mal eine kleine Auszeit genehmigt und dann noch mal angreift. Jedoch ist es nach den Erfahrungen der letzten Jahre in den Bundesligavereinen schwer vorstellbar, das Weidenfeller schnell in den Kasten zurückkehrt. Es könnte auch der erste Schritt zum Karriereende des Pfälzers gewesen sein. Und vielleicht der Anfang einer neuen Torhüter-Ära beim BVB, diesmal mit Mitch Langerak.

     
  • Marc Fischer

    Marc Fischer 4:11 pm am November 13, 2013 Permalink | Antwort
    Tags: , , Kießling, Köpke, , Weidenfeller   

    Jugendstil 

    Roman Weidenfeller macht wahrscheinlich sein erstes Spiel als Nationalkeeper. Den Adler durfte er bisher nur bei der U-17, U-21 und dem „TEAM 2006“ tragen. Doch gegen Italien oder England könnte es für den Torhüter von Borussia Dortmund soweit sein.

    Im Alter von 33 Jahren noch mal die Aussicht auf eine Premiere in der Nationalmannschaft zu bekommen, dürfte wahrlich nur wenigen Spielern zukommen. 2004 verzichtete Martin Max auf die Nominierung zur EM in Portugal seinerzeit mit den Worten: „Hat Skibbe noch alle Tassen im Schrank?“ Damals gingen diverse Überlegungen von Nationalmannschaftscoach Rudi Völler dahin, den zu dieser Zeit bereits 35-jährigen Martin Max zum Nationalteam einzuladen. Allerdings wollte Völlers damaliger Assistent Michael Skibbe erst noch mal den Spieler studieren und sich von dessen Laufwegen überzeugen.

    Europameisterschaft 2004, das klingt nicht nur wahnsinnig weit weg. Das ist es auch! Liest man sich die Mannschaftsaufstellung von damals durch, bekommt man das Gefühl, im Mittelalter des deutschen Fußballs zu wühlen. Namen und Größen aus einer längst vergangenen Zeit tauchen dort wieder auf. Spieler wie Christian Wörns, Jens Jeremies, Didi Hamann und der heutige Trainer der TSG Neustrelitz Thomas Brdaric.

    Seither hat in der deutschen Nationalmannschaft nicht nur ein Umbruch stattgefunden, sondern gleich mehrere Revolutionen. Angefangen mit der Neuausrichtung unter Jürgen Klinsmann, welche im Sommermärchen 2006 gipfelte, hat wenig später Joachim Löw dessen forschen Jugendstil weiter und weiter vorangetrieben und forciert. Zum Klassiker gegen Italien am Freitag sind die dienstältesten Spieler im Aufgebot, die mittlerweile 30 Jahre alten Heiko Westermann und Philipp Lahm.

    Zuwenig Testspiele für Experimente

    Und Roman Weidenfeller. Mit mittlerweile 33 Jahren hat der Torhüter der Borussia aus Dortmund wohl endlich den verdienten Lohn für all die Jahre beständigen Niveaus in der Bundesliga in Aussicht. Was aber soll diese Nominierung ausgerechnet jetzt? In der letzten Saison bestach der Keeper mit tollen Paraden und ruhiger Ausstrahlung, welche vor allem in der Hinrunde zu starken Leistungen führte. Mit spektakulären Rettungsaktionen führte er unter anderem bei Real Madrid seinen BVB ins Champions League Finale. Zu diesem Zeitpunkt hätte eine Nominierung auch weitaus mehr Sinn gehabt, da dort noch genug Zeit gewesen wäre, Roman Weidenfeller auch wirklich zu testen.

    Nun aber, 8 Monate und nur noch wenige Spiele vor dem Start der Weltmeisterschaft in Brasilien, fängt Nationalcoach Löw an zu experimentieren. Zusätzlich zu einer Zeit, in der Roman Weidenfeller zudem seiner Topform der vorigen Saison hinterher hinkt. Die Unhaltbaren, die letzte Saison noch weggefischt wurden, blieben für ihn bisher unhaltbar. Als Beleg dafür mögen die Kickernoten der CL-Spiele herhalten: In der Saison 2012/13 betrug der Schnitt nach allen Spielen 2,04. Absolut eindrucksvoll! In den bisherigen vier Spielen ist sein Schnitt 3,67.

    Löw weicht damit nicht nur von seinem bisherigen Jugendstil ab, er gibt damit auch dem Drängen und der Kritik der BVB-Verantwortlichen nach. Seit Monaten bearbeiten Watzke, Klopp und Co. Den Bundestrainer medial in einer Art und Weise, wie man es sonst nur vom FC Bayern und seinen Granden kennt. Auch in dieser Hinsicht hat der BVB zum großen Rivalen inzwischen aufgeschlossen. Wie schwer diese Personalie tatsächlich wiegt, sieht man zusätzlich noch am Beispiel von Stefan Kießling.

    Weidenfeller will man beobachten, bei Kießling weiß man, was man hat

    „Wir wollen ihn im Training sehen“, waren die Worte von Torwarttrainer Andreas Köpke vor wenigen Tagen. Dabei ist Weidenfeller schon seit 1999 in der Bundesliga aktiv. Er machte seine ersten Schritte beim 1.FC Kaiserslautern und spielt seit der Saison 2002 in der Bundesliga bei Borussia Dortmund. Kießling ist vier Jahre jünger und ebenfalls seit 2002 in der Bundesliga aktiv. Bei Kießling hieß es stets, man wüsste, was man an ihm hat und muss ihn nicht mehr beobachten. Warum also muss man einen Keeper, der 4 Jahre älter ist und genau so lange in der höchsten deutschen Spielklasse vertreten ist, zwingend im Training sehen, während Stefan Kießling mehr und mehr das Schicksal eines Martin Max teilt? Als Torschützenkönig nicht in der Nationalelf zu spielen…

    Zusätzlich abgefahren sein dürfte der Zug auch damit für Bernd Leno, Ron-Robert Zieler und  Marc-André ter Stegen, die nicht nur wesentlich jünger sind und damit auch weit mehr Perspektive hätten. Auch die Möglichkeiten, sich im Kreis der Nationalmannschaft weiterzuentwickeln und dazuzulernen, dürfte diesen Dreien weit mehr bringen, als einem Torhüter, der spätestens nach der Weltmeisterschaft mit bald 34 Jahren und einem Manuel Neuer vor der Nase eh schon zum alten Eisen gehört.

     
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