Vianogo

Der FC Schalke 04 hat den erst vor zehn Tagen geschlossenen Vertrag mit dem Tickethändler Viagogo bereits wieder fristlos gekündigt. Schon im Vorfeld gab es große Proteste der eigenen Fans, die sich gegen eine Zusammenarbeit der Ticketbörse und ihrem Verein aussprachen. Schalke sicherte dem Unternehmen für die nächsten drei Jahre pro Heimspiel 3000 Tickets zu, welche mit bis zu 100% Aufschlag weiterverkauft werden durften. Immerhin hätte der Verein die nächsten drei Jahre für diesen Werbedeal 3,6 Mio. Euro bekommen, wie auf der Jahreshauptversammlung vor wenigen Tagen kolportiert wurde.

Dort machten die Gegner mit lauten „Vianogo“-Rufen ihrem Ärger Luft und ließen eine Probeabstimmung durchführen. Mit dem Ergebnis, dass sich eine große Mehrheit der Anwesenden gegen eine Zusammenarbeit aussprach. Die Mitglieder hatten es zwar zu diesem Zeitpunkt nicht geschafft, dass Präsidium umzustimmen. Die Entscheidung stand für die führenden Köpfe längst fest. Marketingvorstand Alexander Jobst wurde in diesem Zusammenhang oft genannt. Was die Mitglieder aber bewirkten, war eine positive Sensibilisierung.

Aufgrund des Drucks der eigenen Mitglieder schauten die Verantwortlichen des FC Schalke 04 dem Unternehmen Viagogo wohl nun etwas sorgfältiger auf die Finger und nahmen somit schon die ersten Verfehlungen direkt zum Anlass, den Vertrag fristlos zu kündigen. Es wurde sich nicht an Absprachen gehalten. Was aber wurden für Absprachen getroffen? Wie offensichtlich die Firma die Fans abzockt und zur Kasse bittet, ist Fußballfans vieler Mannschaften mittlerweile bekannt.

Wie kann das, was in der Fanschar nur allzu bekannt ist, an einer Vereinsführung aber so dermaßen vorbei gehen? Es gibt nicht zuletzt schon lange Initiativen wie beispielsweise „Kein Zwanni“. Hier wird schon seit Jahren mittlerweile gegen steigende Ticketpreise protestiert. Auch das ist den Vereinen, und gerade dem FC Schalke, bewusst. Hatten doch nicht zuletzt auch die Königsblauen schon einmal versucht, die Dortmunder Fans bei einem Derby mit erhöhten Auswärtspreisen im BVB-Block zu „überraschen“. Am Ende blieben etliche Schwarz-Gelbe vor den Toren und drückten so ihren Protest gegen die überhöhten Preise aus.

Es macht also schon ein wenig stutzig, wenn wieder der FC Schalke herum experimentiert, wie viel monetären Aderlass man den Fans, seinen Fans, zumuten kann, oder was der Fußballfan so alles mit sich machen lässt. Unwissen über die Geschäftspraktiken des Ticketportals dürfte niemand abkaufen. Es sieht eher danach aus, als hätte der Schalker Vorstand bereitwillig die glückliche Fügung angenommen, so schnell es ging aus dem laufenden Vertrag mit Viagogo wieder herauszukommen, um weiteren Schaden zu vermeiden.

Aber nicht nur der FC Schalke hat sich auf den ominösen Ticketbasar eingelassen. Auch der deutsche Meister Bayern München oder der englische Verein FC Chelsea arbeiten mit dem Portal zusammen. Auch Tickets für Spiele der Dortmunder Borussia sind über Viagogo erhältlich, sowie etliche andere auch. Nach wie vor. Es bleibt zu hoffen, dass der Fall „Schalke 04/Viagogo“ eine Signalwirkung auf die anderen Clubs hat und weitere Konsequenzen gezogen werden. Wie die Geschäftspraktiken des Portals wirklich aussehen, ist durch etliche Beschwerden im Internet und in Fanforen belegt.
Hier ein Erfahrungsbericht eines Journalisten im Selbstversuch mit dem Portal: http://www.jp4sport.biz/archive/6040/mein-deal-mit-viagogo/