Topduell

Super Bayern, Super Bayern, hey hey! gegen Heidi Heidi Heidi Heidi Hooooo, BVB, Null Neeeeeuuuuun!

Das Highlight der Hinrunde steht an. Das alles elektrisierende Spiel der deutschen Bundesliga. Übertragen in mindestens 782 Länder dieser Welt. Live! Und mit Marcel Reif. Wer es noch härter braucht, darf im aktuellen Sportstudio später noch Béla Réthy zuhören. Der „deutsche Clásico“ überstrahlt alles. So der einhellige Tenor der Fußballfachmagazine und Expertenblätter. Aber tut er das wirklich?

Seit Tagen nun ist die Presse voll von dem Thema FC Bayern gegen Borussia Dortmund. Zugegeben, auch wir sind vom Punkt kurz auf den Zug während des Länderspiels aufgesprungen. Es sind ja auch unbestritten die beiden derzeit besten deutschen Mannschaften, spielerisch gesehen, die dort aufeinander treffen.

Ihre Erfolge, ihre Taktik, ihre Frauen… geht’s noch???

Das es aber mit der Zeit ebenfalls die Fans gehörig nervt, die weder von Bayern noch von Dortmund angetan sind, scheint die Fachmagazine dabei nicht sonderlich zu interessieren. Jede Schlagzeile wird hochgepusht, jede noch so kleine Ungewöhnlichkeit wird zum Anlass einer Titelstory genommen. Der Ausfall diverser Spieler, ob auf der einen oder anderen Seite, kommt einer Staatstragik gleich.

In den letzten Tagen vergeht keine Stunde, wo nicht einer der vielzähligen Ausfälle kommentiert wird, analysiert wird, darüber debattiert wird, wer eingesetzt wird und was die Konsequenzen für das Spiel letztlich sind. So kommt es, dass die Kaffeesatzleser mit den Glaskugelbesitzern diskutieren und sich jede noch so kleine Schlichtgestalt meldet und Senf dazu absondert. Die Krone setzt ein Vergleich mit dem Titel „Pep vs. Klopp: Ihre Erfolge, ihre Taktik, ihre Frauen“ auf. Wundern würde es mittlerweile nicht mehr, würden bei diesem Spiel der Spiele plötzlich auch Frauen auf dem Platz stehen. Unmöglich scheint in dem Duell der Superlative eh schon nichts mehr!

Stattdessen wäre es schön, auch einen Blick für die anderen Duelle des Spieltags zu haben, denn auch dort ist genug Spannung geboten, rücken diese nur derzeit weit in den Hintergrund des „Topduells“. Bereits Freitag tritt die „Best of the rest“-Borussia aus Mönchengladbach bei ihrem Angstgegner aus Stuttgart an. Angstgegner? Jawohl, nur eines der letzten 14 Spiele konnten die Fohlen gegen die Schwaben gewinnen. Dieses jedoch ausgerechnet vor zwei Jahren in Stuttgart.

Es scheint, als gebe es keine anderen Duelle an diesem Wochenende

Desweiteren kommt es in der 2. Liga am Samstag ebenfalls zu einem Duell der Zweitliga-Giganten und Aufstiegskandidaten. Der Betzenberg in Kaiserslautern empfängt die Eisernen aus Berlin. Ebenfalls eine Begegnung, welche Spannung und Schönheit nicht von vornherein ausschließt, nur weil nicht München oder Borussia als Trademark draufsteht. Mit 1860 München gegen Greuther Fürth gibt es zudem noch ein Derby.

In der dritten Liga treffen mit Rot-Weiß Erfurt und Darmstadt 98 zwei Teams aufeinander, die eher als Überraschungen der laufenden Saison zu sehen sind, zumal vor allem die Hessen letztes Jahr eigentlich sportlich abgestiegen waren und nur durch den Lizenzentzug der Kickers aus Offenbach in der dritten Liga verbleiben durften. Ein direktes Duell im Abstiegskampf steht in Münster auf dem Programm. Die Preußen spielen gegen den direkten Tabellennachbarn aus Stuttgart. Die Kickers aus Stuttgart trennten sich Ende September bereits nach zehn Spielen von ihrem Trainer Gerd Dais und installierten mit Horst Steffen den ehemaligen A-Jugendtrainer von Borussia Mönchengladbach. Preußen Münster erledigte diese Sache bereits zwei Wochen zuvor und hat mit Ralf Loose den ehemaligen Trainer von Dynamo Dresden an der Seitenlinie stehen.

Spiele genug also, die ebenfalls für Gesprächsstoff sorgen sollten. Stattdessen hört man seit Tagen die ewig gleichen Protagonisten und Wortführer, die die immergleichen Hülsen absondern und von einem schweren Spiel sprechen, dass man von einer Vorentscheidung in der Meisterschaft noch nicht reden könne und das man alles geben müsse, um den Platz als Sieger zu verlassen. Man sehnt fast den 14. Spieltag herbei, damit es endlich vorbei ist.