Überfällig

Mitch Langerak erhielt beim Spiel von Borussia Dortmund gegen die TSG Hoffenheim überraschend den Vorzug vor Stammtorhüter Roman Weidenfeller. Ein längst überfälliger Schritt, den Jürgen Klopp nun vollzogen hat.

Ein bisschen überrascht sei er von seiner Aufstellung gewesen, gab Langerak nach den 90 Minuten gegen Hoffenheim zu Protokoll. „Normalerweise spielt ja Roman“, schob er hinterher. Aufgrund einer Bauch-Entscheidung seines Trainers Jürgen Klopp aber rutschte der Australier ins Tor und behielt nach dem 1:0-Sieg der Schwarz-Gelben die weiße Weste. Ein Umstand, der Roman Weidenfeller in den dreizehn vorherigen Spielen nur einmal, und zwar gegen Borussia Mönchengladbach, geglückt war.

Langerak hätte schon früher kommen können

Nach Abschluss des 14. Spieltages in der Bundesliga wird daraus nun eine kleine Staatsaffäre gestrickt und gefragt, wie Jürgen Klopp nur die Institution Roman Weidenfeller aus dem Tor nehmen konnte? Er, der Weltmeister, der nach Jahren der Konstanz endlich zu seinem wohlverdienten Ruhm gekommen ist? Und überhaupt, degradiert man dermaßen einen Nationaltorhüter? Es sieht so aus, als müsse man nun, nachdem der BVB die rote Laterne wieder an den VfB Stuttgart abgegeben hat, ein Haar in der Suppe finden. Birgt die Personalie Weidenfeller Sprengstoff für den fragilen BVB?

In Dortmund scheinen die Protagonisten sehr darauf bedacht, der Angelegenheit, den Wind aus den Segeln zu nehmen. Noch spricht Sportdirektor Michael Zorc davon, dass es lediglich eine Bauch-Entscheidung und keine für die gesamte Saison gewesen sei. Auch der Trainer glaubt mit voller Überzeugung, dass der etatmäßige Stammkeeper professionell mit der Situation umgehen wird. Schaut man sich aber die Leistungen der vergangenen anderthalb Jahre an, kommt man zu dem Schluss, dass der Schritt hin zu Langerak durchaus schon früher hätte kommen können.

Verdient zum Nationalkeeper erhoben

Während mit Bernd Leno, Timo Horn, Marwin Hitz oder Loris Karius – und das sind nur einige wenige Beispiele – die jungen und talentierten Keeper in den letzten Jahren nur so aus dem Boden schossen, hielt der BVB an Roman Weidenfeller unbeirrt fest. Nach der traumhaften Saison 2012/13 auch nicht ganz unverständlich, war dies wohl die beste Saison, die Weidenfeller bis dato gespielt hatte. Unvergessen seine Glanzparaden, mit denen er die Dortmunder quasi im Alleingang durch das Champions League Halbfinale gegen Real Madrid führte. Daher wurde der gebürtige Pfälzer auch völlig verdient hinter Manuel Neuer zweiter Keeper im Nationaldress.

Nach dieser großartigen Saison fiel der ehemalige Lauterer jedoch auf sein altes Niveau zurück. Dies bedeutete zwar nach wie vor Bundesligamittelmaß, war mit den gehobenen Ansprüchen des BVB aber eigentlich nicht mehr in Einklang zu bringen. Dies belegen vor allem Noten, die der kicker oder auch weltfussball.de regelmäßig vergeben. Zur Saison 2012/13 war „Weide“ in beiden Rankings viertbester Schnapper der Liga, und dabei sind nicht mal seine Champions League Einsätze eingerechnet. Leicht vorstellbar, sollte man diese Leistungen hinzuzählen, dass es durchaus noch ein paar Plätze hätte nach oben gehen können.

Als Weltmeister schwer zu ersetzen

Nach dem Ende der letzten Spielzeit führte der kicker den Keeper, der bereits seit 2002 Borusse ist, nur noch auf dem achten Rang. Im Weltfussball.de-Ranking schloss er auf Rang 10 ab. Mit Schuld daran waren diverse unnötige Ausflüge durch den Strafraum wie jener am 25. Spieltag daheim gegen Borussia Mönchengladbach, der damals eine 1:2 Niederlage einleitete. Dadurch, dass Roman Weidenfeller aber inzwischen Nationaltorhüter war, verbaten sich viele Fans die Kritik an ihrem Liebling.

Die Tatsache, dass Weidenfeller bei Löw inzwischen ein gutes Standing hatte, sorgte auch hinter vorgehaltener Hand bei manchen Fans für einigen Unmut hinsichtlich der Nachfolger-Findung. Denn der Torhüter ist mit inzwischen 34 Jahren ein recht altes Eisen und dienstältester Torhüter in der Bundesliga. Nicht wenige Borussen hätten gerne Marc-André ter Stegen als legitimen Nachfolger zwischen den Pfosten im Signal-Iduna-Park gesehen. Dies hätte aber gleichzeitig bedeutet, den inzwischen zum Nationaltorhüter gereiften Weidenfeller zu degradieren und gleichzeitig einen anderen Keeper vor die Nase zu setzen.

Eine Denkpause, oder doch mehr?

Auch wenn es diese Saison leistungstechnisch gar nicht so schlecht aussieht (kicker: Rang acht, weltfussball.de: Rang zwölf), so wurden die kritischen Stimmen doch lauter. Mats Hummels ärgerte sich nach der Heimniederlage gegen Hannover recht ungewohnt über den spielentscheidenen 0:1-Gegentreffer und kritisierte indirekt den Schlussmann, woraufhin er sich aber öffentlich sofort entschuldigte. Die Sicherheit vergangener Tage jedoch schien dem Dortmunder Torhüter vollends abhanden gekommen zu sein. Sie endete in dem unrühmlichen Ausflug gegen Frankfurt und besiegelte die Niederlage gegen die Hessen.

Auch wenn es für den Einen oder Anderen nach wie vor ein Frevel sein mag, einen Nationaltorhüter dermaßen zu „degradieren“, ist der Schritt vom alternden Roman Weidenfeller hin zum 26 Jahre alten Mitch Langerak überfällig gewesen. Und sollte es nur als Denkpause gewesen sein, sodass sich Weidenfeller bis zur Winterpause einfach mal eine kleine Auszeit genehmigt und dann noch mal angreift. Jedoch ist es nach den Erfahrungen der letzten Jahre in den Bundesligavereinen schwer vorstellbar, das Weidenfeller schnell in den Kasten zurückkehrt. Es könnte auch der erste Schritt zum Karriereende des Pfälzers gewesen sein. Und vielleicht der Anfang einer neuen Torhüter-Ära beim BVB, diesmal mit Mitch Langerak.