Urteil

Die FIFA hat Josip Šimunić für 10 Spiele in der kroatischen Nationalelf gesperrt. Die Verbände sind weiter auf der Suche nach einer einheitlichen Rechtssprechung.

Am 19. November qualifizierte sich Kroatien für die Weltmeisterschaft in Brasilien mit einem 2:0 Sieg im Playoff-Rückspiel gegen Island. Die Tore von Mario Mandžukić und Darijo Srna rückten aber schon nach wenigen Minuten in den Hintergrund. Der ehemalige Bundesliga-Legionär und Nationalspieler Kroatiens Josip Šimunić ging nach dem Abpfiff in die Kurve und schnappte sich das Mikrofon. Was dann folgte, brachte ihm nun eine Sperre im Nationalteam von 10 Spielen ein und eine Geldstrafe von 30.000 Schweizer Franken (24.500 Euro). Die FIFA verurteilte den ehemaligen HSV-TSG-Hertha-Spieler für die Ausführung des faschistischen Ustaša-Grußes („Za Dom – Spremni“ – dt: Für die Heimat – Bereit!).

Nun ist das Urteil sicherlich zu begrüßen, zeigt es doch schließlich endlich einmal auch Handlungsbereitschaft der FIFA, dass sie zu ihren Werbespots und antidiskriminierenden Parolen steht, in denen es immer um Respekt und Völkerfreundschaft geht. Šimunić selbst fühlt sich nach wie vor missverstanden und beteuert weiterhin, keinesfalls faschistisch gewesen sein zu wollen, sondern nur im Überschwang der Freude über die geschaffte Qualifikation seinen Emotionen freien Lauf gelassen zu haben. Das Šimunić in Australien geboren wurde, als Kind, dessen Eltern in den Siebzigern aus dem bosnischen Kiseljak emigriert waren, ist da nur eine witzige Randgeschichte.

Auch Mario Mandžukić und Xherdan Shaqiri wurden nur falsch verstanden

Doch sind längst nicht alle Verbände so konsequent wie die FIFA im angesprochenen Fall. Auch der DFB hatte vor gar nicht allzu langer Zeit einen ähnlichen Vorfall. Da gab es die Aktion von Mario Mandžukić und Xherdan Shaqiri im Bundesligaspiel des FC Bayern in Nürnberg letztes Jahr am 17.11.2012. Als der kroatische Nationalstürmer in Diensten der Bajuwaren das 1:0 schoss, rannte er auf die Tribüne zu und irritierte die Zuschauer erstmal mit seiner Jubelgeste. Diese ähnelte einem militärischen Gruß, den kroatische Medien als Salut an die zwei umstrittenen kroatischen Kriegsgeneräle Ante Gotovina und Mladen Markač werteten. Shaqiri lief hinterher und tat es ihm nach.

Mandžukić wies hinterher Anschuldigungen von sich, es gäbe einen Zusammenhang und gab zu Protokoll, dass es zwar ein militärischer Gruß gewesen sei, dieser aber lediglich an Kroatien gerichtet war und er damit den dortigen Fans zugewunken habe. Der im Kosovo geborene Shaqiri outete sich nur als unwissender Mitläufer. Pikant an der Thematik war, dass die beiden umstrittenen Generäle just zu dieser Zeit vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal überraschend freigesprochen worden waren und viele kroatische Sportler ihre Solidarität mit den Generälen zeigten.

So auch der Manager von Mario Mandžukić, der entgegen der Aussage von Karl-Heinz Rummenigge sehr wohl einen Zusammenhang zwischen dem Jubel und dem Freispruch sah. Rummenigge erklärte damals, den Jubel mit der Freilassung gleichzusetzen sei eine Fehlinterpretation. Konsequenz aus dem Vorfall: Beide Spieler wurden vom DFB aufgefordert, entsprechende Jubelformen zu unterlassen, um Fehlinterpretationen zu vermeiden. Dabei liegt die Begründung von Mandžukić gefährlich nah an der von Šimunić, welcher ähnlich erklärte, einen emotionalen Moment gehabt zu haben, welcher lediglich durch die „Liebe zum kroatischen Volk und dem Heimatland“ motiviert war.

Di Canio wollte nur sein Volk grüßen

In Italien war es einst Paulo Di Canio in Diensten von Lazio Rom, der versuchte, den römischen Gruß, artverwandt mit dem Hitlergruß, salonfähig zu machen. Als der bekennende Rassist im Januar 2005 als Kapitän beim Derby gegen den AS Rom in der 29. Minute das 1:0 schoss, lief er in die Kurve der Laziali und reckte den rechten Arm zum römischen Gruß hoch. Später sagte Di Canio, er wollte doch nur sein Volk grüßen. Die italienische Disziplinarkommission des italienischen Fußballverbandes verknackte ihn deshalb zu einer Geldstrafe von 10.000 Euro.

Das jedoch hielt den ehemaligen Stürmer nicht davon ab, den Gruß noch zweimal zu wiederholen, einmal gegen den AS Livorno, einmal gegen Juventus Turin. Wieder bekam Di Canio eine Geldstrafe von 10.000 Euro aufgebrummt. Daraufhin organisierte der Ultraverband „Irriducibili Lazio“, welcher sich aus größtenteils rassistischen Lazio-Fans zusammensetzt und deren Mitglied Di Canio auch ist, eine Demonstration zu Gunsten des Stürmers. Unter anderem fand eine Sammelaktion statt, um die 10.000 Euro für die Strafe aufzubringen. Mittlerweile treibt Di Canio sein Unwesen als Trainer, wurde aber zuletzt im September beim englischen Club AFC Sunderland entlassen.

Giorgos Katidis darf nie wieder für Griechenland spielen

Drastischer traf es da schon den griechischen Jungnationalspieler Giorgos Katidis, der in Di Canio wohl ein großes Vorbild sah. Im März dieses Jahres feierte auch der Spieler vom AEK Athen ein Tor mit dem Hitlergruß. Als Kapitän der griechischen U-19-Nationalmannschaft feierte der Jungstar im Sommer 2012 noch die Vizeeuropameisterschaft mit seinem Team, nach dem Eklat jedoch schloss ihn bereits tags darauf der griechische Verband EPO lebenslänglich aus allen griechischen Auswahlteams aus. Zwar beteuerte Katidis, die Bedeutung des Grußes nicht gekannt zu haben und das er das Tor mit der Geste lediglich einem Freund auf der Tribüne widmen wollte, doch es half nichts. Als Konsequenz kündigte Katidis daher aus eigenem Antrieb den Vertrag bei AEK Athen und spielt mittlerweile in Italien bei Novara Calcio.

Das Urteil der FIFA ist drastisch, dürfte aber für die nationalen Verbände vielleicht endlich so etwas wie einen Richtwert darstellen. Dummheit oder Unwissen oder eine Kombination aus beidem über nationalistisches Gedankengut schützen die Spieler jedenfalls nicht mehr vor Strafen. Und allem Nationalstolz zum Trotz, so ist eine WM doch sicherlich eher bekannt, die Völker dieser Welt zusammenzuführen, als mit falschem Patriotismus auseinander zu dividieren.