Titelhunger

Ein Wechsel von Mats Hummels zum FC Bayern steht nun unmittelbar bevor. Als Grund nennt der gebürtige Münchner seinen Titelhunger. Ob Titel im Freistaat allerdings soviel wahrscheinlicher sind, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Audi Cup

Mats‘ erster Titel in München. Copyright: AUDI AG

Mats Hummels wird wechseln, soviel steht fest. Auch, wo es ihn hinziehen wird, ist nun allen Beteiligten klar. „Ich glaube, wenn, dann wird es Richtung Bayern München gehen“, sagte Hans-Joachim Watzke vor wenigen Tagen in der Sport Bild. „Diese persönlichen Momente, dass er mit dem Klub noch nicht fertig ist. Dass sein Vater, seine Mutter, sein Bruder in München wohnen. Seine Frau aus München ist, er selbst Münchner ist – da kommt schon eine ganze Menge an Komponenten zusammen.“

Hummels-Wechsel nicht nur negativ

Der große Aufschrei wie einst bei Mario Götze bleibt aber bislang aus. Natürlich ist auch Hummels ein großer Verlust für den BVB, sowohl emotional als auch als Persönlichkeit. Er verkörperte jahrelang das Underdog-Image der Dortmunder im Kampf gegen den großen FC Bayern und ist gleichzeitig eines der Aushängeschilder des Vereins und als Kapitän ein gefragter Mann, der sich eloquent in Interviews zu äußern weiß.

In der jüngeren Vergangenheit jedoch lief auch für ihn nicht immer alles rund. Derzeit ist der Innenverteidiger wieder gut in Form, 2015 aber hatte er auch einige Spiele zum vergessen in Repertoire. In dieser Zeit eckte er auch mit seinem Trainer Thomas Tuchel an und machte mehr mit kernigen Aussagen auf sich aufmerksam, als mit Leistung. Gut möglich daher, dass die Verantwortlichen beim BVB den Wechsel weniger schlimm finden als die Fans, vor allem, weil man mit den Einnahmen von kolportierten 30 Millionen auch guten Ersatz beschaffen kann.

Unklare Titelchancen in München

Als Gründe für einen Wechsel gibt der Dortmunder Kapitän an, dass er noch einige Titel in seiner Karriere feiern möchte. Das allerdings klang vor zwei Jahren noch ganz anders. „Es kommt nicht nur darauf an, Titel zu gewinnen. Es kommt auch darauf an, wunderbaren Fußball zu spielen, zusammen mit Freunden erfolgreich zu sein.“ Damals kritisierte er auch Mario Götze für seine Entscheidung, nach München zu wechseln, nun geht er selbst in die „Höhle des Löwen“.

Das er mit 27 Jahren noch Titel gewinnen möchte, kann ihm niemand ankreiden, vielmehr spricht es für den Spieler, das er noch Ziele hat, die er auch erreichen möchte. Das er beim FC Bayern allerdings automatisch Titel gewinnt, während er beim BVB leer ausgehen würde, darf zumindest angezweifelt werden. Denn mit Ancelotti kommt zuvorderst ein neuer Trainer, der keine eingebaute Titelgarantie hat. Er wurde Meister in Italien, England und Frankreich, aber eben genau so oft auch nicht.

Der BVB ist auf dem aufsteigenden Ast

Zudem würde Hummels in just jener Phase zum Rekordmeister wechseln, wo ein Umbruch im Kader ansteht. Philipp Lahm, Franck Ribery und Arjen Robben werden nicht jünger, während Kingsley Coman und Diego Costa gute Ansätze zeigen, aber zu unkonstant agieren. Daneben ist auch Xabi Alonso inzwischen schon 34 Jahre alt, sein Vertreter oder Nebenmann Arturo Vidal ist ebenfalls schon 29. Der Kader muss eigentlich zwingend verjüngt werden und es braucht zukunftsfähige Transfers an der Säbener Straße. Mit 27 ist Hummels zwar ein solider Transfer, aber eben auch nicht wirklich innovativ. Im besten Falle schwächen die Bayern damit mal wieder die Konkurrenz.

In Dortmund sieht die Sache ein wenig anders aus. Mit Tuchel hat man einen jungen und hungrigen Trainer an der Seitenlinie, der mit der Entwicklung des Teams noch nicht am Ende zu sein scheint. Mit Henrik Mkhitaryan, Pierre-Emerick Aubameyang und Marco Reus hat der BVB zudem eine Sturmreihe, die um einiges jünger ist, als die der Münchner Konkurrenz und mit Christian Pulisic hat man zudem ein vielversprechendes Talent in der Hinterhand.

Zu viele Unwägbarkeiten bei Bayern

Der Abstand der beiden Klubs ist also bei weitem nicht so groß, wie Hummels denken mag. Beide haben den Rest der Liga mehr als nur distanziert und vor allem in der Rückrunde schien der BVB den Bayern ebenbürtig. Die Borussen holten bislang einen Punkt mehr und machten im Gegensatz zum großen Rivalen einen frischeren Eindruck, während sich der FCB in den letzten Wochen von Sieg zu Sieg quält. Seit März schoss der BVB in der Bundesliga achtzehn Tore, drei mehr als die Bayern.

Somit ist es vor allem auch den Dortmundern zu verdanken, dass die Meisterschaft erst so spät entschieden wird. Mats Hummels könnte also einem Trugschluss unterliegen und sich am Ende verwechseln. Die Bayern sind ein Stück weit auf einem absteigenden Ast und stehen vor einigen schweren Entscheidungen sowie Neuerungen, während der BVB noch Potenzial nach oben zu haben scheint und sich dabei immer mehr findet. Am Ende könnte sich der Wechsel aufgrund der Titelwüsche für Hummels rächen.